Laos war lange das vergessene Land Südostasiens. Doch seit eine moderne Bahnlinie Kunming mit Vientiane verbindet, lässt sich die ganze Strecke von Bangkok bis Südchina auf Schienen zurücklegen. Wir steigen in Bangkok in den Nachtzug, überqueren den Mekong, lassen uns durch Karstlandschaften, Tempelstädte und Reisfelder tragen – und schauen hin, wo die queere Community in einem der letzten kommunistischen Staaten der Welt ihren Platz findet.
Queer in Laos – zwischen Unsichtbarkeit und Aufbruch
Am Morgen überquert der Zug von Thailand aus die Freundschaftsbrücke über den Mekong nach Laos. Biometrie-Check, Stempel, fertig. Als Schweizer Staatsbürger gehts sogar besonders schnell. Ein Shuttlebus bringt einen zum Hochgeschwindigkeitsbahnhof Vientiane Don Noun – Startpunkt der Laos-China Railway.
Vientiane, die entspannteste Hauptstadt Asiens

Statt Megacity-Chaos eine überschaubare Stadt am Mekong. Französische Kolonialarchitektur trifft auf buddhistische Tempel, Baguettes treffen auf Klebreis. Das Herzstück: der goldene Stupa Pha That Luang, Nationalsymbol von Laos. Abends die Mekong-Promenade: Sonnenuntergang, Laap aus der Strassenküche, eiskaltes Beer Lao.
Wer abends Anschluss sucht: Das Lao Café (CCC Bar) ist die einzige annähernd gay-freundliche Bar der Stadt – ohne Regenbogenschild, aber mit einer offenen Atmosphäre, Einheimischen und Expats. Grindr und Hornet funktionieren, die Community ist klein, aber da.
Vang Vieng – Naturparadies mit Karstkulisse

Vang Vieng ist nur weitere 50 Minuten mit dem Zug entfernt. Einst als Backpacker-Ballermann berüchtigt, heute Naturziel mit Klasse. Der Nam Xay Viewpoint belohnt den steilen Aufstieg mit einem Panorama, das den Atem raubt. Alpamare für Einheimische: die Blue Lagoon, und das Must für Touris ist eine Heissluftballonfahrt bei Sonnenaufgang. Hier hats keine queere Szene, aber der Backpacker-Vibe sorgt dafür, dass niemand zweimal hinschaut – und in den Rooftop-Bars liefern spektakuläre Sonnenuntergangs-Dates über den Karstbergen.
Luang Prabang – Kronjuwel am Mekong

Die alte Königsstadt und UNESCO-Welterbe – wer nur einen Ort in Laos besuchen kann, sollte diesen wählen. Vergoldete Tempel neben kolonialen Villen, überall Mönche in safranfarbenen Roben. Morgens um sechs die Alms Giving Ceremony, tagsüber die türkisfarbenen Kuang Si Wasserfälle, abends Sonnenuntergang vom Phousi Hill.
Zum Frühstück in die Zurich Bread Factory & Café an der Sakkaline Road – ein Stück Schweiz mitten in Südostasien. Frisch gebackene Croissants, fein riechender Kaffee, hübsches Kolonialgebäude. Man fühlt sich kurz wie an der Langstrasse, nur mit Tempelblick.

Die Stimmung in Luang Prabang ist ohnehin weltoffen. Das legendäre Lao Lao Garden, gegründet vom offen schwulen Somphorn Boupha, bleibt der Anlaufpunkt für queere Reisende und Locals. Homosexualität war in Laos nie kriminalisiert, aber es gibt keinerlei Diskriminierungsschutz. Der Buddhismus lehrt Toleranz, doch der gesellschaftliche Druck zu heiraten ist gross. 2012 gründete Aktivist Anan Bouapha «Proud To Be Us Laos» – die erste LGBTQ-Organisation des Landes. Man wird als schwuler Reisender kaum Feindseligkeit erleben, aber auch keine Regenbogenfahnen. Es ist Laos: leise, warmherzig, auf seine eigene Art offen.
Nong Khiaw – Ankommen in den Bergen
Von Luang Prabang geht es mit dem Töff drei Stunden nach Norden. Die Strasse windet sich durch Dschungel und entlang des Nam Ou, die Luft wird kühler, die Dörfer kleiner. Nong Khiaw ist das Gegenprogramm zu allem davor: ein verschlafenes Dorf zwischen Kalksteinfelsen und Reisfeldern, wo der Tag mit dem Sonnenaufgang beginnt und mit einer Nudelsuppe am Fluss endet.
Vom Pha Daeng Viewpoint blickt man über endlosen Dschungel, der 100 Faces of Buddha Trail führt durch mystische Felsformationen. Wer es gemütlicher mag: Sonnenuntergang vom Song Nam Viewpoint, nur 30 Minuten Aufstieg. Danach ein Beer Lao auf der Terrasse des Guesthouses, Füsse hoch, Blick auf die Berge. Laos in seiner rohesten, schönsten Form – und der perfekte Ort, um eine Reise ausklingen zu lassen, die mit dem Nachtzug in Bangkok begann.
Meine sieben Laos-Highlights
Eine Reportage von Raphael Hadad






