Queer zu sein ist keine psychische Erkrankung. Und trotzdem kann das Leben als queere Person mit Erfahrungen verbunden sein, die mentale Gesundheit belasten: ein schwieriges Coming-out, Ablehnung durch Familie oder Freund, Mobbing, Diskriminierung, Gewalt oder das Gefühl, sich ständig erklären zu müssen.
Solche Erfahrungen können sich auf das Wohlbefinden auswirken. Der aktuelle Forschungsbericht zur Gesundheit von LGBT-Personen in der Schweiz zeigt gesundheitliche Ungleichheiten gegenüber der übrigen Bevölkerung – besonders im Bereich der psychischen Gesundheit. Dabei macht der Bericht einen wichtigen Punkt: Nicht die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität an sich erhöht das Risiko für einen Suizidversuch. Eine zentrale Rolle spielen vielmehr LGBT-spezifische Stressoren wie Diskriminierung sowie fehlende soziale Unterstützung und andere Schutzfaktoren.
Mentale Gesundheit ist queere Gesundheit
Darüber zu sprechen bedeutet nicht, Queerness mit Leid gleichzusetzen. Im Gegenteil: Es geht darum, was Menschen brauchen, um gesund, sicher und selbstbestimmt leben zu können.
Dazu gehören Menschen, bei denen wir uns nicht verstecken müssen. Freundschaften, Community und gewählte Familie. Orte, an denen unsere Identität respektiert wird. Und professionelle Unterstützung, wenn die eigenen Ressourcen nicht mehr reichen.
Mentale Gesundheit sollte deshalb nicht erst dann Thema werden, wenn eine Krise da ist. Wir können früher anfangen: bei der Frage, wie es uns tatsächlich geht. Bei einem Gespräch mit einer vertrauten Person. Bei der Suche nach einer queersensiblen Beratungsstelle. Oder indem wir jemandem aus unserem Umfeld einfach sagen: «Ich bin da. Wie geht es dir wirklich?»
Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist eine Form von Selbstfürsorge.
Und Unterstützung muss nicht erst verdient werden. Man muss nicht «krank genug» sein, um mit jemandem zu reden.
Community Care beginnt mit Aufmerksamkeit
Suizidprävention bedeutet auch, aufmerksam füreinander zu sein. Wenn eine Person sich zurückzieht, überfordert wirkt oder sagt, dass sie nicht mehr weiterweiss, muss man nicht die perfekte Antwort kennen. Zuhören, die Person ernst nehmen und gemeinsam Unterstützung suchen, kann ein wichtiger erster Schritt sein.
Dabei gilt: Du musst eine Krise nicht alleine auffangen. Es ist völlig in Ordnung, professionelle Hilfe einzubeziehen.
Denn eine starke Community bedeutet nicht, dass niemand Schwierigkeiten hat. Sie bedeutet, dass Menschen mit ihren Schwierigkeiten nicht alleine gelassen werden.
Hilfe, wenn du sie brauchst
Wenn du selbst in einer Krise bist, Suizidgedanken hast oder dir Sorgen um jemanden machst: Hol dir Unterstützung. Du musst nicht alleine durch diesen Moment.
Schweiz – Suizid & psychische Krisen
- 143 – Die Dargebotene Hand: rund um die Uhr erreichbar, kostenlos, anonym und vertraulich. Unterstützung bei persönlichen Krisen, Sorgen und psychischer Belastung.
143.ch – Die Dargebotene Hand - 144 – Medizinischer Notfall: Bei einer akuten psychischen Krise oder unmittelbarer Gefahr kann über 144 die entsprechende Notfallversorgung erreicht werden.
- 147 – Pro Juventute: Für Kinder und Jugendliche in der Schweiz. Rund um die Uhr, kostenlos und vertraulich; Beratung telefonisch unter 147 sowie über weitere Kanäle.
147 – Beratung & Hilfe für Kinder und Jugendliche
Schweiz – Queere Beratung
- LGBTIQ-Helpline: Beratung für lesbische, schwule, bi, trans, nicht-binäre, intergeschlechtliche und weitere queere Menschen – auch bei Fragen zu sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität sowie bei Diskriminierung und Hate Crimes. Telefonisch Montag bis Freitag, 19–21 Uhr unter 0800 133 133, zusätzlich per Chat und jederzeit per E-Mail.
LGBTIQ-Helpline - du-bist-du: Peer-Beratung für junge Menschen zu sexueller und romantischer Orientierung, Coming-out und Geschlechtsidentität. Die Beratung ist per E-Mail und persönlich in der Deutschschweiz möglich.
du-bist-du
International
- The Trevor Project: Informationen, Forschung und Krisenhilfe für LGBTQ+-Jugendliche, insbesondere in den USA. Die Organisation veröffentlicht zudem Forschung zur psychischen Gesundheit junger LGBTQ+-Menschen.
The Trevor Project
