Andrew Scott: Warum queere Freude auch politisch ist

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(Bild: TKA201, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons)
Vom «Hot Priest» zum gefeierten Hamlet-Darsteller: Andrew Scott spricht über queere Freundschaften, die AIDS-Krise und die Kraft, schwule Geschichten ohne Scham zu erzählen. Jetzt wird er als «Out100 Icon of the Year 2026» geehrt.

Andrew Scott will mehr als nur gute Rollen spielen. Der irische Schauspieler möchte Geschichten erzählen, die queeres Leben in all seinen Facetten zeigen: verletzlich, widersprüchlich, leidenschaftlich und voller Lebensfreude. Mit seinem neuen Film «Elsinore» und seiner Auszeichnung als «Out100 Icon of the Year 2026» rückt er erneut ins Zentrum der queeren Öffentlichkeit.

Im Interview mit dem US-Magazin Out im Oktober 2026 spricht Scott über die Bedeutung queerer Freundschaften, den Zusammenhalt zwischen Generationen und die Notwendigkeit, die Geschichte der AIDS-Krise differenziert zu erzählen. Denn queere Menschen sollen nicht nur für das erinnert werden, was sie durchlitten haben, sondern auch für das, was sie geschaffen, geliebt und gefeiert haben.

Eine Geschichte über Leben, nicht nur über Verlust

In «Elsinore» spielt Scott den schottischen Schauspieler Ian Charleson, der 1989 am Londoner National Theatre Hamlet verkörperte, obwohl er an AIDS erkrankt war. Charleson starb wenige Wochen nach seiner letzten Vorstellung. Seine Geschichte steht für künstlerische Leidenschaft und den Willen, selbst unter schwierigsten Umständen weiterzuleben.

Im Gespräch mit dem irischen Sender RTÉ am 8. Oktober 2026 betonte Scott, wie wichtig es ihm sei, Charlesons Lebensfreude in den Mittelpunkt zu stellen. Er möchte an einen humorvollen, charmanten und geliebten Menschen erinnern – nicht allein an dessen Krankheit und Tod.

Auch gegenüber dem British Film Institute (BFI) sprach Scott am 9. Oktober 2026 über den Umgang mit queeren Geschichten. Er begrüsste Filme und Serien, die queere Freude zeigen, darunter «Heartstopper», «Red, White & Royal Blue» und «Heated Rivalry». Gleichzeitig müsse Raum für schmerzhafte Erfahrungen bleiben. Die Geschichte der AIDS-Krise dürfe nicht beschönigt werden: Die Scham liege nicht bei den Erkrankten, sondern bei einer Gesellschaft, die sie stigmatisierte und im Stich liess.

«Ich bin dankbar, schwul geboren zu sein»

Dass Scott seine eigene Identität mit Stolz lebt, zeigt ein Interview mit dem britischen Magazin Attitude, das PinkNews am 25. Januar 2024 aufgriff. Anlässlich seines Films «All of Us Strangers» sprach der Schauspieler darüber, wie sehr er es schätzt, schwul zu sein. Er empfinde es als Geschenk und werde mit zunehmendem Alter immer dankbarer dafür. Besonders wichtig seien ihm seine queeren Freundschaften.

In «All of Us Strangers» von Regisseur Andrew Haigh spielt Scott einen Drehbuchautor, der sich mit Einsamkeit, Verlust und seiner Vergangenheit auseinandersetzt und eine Beziehung zu seinem Nachbarn eingeht. Der Film handelt von Intimität, Trauer und der Frage, wie frühe Erfahrungen unser späteres Leben prägen. Dabei schwingt auch das Erbe der AIDS-Krise mit, die das Leben vieler schwuler Männer und ganzer Generationen beeinflusst hat.

Scott bringt viel Persönliches in seine Figuren ein, ohne sie auf seine eigene Biografie zu reduzieren. Gerade darin liegt eine seiner Stärken: Er macht queere Charaktere nahbar, ohne ihnen ihre Komplexität zu nehmen.

Eine selbst gewählte Familie

Im Gespräch mit Out im Oktober 2026 beschreibt Scott die queere Community als eine Art selbst gewählte Familie. Besonders wertvoll seien Freundschaften zwischen Menschen verschiedener Generationen und mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen. Sie schaffen Verbundenheit, ermöglichen gegenseitiges Lernen und halten Erinnerungen lebendig.

Dieser Gedanke findet sich auch in «Elsinore» wieder. Die Geschichte zeigt, wie wichtig Freundschaften und Wegbegleiter während der AIDS-Krise waren – und wie viel Kraft aus Gemeinschaft entstehen kann. Queere Geschichte besteht schliesslich nicht nur aus Ausgrenzung und Verlust, sondern auch aus Solidarität, Kreativität und Lebenslust.

Andrew Scott verkörpert diese Haltung nicht mit grossen politischen Gesten, sondern durch seine Arbeit und seine Offenheit. Er zeigt, dass schwule Figuren mehr sein dürfen als Symbole oder Vorbilder: Sie dürfen widersprüchlich sein, Fehler machen, lieben und einfach leben.

Mit «Elsinore» erinnert Scott daran, dass es bei queerer Sichtbarkeit nicht nur darum geht, welche Geschichten erzählt werden, sondern auch darum, wie wir uns an die Menschen erinnern, die sie geprägt haben. Ihre Kämpfe gehören dazu. Aber ebenso ihr Humor, ihre Freundschaften und ihre Freude am Leben.

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Veröffentlicht:

22.10.2026

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