Am 17. Mai 1990 strich die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität aus ihrer Liste der psychischen Erkrankungen. Seither wird dieser Tag genutzt, um daran zu erinnern, was seither erreicht wurde – und was nicht. Am 15. Mai hat die LGBTIQ-Helpline den Hate Crime Bericht 2026 veröffentlicht. Die Zahlen sind keine Überraschung. Sie sind trotzdem schwer zu lesen.
281 Meldungen von Hassverbrechen gegen queere Menschen wurden 2025 verzeichnet. Das ist eine leichte Abnahme gegenüber dem Rekordjahr 2024, als 309 Meldungen eingingen – bleibt aber auf hohem Niveau. Zwei Drittel der Vorfälle passierten im öffentlichen Raum: auf der Strasse, im öffentlichen Verkehr, an Bahnhöfen. Fast zwei Drittel der Betroffenen berichteten von psychischen Folgen.
Was die Zahl noch schwerer wiegen lässt: Nur zehn Prozent der gemeldeten Hassverbrechen werden bei der Polizei angezeigt, hauptsächlich bei Fällen körperlicher Gewalt. Was in der Statistik steht, ist also bereits die bereinigte Version der Realität.
80 Prozent haben Diskriminierung erlebt
Laut einer aktuellen Studie aus Genf, auf die sich die LGBTIQ-Helpline im Hate Crime Bericht 2026 bezieht, haben mehr als 80 Prozent der LGBTIQ-Personen bereits Diskriminierung oder Gewalt im öffentlichen Raum erlebt. Das ist keine abstrakte Zahl. Es bedeutet, dass die überwiegende Mehrheit queerer Menschen in der Schweiz persönlich betroffen ist – durch Beleidigungen, Gesten, Bedrohungen oder körperliche Gewalt.
Der Bundesrat hat im Januar 2026 auf diese Lage reagiert und den ersten nationalen Aktionsplan gegen Hassverbrechen an LGBTIQ-Personen verabschiedet. Der Plan läuft bis 2030 und umfasst drei Bereiche: Schutz der Betroffenen, Prävention und Monitoring. Die Dachverbände begrüssen ihn – fordern aber verbindlichere Massnahmen und ein solides Budget.
Das Thema des Jahres: Demokratie
Global steht der IDAHOBIT 2026 unter dem Motto «At the Heart of Democracy». UNO-Generalsekretär António Guterres hielt in seiner Botschaft fest: «Being who you are should never be a crime. For the first time in years, the number of countries criminalizing consensual same-sex relations has increased.» Der Befund ist eindeutig: Queere Rechte werden nicht nur nicht überall vorangetrieben – an vielen Orten werden sie aktiv zurückgedrängt.
In der Schweiz sind es weniger die Gesetze als die Alltagsrealität, die das Problem beschreibt. Hassverbrechen werden selten angezeigt, weil das Vertrauen in Behörden fehlt. Wer Hilfe sucht oder einen Vorfall melden möchte, kann das über stophate.ch tun oder die LGBTIQ-Helpline unter 0800 133 133 erreichen.
