IDAHOBIT 2026: Ein Blick auf die Zahlen zur Lage in der Schweiz

News

Progress Pride Flag in Nahaufnahme mit Regenbogenstreifen sowie schwarzen, braunen, rosa, hellblau und weissen Streifen.
Am 17. Mai ist IDAHOBIT – der internationale Tag gegen Homo-, Bi- und Transphobie. (Bild: Chris Robert auf Unsplash)
Der internationale Tag gegen Homo-, Bi- und Transphobie findet dieses Jahr unter dem Thema «At the Heart of Democracy» statt. Die Schweizer Zahlen, die diese Woche veröffentlicht wurden, sind ernüchternd.

Am 17. Mai 1990 strich die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität aus ihrer Liste der psychischen Erkrankungen. Seither wird dieser Tag genutzt, um daran zu erinnern, was seither erreicht wurde – und was nicht. Am 15. Mai hat die LGBTIQ-Helpline den Hate Crime Bericht 2026 veröffentlicht. Die Zahlen sind keine Überraschung. Sie sind trotzdem schwer zu lesen.

281 Meldungen von Hassverbrechen gegen queere Menschen wurden 2025 verzeichnet. Das ist eine leichte Abnahme gegenüber dem Rekordjahr 2024, als 309 Meldungen eingingen – bleibt aber auf hohem Niveau. Zwei Drittel der Vorfälle passierten im öffentlichen Raum: auf der Strasse, im öffentlichen Verkehr, an Bahnhöfen. Fast zwei Drittel der Betroffenen berichteten von psychischen Folgen.

Was die Zahl noch schwerer wiegen lässt: Nur zehn Prozent der gemeldeten Hassverbrechen werden bei der Polizei angezeigt, hauptsächlich bei Fällen körperlicher Gewalt. Was in der Statistik steht, ist also bereits die bereinigte Version der Realität.

80 Prozent haben Diskriminierung erlebt

Laut einer aktuellen Studie aus Genf, auf die sich die LGBTIQ-Helpline im Hate Crime Bericht 2026 bezieht, haben mehr als 80 Prozent der LGBTIQ-Personen bereits Diskriminierung oder Gewalt im öffentlichen Raum erlebt. Das ist keine abstrakte Zahl. Es bedeutet, dass die überwiegende Mehrheit queerer Menschen in der Schweiz persönlich betroffen ist – durch Beleidigungen, Gesten, Bedrohungen oder körperliche Gewalt.

Der Bundesrat hat im Januar 2026 auf diese Lage reagiert und den ersten nationalen Aktionsplan gegen Hassverbrechen an LGBTIQ-Personen verabschiedet. Der Plan läuft bis 2030 und umfasst drei Bereiche: Schutz der Betroffenen, Prävention und Monitoring. Die Dachverbände begrüssen ihn – fordern aber verbindlichere Massnahmen und ein solides Budget.

 

Das Thema des Jahres: Demokratie

Global steht der IDAHOBIT 2026 unter dem Motto «At the Heart of Democracy». UNO-Generalsekretär António Guterres hielt in seiner Botschaft fest: «Being who you are should never be a crime. For the first time in years, the number of countries criminalizing consensual same-sex relations has increased.» Der Befund ist eindeutig: Queere Rechte werden nicht nur nicht überall vorangetrieben – an vielen Orten werden sie aktiv zurückgedrängt.

In der Schweiz sind es weniger die Gesetze als die Alltagsrealität, die das Problem beschreibt. Hassverbrechen werden selten angezeigt, weil das Vertrauen in Behörden fehlt. Wer Hilfe sucht oder einen Vorfall melden möchte, kann das über stophate.ch tun oder die LGBTIQ-Helpline unter 0800 133 133 erreichen.

 

Maurice Müller

Online Redakteur
DISPLAY Magazin

Artikel jetzt teilen

Veröffentlicht:

17.05.2026

Weitere Artikel zum Thema

Das Bundeshaus in Bern mit Schweizer Fahne vor einem farbigen Himmel.

Politik

Die erleichterte Stiefkindadoption sollte Kinder in Regenbogenfamilien schneller rechtlich absichern. Nun hat der Ständerat die Vorlage an den Bundesrat zurückgewiesen. Für betroffene Familien bleibt damit vieles offen.
19.06.2026

Diversity Porträts

Peter Hugi ist mit 19 schon sein eigener Chef – und schneidet in Zürich Haare. Er mag viele Styles, bloss bei Vokuhila wird ihm ganz anders. Peters Lieblingskundin wäre Marilyn Monroe gewesen.
11.07.2026

Politik

Das Zurich Pride Festival hat kein gesichertes Budget für 2026 – DISPLAY ruft zur Petition an die Stadt Zürich auf. Unterschreibe jetzt für den Erhalt des grössten queeren Events der Schweiz.
01.02.2026
Mehr gibt es leider gerade nicht. Wir schreiben fleissig weiter.