Luke Evans spricht über eine Seite Hollywoods, die das Publikum kaum zu sehen bekommt: Wie viele schwule Schauspieler gibt es eigentlich, die nicht geoutet sind? Laut dem 47-Jährigen sind es mehr, als man vermuten würde.
«Es sollte eine ganze Fülle von grossartigen schwulen Hollywood-Schauspielern geben.»
(Attitude Magazine UK)
Evans kennt mehrere Kollegen, die ihre Sexualität nicht öffentlich machen. Und er hat dafür Verständnis. Niemand könne wissen, was hinter einer solchen Entscheidung stecke – familiäre Reaktionen, persönliche Erfahrungen oder schlicht die Angst, eine jahrelang aufgebaute Karriere zu gefährden.
Gerade deshalb findet Evans die Situation frustrierend. Denn während Hollywood auf der Leinwand immer mehr queere Geschichten erzählt, scheint die Realität für viele Schauspieler komplizierter zu sein.
«Niemand kommt auf dich zu und sagt: ‹So gehst du mit einem Coming-out um.› Du bist auf dich allein gestellt.»
Evans weiss, wovon er spricht. Er war lange einer der wenigen offen schwulen Schauspieler mit grossen Rollen in Blockbustern wie The Hobbit, Fast & Furious oder Beauty and the Beast. Dabei spielte er meist heterosexuelle Figuren – und bewies damit nebenbei, wie absurd die Vorstellung ist, sexuelle Orientierung könne die Glaubwürdigkeit einer Rolle bestimmen.
Hollywood sei zudem eine «sehr abgeschottete Branche», sagt Evans. Besonders bei riesigen Franchises gehe es um Milliarden – und damit um die Angst der Studios, ein Teil des Publikums könnte abspringen.
Die Ironie: Hinter den Kulissen ist Hollywood offenbar deutlich queerer, als es auf den roten Teppichen und in den Cast-Listen erscheint. Nur wissen die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer nichts davon.
Für Evans geht es deshalb nicht darum, ungeoutete Kollegen zu einem Coming-out zu drängen. Vielmehr stellt er eine andere Frage: Warum muss ein Schauspieler überhaupt das Gefühl haben, dass Offenheit seine Karriere gefährden könnte?
Seine eigene Antwort ist längst sichtbar: Er ist offen schwul – und spielt trotzdem Helden, Liebhaber, Bösewichte und Männer, die mit Frauen schlafen. Queer zu sein, war nie seine Rolle. Es ist einfach ein Teil von ihm.
