Seoul kann überwältigend sein. Alles glitzert, blinkt, leuchtet. Du verstehst kein Schild, keine Speisekarte – aber du spürst: Hier pulsiert etwas.
Auf dem Sattel durch Glitzer und Geschichte
Und dann sitzt du plötzlich auf einem Bike. Neben dir: Hoon. Grossartig gelaunt, topfit, radbegeistert – und dein Schlüssel zu einer anderen Seite dieser Mega-Metropole. Hoon kommt aus Pohang, lebt seit sechs Jahren in Seoul und kennt die Stadt schon besser als Google Maps. Mit ihm cruist du durch versteckte Viertel, vorbei an glänzenden Palästen der Joseon-Dynastie, durch Strassen mit Jahrhunderte alter Geschichte – und dann wieder zwischen Neonreklamen, Bubble-Tea-Shops und einer übergrossen Cartoon-Figur, die eigentlich ein Palast-Wächter war.

Seoul liebt Kitsch. Und Tradition. Und Snacks. Hoon zeigt dir beides: vom stillen Hof des Gyeongbokgung bis zum «BBQ Village», wo du dich mit goldenem Fried Chicken und eisgekühltem Bier belohnst.
Und dann wird es leise. Unsere Gruppe steht im Peace Plaza, direkt vor dem War Memorial of Korea. Rund um uns flattern die Flaggen der 21 Länder, die Südkorea während des Koreakriegs unterstützten. Die Grenze zu Nordkorea ist nicht weit, sagt Hoon. Dann dreht er sich zu den Amerikanern in unserer Gruppe, verneigt sich – und bedankt sich. Für die Hilfe der USA im Koreakrieg. Ohne sie, sagt er, gäbe es dieses Seoul nicht. Ein Moment der Dankbarkeit. Und einer, der berührt.

Diese Tour ist mehr als Sightseeing. Sie ist ein Crashkurs in koreanischer Kultur, ein Sportprogramm mit Aussicht – und eine emotionale Reise in ein Land, das sich mit Kraft, Hilfe von aussen und ganz viel Stolz neu erfunden hat.
Wo du Korea wirklich schmeckst – Streetfood mit Han

Laut, wild, würzig. Seoul ist eine Reizüberflutung – auch kulinarisch. Besonders auf den legendären Streetfood-Märkten im Osten der Stadt: Dongdaemun und Gwangjang. Hier schreien dir Händler ihre Spezialitäten ins Gesicht, der Dampf steigt aus den Pfannen, und irgendwo zwischen Fischkuchen, Blutwurst und fermentiertem Rettich stehst du – hungrig, aber planlos. Und dann kommt Han.
Han ist Local Guide – und Lebensretter für alle, die nicht wissen, ob sie gerade Seetang oder Rinderlunge essen. Er kennt nicht nur gefühlt jeden der rund 5000 Essensstände, sondern auch deren Geschichten. Er weiss, wo Grossmütter noch von Hand Gimbap rollen und welcher Kimchi-Stand es auf Netflix geschafft hat.

Seine Tour ist ein Streifzug durch Seouls Bauch. Los geht's auf dem Dongdaemun-Markt: Geschichte trifft auf frittiertes Hähnchen, gegrillten Tintenfisch und Reiskuchen am Spiess. Weiter geht's zum Gwangjang-Markt – laut Koreanern der beste Ort für authentische Küche. Hier sitzt du zwischen Schneiderinnen auf Mittagspause, TikTok-Foodies und hungrigen Nachteulen. Und plötzlich sitzt du mit einem fremden Paar aus Busan am Tisch, trinkst Makgeolli und diskutierst über K-Pop.
Seoul City Tipps
Eine Reportage von Raphael Hadad




