«Konversionsmassnahmen haben in unserer Gesellschaft keinen Platz»

Politik

Nationalrat Patrick Hässig über den Entscheid der Zürcher GLP, welche nach internem und externem Druck, ein kantonales Gesetz gegen Konversionsmassnahmen nun doch unterstützt.

Sogenannte Konversionsmassnahmen sind erwiesenermassen gefährlich. Sie können besonders junge Menschen bis in den Suizid treiben. Medizinische Fachverbände, die meisten Parteien, die Landeskirchen und viele weitere Organisationen lehnen sie klar ab.

DISPLAY: Patrick, Konversionsmassnahmen können bei Betroffenen grosses Leid verursachen. Du setzt dich seit Jahren dagegen ein. Warum braucht es dieses Verbot?

Patrick Hässig: Weil für mich völlig klar ist: Konversionsmassnahmen haben in unserer Gesellschaft keinen Platz. Die Vorstellung, die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität eines Menschen müsse oder könne «korrigiert» werden, ist falsch. Das habe ich bereits 2023 im Kantonsrat sehr deutlich gesagt. Und diese Haltung entspricht auch den gesellschaftspolitischen Grundwerten der GLP. Wir wollen Menschen in ihrer individuellen Lebensgestaltung schützen und nicht zulassen, dass insbesondere junge Menschen Praktiken ausgesetzt werden, die ihnen schweren Schaden zufügen können.

Trotzdem wollte vergangene Woche eine Mehrheit der Zürcher GLP-Fraktion das kantonale Gesetz zuletzt nicht unterstützen beziehungsweise dessen Behandlung sistieren. Hat die GLP hier kurzfristig ihren eigenen gesellschaftspolitischen Kompass verloren?

Ich glaube, das darf man durchaus so kritisch formulieren. Für mich war dieser Entscheid nicht nachvollziehbar und ich habe mich auf öffentlich dazu geäussert. Die GLP hat Konversionsmassnahmen nie unterstützt – im Gegenteil. Auch innerhalb unserer Partei bestand kein Zweifel daran, dass diese Praktiken abzulehnen sind.

Eine knappe Mehrheit der Fraktion hat sich bei dieser Frage zwischenzeitlich zu stark auf die staatspolitische Zuständigkeit konzentriert und dabei aus den Augen verloren, worum es im Kern geht: um den Schutz von Menschen. Wenn eine nationale Lösung nicht rechtzeitig kommt, dürfen wir auf kantonaler Ebene nicht einfach warten. Deshalb bin ich froh, dass unsere Kantonsrätinnen und Kantonsräte diesen Entscheid nochmals besprochen und unseren Kompass wieder klar ausgerichtet haben.

Nun also die Kehrtwende. Ist das nicht schlicht eine Korrektur eines politischen Fehlers nach erheblichem internem und externem Druck?

Es war eine Korrektur und ich finde, dazu darf man auch stehen. Politik bedeutet für mich nicht, einen einmal gefällten Entscheid um jeden Preis zu verteidigen. Entscheidend ist, dass man bereit ist, Argumente nochmals abzuwägen und einen Entscheid zu korrigieren. Man hat sich in technokratischen Gedanken verloren und ist nun zum Schluss gekommen, dass sie nicht den eigenen grundsätzlichen Haltungen der Partei entsprechen.

Natürlich gab es intern wie extern deutliche Reaktionen. Diese Kritik war wichtig und hat die erneute Diskussion sicherlich mit ausgelöst. Entscheidend ist für mich aber das Resultat: Die GLP will ein gesetzliches Verbot von Konversionsmassnahmen. Eine schweizweit einheitliche Regelung wäre weiterhin die beste Lösung. Aber solange diese nicht da ist, soll der Kanton Zürich handeln. Nicht später. Sondern jetzt. Und ich begrüsse sehr, dass zu dieser klaren Haltung zurückgefunden wurde.

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Veröffentlicht:

29.09.2026

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