Floridas Tampa Bay überrascht: Sonne, Palmen, Street Art und ein Mix aus Strand- und Stadtkultur, der sofort gute Laune macht. Hier trifft kubanisches Erbe auf moderne Foodie-Spots. Und das alles nur 7900 Flugkilometer von Zürich entfernt.
Schon die Ankunft wirkt wie ein Versprechen: Tampa International gilt als einer der angenehmsten Flughäfen. Wenige Minuten nach der Landung beginnt das Eintauchen in eine Stadt voller Kontraste.
Eine Metropole im Wandel

Entlang des Riverwalks funkeln nachts die Brücken in wechselnden Farben. Rooftop-Bars wie das Beacon locken mit Cocktails über den Lichtern der Skyline, und tagsüber öffnen Museen ihre Türen für internationale Fotografie und Pop-Art. Die Stadt, einst unterschätzt, entdeckt gerade ihre Strahlkraft.
Und mittendrin: Ybor City. Einst pulsierte hier die Zigarrenindustrie, heute ist es das queere Herz Tampas. Auf der 7th Avenue, flankiert von Backsteinbauten und Neonlichtern, reihen sich Drag-Shows, Bars und Lounges aneinander. Wenn die Pride durchs Viertel zieht, feiern Zehntausende, aber auch an jedem anderen Wochenende wird Ybor zur Bühne eines selbstbewussten queeren Lebensgefühls.

Auch kulinarisch setzt Tampa Zeichen: vom kreativen Fine Dining bei Counter Culture über Food-Hallen wie Sparkman Wharf bis hin zu mediterranen Rooftop-Erlebnissen im Azure. Das ist kosmopolitisch und doch nie abgehoben.
Cigar City: Tabak, Piraten und ein Hauch Rebellion

Der erste Atemzug, als wir die Türen der J.C. Newman Cigar Company durchschreiten, ist pure Verführung. Die Luft ist schwer und warm, gesättigt mit dem Aroma von geröstetem Tabak, altem Holz und einer Süsse, die an Honig und dunkle Erde erinnert. Guide Holdon empfängt uns mit sonorer Stimme und strahlenden Augen – ein wandelndes Archiv einer fast verschwundenen Ära.
Während wir durch die Gänge wandeln, erzählt Holdon von einer Zeit, als Tampa die Welthauptstadt der Zigarre war. In Ybor City arbeiteten Zehntausende, vor allem kubanische, spanische und italienische Eingewanderte. Bis zu 500'000 Zigarren täglich verliessen die Manufakturen. Hier wurde eine Tradition gelebt: Handwerk als Erbe, jede Zigarre ein Stück Familie.

Holdon führt uns hinab in einen kühlen, abgeschirmten Raum, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Die Zigarren hier stammen von der legendären S.S. Central America, einem Passagierschiff, das 1857 im Atlantik vor der Küste South Carolinas unterging. Luftdicht versiegelt in Glas, lagen sie mehr als 150 Jahre auf dem Meeresgrund.
Tampa bleibt echt
Weniger aufgesetzt als Miami, weniger künstlich als Orlando. In Tampa ist Queerness nicht Dekoration, sondern gelebte Realität. Wer Florida abseits der Klischees erleben will, findet in Tampa eine Stadt, die Geschichte und Gegenwart mit tropischer Leichtigkeit verbindet und schon beim Ankommen spüren lässt, dass sie im Begriff ist, etwas Besonderes zu werden.
DISPLAY-Tipps für Tampa
Flugzeit 11 Stunden, 7850 km, 3–5 Mal die Woche. Das Sportgepäck fliegt gratis mit.
Eine Reportage von Raphael Hadad & Karlo Krameri





