Das Schweizer Lifestyle-Magazin für Gays und Friends

Tim Curry: Eine Ikone, die uns beigebracht hat, frei zu sein

Community

(Bild: photo by Alan Light, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)
Mit Tim Curry ist eine der schillerndsten Figuren der Popkultur gestorben. Als Dr. Frank-N-Furter in The Rocky Horror Picture Show wurde er zur queeren Ikone – und schenkte Generationen von Menschen die Erlaubnis, anders, lustvoll und kompromisslos sie selbst zu sein. Curry wurde 80 Jahre alt.

Tim Curry konnte vieles: Theater, Film, Fernsehen, Musik. Er war der unheimliche Pennywise in It, der Butler Wadsworth in Clue, der Lord of Darkness in Legend und ein gefeierter Bühnendarsteller mit drei Tony-Nominationen. Doch keine seiner Rollen hat die Popkultur so nachhaltig geprägt wie jene, mit der seine Karriere begann: Dr. Frank-N-Furter.

1973 stand Curry im Londoner Rocky Horror Show erstmals in Strapsen, Netzstrümpfen und High Heels auf der Bühne. Zwei Jahre später brachte er die Figur für The Rocky Horror Picture Show auf die Leinwand. Frank-N-Furter war extravagant, sexuell selbstbestimmt, gender-nonkonform und vollkommen unbeeindruckt davon, was die Gesellschaft von ihm erwartete. In einer Zeit, in der queeres Leben weit weniger sichtbar und akzeptiert war als heute, war das radikal.

Die Bedeutung von Rocky Horror für die queere Community lässt sich deshalb kaum überschätzen. Der Film wurde zunächst kein grosser Kinoerfolg, entwickelte sich aber durch Mitternachtsvorführungen zu einem einzigartigen Kultphänomen. Aus Zuschauerinnen und Zuschauern wurden aktive Teilnehmende: Sie verkleideten sich, tanzten, riefen dazwischen – und fanden einen Raum, in dem Normen für ein paar Stunden keine Rolle spielten.

Curry selbst war dabei nicht einfach eine Projektionsfläche. Seine Darstellung verlieh Frank-N-Furter eine Mischung aus Selbstbewusstsein, Erotik, Humor und Verletzlichkeit. Gerade darin lag ihre Kraft:

Queerness wurde nicht als Tragödie erzählt, sondern als Lust, Spiel, Fantasie und Befreiung.

Für viele queere Menschen wurde Frank zu einer Figur, die sagte: Du musst dich nicht kleiner machen, damit andere sich wohlfühlen.

Und Curry blieb weit mehr als Frank-N-Furter. Er zeigte seine enorme Wandlungsfähigkeit auf der Bühne und in Filmen, übernahm bewusst exzentrische und düstere Rollen und arbeitete später auch als Sprecher. Nach einem Schlaganfall im Jahr 2012, der ihn körperlich stark beeinträchtigte, blieb er künstlerisch aktiv. 2025 veröffentlichte er seine Memoiren Vagabond.

Sein Vermächtnis für die queere Community liegt letztlich nicht darin, dass er eine bestimmte Identität verkörperte. Es liegt darin, dass er eine Haltung verkörperte: die Freude daran, Erwartungen zu sprengen. Frank-N-Furter machte aus Anderssein eine Bühne – und aus Scham Selbstbewusstsein.

Tim Curry ist gegangen. Aber jedes Mal, wenn in einem dunklen Saal jemand Netzstrümpfe anzieht, Lippenstift aufträgt, «Time Warp» mitsingt und sich für einen Moment vollkommen frei fühlt, ist ein Stück seiner Rebellion noch da.

Don’t dream it. Be it.

DISPLAY Online

Redaktion
DISPLAY Magazin

Artikel jetzt teilen

Veröffentlicht:

26.08.2026

Weitere Artikel zum Thema

Der Supreme Court hat das Verbot von Konversionstherapien für Minderjährige im Bundesstaat Colorado zu Fall gebracht.

Politik

Acht gegen eine. So eindeutig fiel am Dienstag das Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA aus, und es trifft LGBTQ+-Jugendliche in den Vereinigten Staaten hart.
02.04.2026

Community

Luke Evans kennt mehrere schwule Schauspieler, die bis heute nicht öffentlich geoutet sind. Für den walisischen Star ist das kein Zeichen dafür, dass es in Hollywood zu wenig queere Männer gibt – sondern
06.10.2026
Panorama von Bern mit Aare, Altstadtdächern, Brücke und Bundeshaus bei blauem Himmel.

News

Eine trans Frau wurde im Berner Marzilibad aus dem Frauenbereich «Paradiesli» weggebracht. Die Stadt Bern sagt nun: Der Entscheid war falsch. Die Frau habe die Zutrittsregeln erfüllt.
30.06.2026
Mehr gibt es leider gerade nicht. Wir schreiben fleissig weiter.