«Mannschaft» hört nach 16 Jahren auf

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Drei Ausgaben des queeren Magazins Mannschaft liegen vor einem pinkfarbenen Hintergrund. Auf den Covern sind unter anderem Bill Kaulitz, Kylie Minogue und ein Mann im Porträt zu sehen.
Nach 16 Jahren ist Schluss: Das Berner Magazin Mannschaft stellt Ende Juni sein Erscheinen ein. Die letzte Ausgabe erscheint am 18. Juni 2026. (Bild: Mannschaft)
Das Berner Magazin Mannschaft stellt Ende Juni sein Erscheinen ein. 125 Ausgaben lang hat es queeres Leben sichtbar gemacht, politische und gesellschaftliche Debatten begleitet und Künstler:innen, Fotograf:innen und Autor:innen eine Plattform gegeben. Display sagt Danke.

Die Redaktion von Mannschaft hat sich am Montag mit einer Nachricht in eigener Sache an ihre Leser gewandt. Sie kommt ohne lange Einleitung aus: «Nach 16 Jahren und 125 Ausgaben beenden wir MANNSCHAFT Ende Juni.»

Die letzte gedruckte Ausgabe erscheint am 18. Juni. Bis Ende des Monats veröffentlicht die Redaktion weiterhin neue Inhalte auf mannschaft.com. Auch der Newsletter wird noch dreimal verschickt. Danach endet die Arbeit des Magazins.

Das Team schreibt, die Bedingungen für unabhängigen Journalismus hätten sich stark verändert. Das betreffe den Medienkonsum ebenso wie die Nutzung und die Medienlandschaft insgesamt. Mannschaft habe sich in den vergangenen Jahren mehrfach neu ausgerichtet. Für einen weiteren grossen Neustart fehle nun aber die Energie.

Der Entscheid sei bewusst getroffen worden. Man habe nicht warten wollen, bis äussere Umstände darüber bestimmen.

Von Bern nach Deutschland und Österreich

Mannschaft wurde 2010 von Thomas Künzi und Greg Zwygart in Bern gegründet. Das Magazin richtete sich zunächst vor allem an schwule und bisexuelle Männer. Später erweiterte es seinen Fokus auf die gesamte LGBTI-Community.

Seit 2015 war Mannschaft auch in Deutschland erhältlich, seit 2020 in Österreich. Aus dem Schweizer Magazin wurde damit eine Publikation für den deutschsprachigen Raum.

In den vergangenen 16 Jahren veröffentlichte Mannschaft Interviews, Reportagen, politische Beiträge, Gesundheitsartikel und Fotostrecken. Das Magazin gab nicht nur bekannten Namen Raum. Es stellte auch Künstler:innen, Fotograf:innen und Autor:innen vor, die in grösseren Medien kaum vorkamen.

Diese Arbeit war wichtig. Denn Sichtbarkeit entsteht nicht nur dann, wenn ein Thema plötzlich in grossen Redaktionen ankommt. Sie entsteht auch dort, wo Menschen und Geschichten über Jahre hinweg selbstverständlich Platz bekommen.

Mitbewerber und Wegbegleiter

Mannschaft war für Display auch ein Mitbewerber. Der Markt für queere Medien in der Schweiz ist klein. Inserate, Abonnements und Aufmerksamkeit sind begrenzt.

Gleichzeitig haben queere Medien viel gemeinsam. Sie berichten über Themen, die in allgemeinen Medien oft erst spät oder nur punktuell vorkommen. Sie kennen die Debatten innerhalb der Community und wissen, welche Fragen tatsächlich relevant sind.

In unserer April-Ausgabe haben wir uns ausführlich mit dieser Rolle beschäftigt. Der Artikel trug den Titel «Wer schreibt, wenn nicht wir?». Dafür haben wir unter anderem mit Greg Zwygart, Co-Chefredaktor von Mannschaft, gesprochen.

Er erinnerte an die Mpox-Notlage von 2022. Damals bestand die Gefahr, dass sich alte Muster wiederholen: Stigmatisierung, Panik und moralische Urteile über Männer, die Sex mit Männern haben.

Mannschaft wählte bewusst einen sachlichen Ton. «Wir haben bewusst sachlich und unaufgeregt berichtet, Hintergründe eingeordnet und die medizinische Faktenlage transparent gemacht», sagte Zwygart gegenüber Display. «Unser Beitrag war es, Panikmuster zu durchbrechen und Verantwortung zu fördern, ohne moralisch zu argumentieren.»

Dieser Satz beschreibt ziemlich genau, weshalb queere Medien gebraucht werden. Nicht, weil sie immer lauter sein müssen. Sondern weil sie Zusammenhänge kennen und einordnen können.

