Russland büsst Newsportal für «Heated Rivalry»-Artikel wegen «LGBT-Propaganda»

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Eine russische Nachrichtenredaktion wurde mit umgerechnet rund 5200 Franken gebüsst, weil sie einen Artikel über «Heated Rivalry» veröffentlicht hatte. Der Text wurde inzwischen gelöscht. 

Am 6. Februar veröffentlichte das Saratower Newsportal SarBC einen Artikel mit dem Titel «Warum wurde Heated Rivalry populär?». Nicht viel später war der Text wieder offline. Zu spät: Die russische Medienbehörde Roskomnadzor hatte ihn bereits gemeldet, am 10. März folgte die Klage, und diese Woche fällte das Bezirksgericht Oktyabrsky in Saratow das Urteil. 500’000 Rubel Busse für die Redaktion, zusätzlich 50’000 Rubel für IT-Direktor Andrei Bashkaikin persönlich.

Ein anonymer Mitarbeitender des Portals erklärte gegenüber dem unabhängigen russischen Medienportal Mediazona, was überhaupt passiert war: «Es gibt eine bestimmte Serie, die gerade überall diskutiert wird. Der Artikel kam über einen Linktausch. Er war kurz online, wir haben ihn schnell wieder runtergenommen. Es ist eine harmlose Rezension, wie man sie überall im Internet findet.» Den Namen der Serie wollte die Person gegenüber Mediazona nicht einmal aussprechen.

8,6 auf Kinopoisk

«Heated Rivalry» ist in Russland offiziell nicht verfügbar. Trotzdem hat die Serie auf Kinopoisk, dem russischen Pendant zu IMDb, von über 30 000 Nutzerinnen und Nutzern eine Bewertung von 8.6 erhalten, eine der höchsten überhaupt auf der Plattform. 

Russische Fans schauen die Serie über Telegram-Kanäle und Piratenseiten. Für viele queere Russinnen und Russen ist das Fandom rund um die Serie zu einem der wenigen digitalen Schutzräume geworden, in dem sie offen über ihre sexuelle Orientierung sprechen können.

Das macht den Behörden sichtlich zu schaffen. Bereits im Januar wurden Streaming-Plattformen wie Kinopoisk, Wink und Ivi mit Klagen überhäuft, weil sie angeblich «LGBT-Propaganda» verbreitet hatten.Eine orthodoxe Gruppe namens Sorok Sorokov forderte ein komplettes Verbot der Serie und bezeichnete sie öffentlich als «sodomistische Propaganda».

Das Gesetz dahinter

Russlands sogenanntes «Schwulenpropaganda-Gesetz» wurde 2013 mit dem Vorwand eingeführt, Kinder vor «Propaganda nicht-traditioneller Beziehungen» zu schützen. 2022 weitete Putin das Gesetz auf Erwachsene aus. 2023 erklärte der Oberste Gerichtshof die nicht existierende «internationale LGBT-Bewegung» zur extremistischen Organisation, womit jede öffentliche Unterstützung queerer Rechte faktisch kriminalisiert wurde. Seitdem wurden Menschen für Regenbogen-Emojis gebüsst, Barbetreiber inhaftiert, über 50 Clubgäste bei einem Abend verhaftet und Roblox als Plattform gesperrt.

Hugh Williamson, Direktor der Europa- und Zentralasienabteilung von Human Rights Watch, kommentiert die Gesetze so: «Russische Behörden instrumentalisieren und missbrauchen das Justizsystem als Werkzeug in ihrem drakonischen Kreuzzug zur Durchsetzung traditioneller Werte.»

Maurice Müller

Online Redakteur
DISPLAY Magazin

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Veröffentlicht:

16.04.2026

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