Konversionstherapien: Zürich verschiebt den Schutz – und die Kritik wächst

Politik

(Bild: Henrique Ferreira | Unsplash)
Ein Verbot von Konversionspraktiken soll Menschen vor schädlichen Praktiken schützen. Doch in Zürich könnte das Vorhaben vorerst auf Eis gelegt werden. Für queere Organisationen ist klar: Auf einen möglichen Schutz durch den Bund zu warten, reicht nicht.

 

Es geht um Praktiken, die Menschen dazu bringen sollen, ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität zu verändern. Der Kanton Zürich spricht bewusst von «Konversionspraktiken» statt von «Konversionstherapien»: Damit soll deutlich werden, dass es sich nicht um wissenschaftlich anerkannte Therapien handelt.

Nun steht ausgerechnet Zürich vor einer Verzögerung.

Im Kantonsrat wird derzeit über ein kantonales Verbot beraten. SVP und FDP wollen das Geschäft sistieren – also vorerst nicht weiterbehandeln. Unterstützung erhalten sie dabei auch von der GLP. Als Argument nennt die Partei eine mögliche Regelung auf Bundesebene.

Für die queere Community ist genau dieses Abwarten der Knackpunkt. HAZ – Queer Zürich kritisiert, dass Betroffene jetzt auf einen Schutz warten sollen, obwohl ein kantonales Gesetz bereits konkret auf dem Tisch liegt. Auch die Lesbenorganisation Schweiz (LOS) warnt davor, dass eine nationale Lösung Jahre dauern könnte.

Besonders brisant ist die Position der GLP: Noch im eigenen politischen Umfeld wird ein Verbot von Konversionsmassnahmen grundsätzlich gefordert. Gleichzeitig unterstützt die Zürcher Kantonsratsfraktion die Sistierung des kantonalen Geschäfts. Für queere Organisationen entsteht damit ein Widerspruch zwischen dem erklärten Ziel und dem politischen Vorgehen.

Dabei geht es nicht nur um einen politischen Zeitplan. Hinter der Debatte stehen Menschen, die bereits unter solchen Praktiken gelitten haben. Das Transgender Network Switzerland (TGNS) weist auf mögliche langfristige Folgen für Gesundheit, Privatleben und Arbeitsleben hin.

Mehr als 60 Organisationen haben sich deshalb in der Koalition «Stop Konversionsmassnahmen» zusammengeschlossen und setzen sich für ein Verbot und einen besseren Schutz Betroffener ein.

Die entscheidende Frage ist damit nicht nur, ob die Schweiz Konversionsmassnahmen irgendwann verbietet. Sondern auch, wie lange Menschen noch auf diesen Schutz warten müssen. Für die queere Community in Zürich dürfte die Antwort darauf politisch wie gesellschaftlich relevant bleiben.

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Veröffentlicht:

29.09.2026

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