«Jammerschade»

Beat Stephan, Chefredaktor von Display, hat die Arbeit von Mannschaft von Anfang an verfolgt. In den ersten Jahren unterstützte er das Magazin auch als freiwilliger Mitarbeiter.

«Dass die Mannschaft aufgelöst wird, macht mich sehr traurig. Ich habe die Arbeit meiner jungen Kolleg*innen von Anfang an unterstützt, zu Beginn als freiwilliger Mitarbeiter, und geschätzt. Journalismus, wie Greg und seine Gspönli ihn gepflegt haben, ist wichtig für die regenbogenbunte Community. Und er ist mit viel Aufwand und Engagement verbunden. Dass jetzt auch dieses Qualitätsmedium verschwindet, ist jammerschade. Ich danke der ganzen Crew für ihren Idealismus und ihren Einsatz in den vergangenen 16 Jahren und wünsche ihnen für die Zukunft alles Gute.»

Weniger Werbung, höhere Ansprüche

Das Ende von Mannschaft steht nicht für sich allein. Kleine Medien kämpfen seit Jahren mit ähnlichen Problemen. Werbegelder fliessen zu grossen Plattformen. Bannerwerbung bringt weniger ein. Gedruckte Magazine sind teuer in der Produktion und im Vertrieb. Gleichzeitig erwarten Leser, dass Inhalte digital, aktuell und möglichst kostenlos verfügbar sind.

Für queere Medien kommt ein weiteres Problem hinzu: Der Markt ist überschaubar. Die Zahl möglicher Inserent und Partner ist begrenzt. Verbände, Szeneinstitutionen und Veranstalter sind häufig zugleich Quellen, Werbekund und Gegenstand der Berichterstattung. Um unabhängig arbeiten zu können, braucht es klare Grenzen zwischen Redaktion und Vermarktung.

Mannschaft hatte sein Angebot in den vergangenen Jahren angepasst. 2024 wurde die Website neu lanciert und eine Paywall eingeführt. Der Fokus verschob sich stärker auf digitale Abonnements. Im Gespräch mit Display sagte Zwygart im April, deren Zahl wachse. Den Rückgang der Printwerbung bezeichnete er zugleich als grössten Einzeldruck der vergangenen Jahre.

Die Situation betrifft nicht nur Mannschaft. In der Romandie stellte das Magazin 360° Ende 2023 nach 25 Jahren seine Printausgabe ein. Die Website besteht als Archiv, Agenda und Guide weiter. Aber das gedruckte Magazin ist verschwunden.

Wie viel ist uns queerer Journalismus wert?

In unserem Gespräch im April stellte Greg Zwygart eine Frage, die nach der Ankündigung dieser Woche noch einmal anders klingt:

«Vielleicht braucht es auch eine Diskussion innerhalb der Community darüber, wie viel uns queerer Journalismus wert ist?»

Eine einfache Antwort gibt es darauf nicht. Abonnements allein lösen nicht alle Probleme. Auch Werbung, Partnerschaften und neue digitale Modelle bleiben wichtig.

Trotzdem lohnt sich die Frage. Journalistische Artikel, Interviews und Reportagen entstehen nicht nebenbei. Sie brauchen Zeit, Recherche und Menschen, die diese Arbeit machen.

Wenn ein queeres Medium verschwindet, verschwindet nicht nur ein Titel aus dem Regal. Es gibt auch weniger Orte, an denen Themen aus der Community heraus erzählt und eingeordnet werden.

Die letzte Ausgabe und das Archiv

Wer Mannschaft zum Abschied noch einmal unterstützen möchte, kann ein Abschiedspackage bestellen. Es kostet 125 Franken und enthält die letzte gedruckte Ausgabe, einen exklusiven Schwimmsack und das vollständige Archiv mit allen 125 Ausgaben als PDF.

Mit dem Paket möchte das Team sein Magazin finanziell selbstbestimmt abschliessen. Welche Farbe der Schwimmsack hat, zeigt sich erst beim Öffnen des Pakets.

Danke, Mannschaft. Für 16 Jahre Arbeit, 125 Ausgaben und viele Geschichten, die ohne euch nicht erzählt worden wären.

Mehr zum Thema

In unserer April-Ausgabe haben wir uns ausführlich mit der Lage queerer Medien in der Schweiz beschäftigt. Im Artikel «Wer schreibt, wenn nicht wir?» kommen unter anderem Greg Zwygart von Mannschaft, Haymo Empl vom Cruiser und Micha Schulze von queer.de zu Wort.

Maurice Müller

Online Redakteur
DISPLAY Magazin

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Veröffentlicht:

10.06.2026

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