Hamburg – Hansestadt zwischen Geschichte und Modernität. DISPLAY erkundete die Perle im Norden mit dem Fokus auf das queere Leben. Und lernte viele Personen kennen, die sich für Diversität und Offenheit einsetzen.
Die Hansestadt bietet eine spannende Mischung aus rauem Hafencharme und moderner Urbanität. Hinter Hamburgs rauem Vorhang verbirgt sich aber eine kunterbunte Welt.
Von dieser erzählte unter anderem Christoph – er ist Mit-Organisator des Hamburger Christopher Street Day und bringt es auf den Punkt: «Die heteronormative Welt wird an diesen Tagen in einen Regenbogen getaucht.» Mit mehr als einer Viertelmillion Teilnehmenden zählt die Hamburger Pride zu den grössten Deutschlands. Und sie ist keine reine Party, sondern ein politisches Statement.
Rambazamba in St. Pauli

Genauso bunt wie die Pride ist St. Pauli. Stadtführerin Christina führte uns in die schillernde, aber nicht unproblematische Welt des Hamburger Party-Viertels ein. St. Pauli ist ein Sehnsuchtsort für alle, die anders sind – historisch gesehen eine Art Hafen für diejenigen, die nirgendwo sonst willkommen waren. Heute ist es ein bunter Mix aus Clubs, Kultur und Chaos. Die meisten queeren Lokale liegen im alten Viertel St. Georg zwischen den beiden Hauptstrassen Lange Reihe und Steindamm.
Glitzer als politisches Statement

Ein wahres Highlight Hamburgs ist die Ausstellung «Glitzer!» – von Drag Queen Chastity Belt und Kurator Louis wurden wir durch die schillernden Hallen des Museums für Kunst & Gewerbe geführt. Es ist die erste Glitzer-Ausstellung weltweit. Sie zeigt Glitzer nicht nur als Party-Accessoire, sondern auch als politisches Statement – etwa beim berühmten Glitterbombing, bei dem konservative Politiker:innen buchstäblich in Regenbogenstaub eingehüllt wurden.
Die legendäre Elbphilharmonie

In Hamburg darf natürlich auch ein Besuch der Elbphilharmonie nicht fehlen – schon allein wegen der Aussicht von der Plaza. Das Meisterwerk der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron hat für jeden Geschmack etwas zu bieten – von Orchesterkonzerten über Klavierabende bis zu Pop und Rock.
Wesentlich leichter verdaulich war das Musical «& Julia» im Stage Operettenhaus. Was wäre, wenn Julia nach Romeos Tod einfach weitergelebt hätte? Die Geschichte wird mit Pop-Hits, Humor und einer ordentlichen Portion Queerness erzählt.
Nachtigallen treffen Lerchen

Am letzten Morgen besuchte ich den Fischmarkt. Hier treffen sich zwei Welten: die Frühaufsteher:innen, die ihre frischen Krabbenbrötchen geniessen, und die Clubgänger:innen, die noch in Glitzer und Pailletten von der Nacht zuvor über den Markt taumeln. Ein perfektes Sinnbild für Hamburg: lebendig, kontrastreich und ein bisschen wirr.
Hamburg ist nahe an Dänemark und wurde so schon früh von dessen Progressivität beeinflusst. Man zeigt sich hier weltoffen und modern, und das nicht erst seit gestern. Hamburg erscheint mir als eine versteckte queere Hochburg — eine Perle, die in Regenbogenfarben reflektiert.
Bilder und Text: Levin Geser






