Radiant Mobile läuft auf dem Netz von T-Mobile und filtert LGBTQ+-Inhalte auf Systemebene. Queere Jugendliche können den Filter nicht umgehen.
Paul Fisher verbrachte 35 Jahre als Modelagent in der Modeindustrie, vertrat Supermodels wie Naomi Campbell und Mitglieder der Familien Hilton und Getty. Heute bereut er das alles und hat ein anderes Geschäftsmodell: einen Mobilfunkanbieter, der queere Inhalte aus dem Internet seiner Kundinnen und Kunden herausfiltert.
Radiant Mobile ist am 5. Mai 2026 in den USA offiziell gestartet. Der Dienst läuft als sogenannter Mobile Virtual Network Operator auf dem 5G-Netz von T-Mobile und kostet 29,99 Dollar pro Monat. Das Besondere: Pornografische Inhalte werden permanent und für alle Nutzerinnen und Nutzer gesperrt, auch für Erwachsene. Ein zweiter Filter, der LGBTQ+-Inhalte blockiert, ist standardmässig aktiviert, kann von erwachsenen Kontoinhaberinnen und -inhabern aber theoretisch ausgeschaltet werden. Bei Kinderkonten ist das nicht möglich, VPN-Umgehungen werden ebenfalls verhindert.
«Wir werden eine Umgebung schaffen, die Jesus-zentriert ist, frei von Pornografie, frei von LGBT, frei von Trans», sagte Fisher gegenüber MIT Technology Review.
Wer entscheidet, was geblockt wird?
Die Filtertechnologie stammt vom israelischen Cybersicherheitsunternehmen Allot, das Websitebereiche in über 100 Kategorien einteilt. LGBTQ+-Inhalte fallen dabei unter die Kategorie «Sexualität» – eine Kategorie, die Radiant Mobile selbst definiert. Das heisst: Fisher entscheidet, welche Domains als queer eingestuft und damit gesperrt werden.
Das Ergebnis dieser Logik ist bereits zu sehen. Die Hauptwebsite der Yale University ist zugänglich, weil Allot sie als «Bildung» kategorisiert. Die Subdomain lgbtq.yale.edu, auf der die Universität ihre queeren Ressourcen und Veranstaltungen auflistet, ist gesperrt. Und Fisher hat bereits angekündigt, dass er die gesamte Yale-Domain sperren würde, sollten queere Inhalte auf der Hauptseite prominent erscheinen.
Was das für queere Jugendliche bedeutet
Forschende und Gesundheitsorganisationen warnen seit Jahren davor, queeren Jugendlichen den Zugang zu Online-Communities und Informationen zu versperren. Für viele Jugendliche in konservativen Haushalten oder Regionen ist das Internet die einzige Möglichkeit, queere Vorbilder zu finden, Hilfe zu suchen oder sich nicht allein zu fühlen. Studien belegen, dass der Zugang zu queeren Online-Ressourcen die psychische Gesundheit verbessert und Isolation reduziert.
Radiant Mobile dreht diesen Befund um: Das Unternehmen argumentiert, queere Sichtbarkeit selbst sei schädlich für Kinder. Wissenschaftliche Belege dafür gibt es keine.
17,5 Millionen Dollar und Kirchenspenden
Radiant Mobile hat bisher 17,5 Millionen Dollar Startkapital erhalten. Lead-Investor ist Roger Bringmann, Vizepräsident bei Nvidia. Das Unternehmen wirbt aktiv bei Kirchen im ganzen Land: Ein Teil der monatlichen Abogebühr fliesst direkt an die Gemeinde des jeweiligen Abonnenten. Langfristig plant Fisher, den Dienst auch in Ländern mit grossen christlichen Bevölkerungen anzubieten. Als Zielmärkte nannte er Südkorea und Mexiko.
T-Mobile hat sich bisher nicht dazu geäussert, ob Radiant Mobiles Filtermassnahmen gegen die eigenen Richtlinien verstossen. Das Unternehmen betont, keine direkte Geschäftsbeziehung mit Radiant Mobile zu unterhalten – technisch läuft alles über den Zwischenanbieter CompaxDigital.
