In Budapest sind am Samstag Zehntausende Menschen zur 31. Budapest Pride auf die Strasse gegangen. Der Zug startete beim Opernhaus, führte durch die Innenstadt und über die Erzsébet-Brücke. Auf Bildern waren grosse Regenbogenbanner, EU-Fahnen, Fächer und Sonnenschirme zu sehen.
Over 10,000 Hungarians braved record heat to march in Budapest's first Pride since Viktor Orban's election defeat, waving huge rainbow and EU flags https://t.co/75H6bgPY35 pic.twitter.com/6BIoRVc7dM
— Reuters (@Reuters) June 27, 2026
Die Hitze machte die Demonstration zusätzlich anstrengend. In Budapest wurden mindestens 38 Grad gemessen, laut einzelnen Berichten fühlte es sich auf dem Asphalt noch deutlich heisser an. Entlang der Route wurde Wasser verteilt, die städtische Wasserversorgung öffnete Brunnen für die Teilnehmenden.
Laut AFP sollen mindestens 100’000 Menschen dabei gewesen sein. Andere Agenturen sprechen vorsichtiger von Zehntausenden. Klar ist: Nach der Rekord-Pride von 2025 blieb die Zahl tiefer, war aber weiterhin deutlich grösser als in vielen Jahren vor Orbáns Verbotspolitik.
Die erste Pride nach Orbán
Die diesjährige Pride war politisch aufgeladen. Im vergangenen Jahr hatte die Regierung von Viktor Orbán versucht, die Demonstration zu verbieten. Trotzdem fand sie statt – mit einer historischen Beteiligung. Die Pride wurde damals nicht nur zu einer queeren Demonstration, sondern auch zu einem grossen Protest gegen Orbáns autoritäre Politik.
Im April verlor Orbán die Wahl gegen Péter Magyar und dessen Tisza-Partei. Für viele Teilnehmende war die Pride 2026 deshalb mehr als ein CSD. Sie war ein Test: Wie frei kann sich die queere Community in Ungarn nach 16 Jahren Orbán wieder bewegen?
Die Polizei bewilligte die Demonstration in diesem Jahr und sicherte die Route. Das allein markiert einen Unterschied zum Vorjahr. Die Gesetze aus der Orbán-Zeit sind aber noch nicht verschwunden.
Hoffnung, aber noch keine gleichen Rechte
Unter Orbán wurden queere Menschen in Ungarn systematisch zum Feindbild gemacht. Seine Regierung schränkte die rechtliche Anerkennung von trans Personen ein, erschwerte Adoptionen für gleichgeschlechtliche Paare und verbot Inhalte über Homosexualität und trans Identität in Schulen und Medien unter dem Vorwand des Kinderschutzes.
Im April entschied der Europäische Gerichtshof, dass das ungarische Gesetz von 2021 gegen EU-Recht verstösst. Anfang Juni wurden auch die Verfahren gegen den Budapester Bürgermeister Gergely Karácsony und weitere Beteiligte eingestellt, die wegen der Pride 2025 ins Visier der Justiz geraten waren.
Trotzdem ist der Kurs der neuen Regierung noch nicht klar. Péter Magyar spricht von Freiheit und davon, den Menschen nicht vorzuschreiben, wie sie leben sollen. Konkrete Schritte zur Aufhebung der queerfeindlichen Gesetze gab es bisher aber nicht.
Was sich verändert hat
Viele Teilnehmende beschrieben die Stimmung als entspannter als in den vergangenen Jahren. Weniger Angst, weniger Drohkulisse, mehr Hoffnung. Reuters zitierte den Chemiker Mate Tarnai mit den Worten, die grösste Veränderung sei der politische Wandel im Land. Man fühle sich persönlich freier, und die Atmosphäre sei entspannter als im vergangenen Jahr.
Gleichzeitig bleibt die Community vorsichtig. Gerade ausserhalb von Budapest ist die Lage für queere Menschen weiterhin schwieriger. Menschenrechtsorganisationen fordern deshalb, dass Magyar nicht bei Symbolen stehen bleibt, sondern die Gesetze aus der Orbán-Zeit tatsächlich aufhebt.
Eine im Juni veröffentlichte Medián-Umfrage, über die unter anderem 24.hu berichtete, zeigt: 68 Prozent der Befragten würden gleichgeschlechtlichen Paaren Ehe und Adoption ermöglichen.
