Was für viele längst selbstverständlich sein sollte, bleibt im Kanton Zürich vorerst unerreicht: der Schutz queerer Menschen vor sogenannten Konversionsmassnahmen. Obwohl ein Gesetzesentwurf für ein Verbot bereits ausgearbeitet ist, hat die Geschäftsleitung des Kantonsrats Ende Oktober entschieden, das Geschäft vorläufig auf Eis zu legen. Damit ist eingetreten, wovor queere Organisationen schon seit Wochen gewarnt hatten.
Hinter den umstrittenen Praktiken stehen Versuche, die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität einer Person zu verändern oder zu unterdrücken. Was von gewissen Kreisen als Therapie bezeichnet wird, kann für Betroffene schwerwiegende psychische Folgen haben, darunter Depressionen und Traumafolgen. Die grossen medizinischen und gesundheitlichen Fachverbände lehnen solche Praktiken deshalb entschieden ab. Auch die Schweizer Bischofskonferenz und die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz haben sich klar gegen Konversionsmassnahmen ausgesprochen.
Die Politik vertröstet – Betroffene müssen warten
Der Entscheid zur Sistierung kam auf Druck einer bürgerlichen Mehrheit zustande. SVP, FDP, Mitte und EVP sprechen sich dafür aus, zunächst eine mögliche nationale Regelung abzuwarten, statt auf kantonaler Ebene voranzugehen. Die GLP, die das Abwarten anfänglich ebenfalls mittrug, vollzog nach internem und externem Druck eine Kehrtwende und unterstützt inzwischen das kantonale Gesetz.
Die Sistierung gilt vorerst für maximal ein Jahr, kann allerdings verlängert werden. Wann ein schweizweites Verbot tatsächlich kommt, ist weiterhin offen: Der Bundesrat prüft zwar eine nationale Regelung, laut den Initiant:innen der Petition könnte es aber noch fünf bis zehn Jahre dauern, bis sie in Kraft tritt.
Bei SP, Grünen und AL sorgt der Entscheid für deutliche Kritik. Auch queere Organisationen zeigen sich enttäuscht. Sie sehen darin eine unnötige Verzögerung, die den Schutz und die psychische Unversehrtheit queerer Menschen aufs Spiel setzt.
Die Zahlen zeigen, wie dringend gehandelt werden muss
Dass Konversionsmassnahmen kein Relikt aus vergangenen Zeiten sind, belegen Zahlen des Swiss LGBTIQ+ Panels 2023: Mehr als neun Prozent der befragten lesbischen, schwulen und bisexuellen Personen berichteten, bereits mit Versuchen konfrontiert worden zu sein, ihre sexuelle Orientierung zu verändern. Bei trans Personen lag der Anteil sogar bei 16 Prozent.
Für die queere Community ist deshalb klar: Der Schutz darf nicht von politischen Verzögerungen oder einer ungewissen Bundeslösung abhängen. Schon an der Berner Pride gingen Tausende auf die Strasse und forderten unter anderem ein Verbot von Konversionsmassnahmen.
Petition fordert sofortiges Verbot
Als Reaktion auf den Entscheid hat HAZ Queer Zürich eine Petition lanciert. Die Forderung an den Zürcher Kantons- und Regierungsrat ist eindeutig: Die bestehende Gesetzesvorlage soll ohne weitere Verzögerung behandelt und ein wirksames Verbot von Konversionsmassnahmen verabschiedet werden.
Dahinter steht eine einfache Haltung: Niemand soll dazu gedrängt werden, die eigene Identität oder sexuelle Orientierung zu verleugnen oder zu verändern. Selbstbestimmung ist kein Privileg, sondern ein Recht.
Jetzt ist die Community gefragt: Wer sich für die Rechte und den Schutz queerer Menschen starkmachen möchte, kann die Petition unterzeichnen.
👉 Hier geht's zur Petition «Konversionsmassnahmen jetzt verbieten!»
