Ein Paar heiratet in Österreich – und ist nach der Rückkehr in die Slowakei plötzlich wieder unverheiratet. Genau das droht gleichgeschlechtlichen Paaren, die ihre Ehe in einem anderen EU-Land geschlossen haben. Die slowakische Regierung will entsprechende Ehen und Partnerschaften nicht anerkennen. Innenminister Matúš Šutaj Eštok beruft sich dabei auf die slowakische Verfassung, die die Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert.
Das Problem: Diese Haltung kollidiert mit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Der EuGH stellte im November 2025 klar, dass EU-Mitgliedstaaten eine in einem anderen EU-Staat rechtsgültig geschlossene gleichgeschlechtliche Ehe anerkennen müssen. Hintergrund war ein Fall aus Polen, bei dem ein gleichgeschlechtliches Paar nach seiner Heirat in Deutschland auf die Anerkennung seiner Ehe im Heimatland stiess. Der Gerichtshof verwies dabei unter anderem auf die Personenfreizügigkeit sowie das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens.
In der Slowakei betrifft der Streit bereits ein konkretes Männerpaar, das in Österreich geheiratet hatte. Die Behörden verweigerten die Eintragung ins slowakische Register. Das Paar will sich dagegen juristisch wehren und ruft andere queere Menschen dazu auf, sich nicht einschüchtern zu lassen.
Für die LGBTQ+-Community geht es dabei um weit mehr als einen Eintrag auf einem Papier. Eine Ehe entscheidet im Alltag über rechtliche Sicherheit, Familienstatus und die Anerkennung einer Partnerschaft durch staatliche Institutionen. Wenn eine Ehe an der Grenze plötzlich ihre Gültigkeit verliert, wird die viel beschworene europäische Freizügigkeit für queere Menschen zur Realität mit Fragezeichen.
Die Slowakei riskiert damit einen offenen Konflikt mit der EU – und sendet gleichzeitig ein fatales Signal an gleichgeschlechtliche Paare: Eure Ehe mag in einem europäischen Nachbarland gültig sein, bei uns zählt sie trotzdem nicht.
Eine Grenze innerhalb Europas sollte keine Grenze für die Anerkennung einer Familie sein.
