Gefeiert wurde dort, wo in New Hampshire seit Jahrzehnten Politik gemacht wird: im Puritan Backroom in Manchester, dem Restaurant, das Chris Pappas' griechischer Urgrossvater 1917 als Glacé-Laden gegründet hat. Kurz nach 20 Uhr rief John Sununu an und gratulierte. «Es war eine unglaubliche Kampagne, aber es ist nicht unser Abend», sagte der Republikaner seinen Leuten.
Damit ist es amtlich: Am 3. Januar zieht mit dem 46-Jährigen zum ersten Mal in der Geschichte der USA ein offen schwuler Mann in den Senat ein. Gewählt, nicht ernannt.
Kein Wort zum historischen Moment
Pappas selbst sprach an diesem Abend nicht darüber. Auch im Wahlkampf hat er seine Homosexualität kaum je zum Thema gemacht. Er redete über Lebenskosten, Gesundheitsversorgung und Korruption in Washington, und über das Duell «Team New Hampshire gegen Team Trump». In seiner Siegesrede sagte er, die Menschen in New Hampshire und im ganzen Land hätten schlicht genug und verlangten einen Kurswechsel.
Dass er nicht darüber spricht, macht es nicht kleiner. Vor ihm sassen nur Frauen aus der LGBTQ+-Community im Senat: Tammy Baldwin aus Wisconsin, Kyrsten Sinema aus Arizona und die ernannte Laphonza Butler aus Kalifornien. Der einstige Senator Harris Wofford aus Pennsylvania heiratete erst 2016, lange nach seiner Amtszeit, einen Mann.
Pappas ist im Repräsentantenhaus Co-Präsident des Equality Caucus, der Gruppe für LGBTQ+-Rechte im Kongress, und hat das Gleichstellungsgesetz Equality Act mitgetragen. Verheiratet ist er seit 2023 mit Vann Bentley.
Vom Restaurant in den Senat
Seine erste Wahlkampferfahrung machte Pappas 1996 als Gymnasiast, als Freiwilliger für Jeanne Shaheen. Genau ihren Sitz übernimmt er nun, nachdem sie nicht mehr antrat. Dazwischen liegen 24 Jahre Politik: mit 22 ins Kantonsparlament von New Hampshire, dann Finanzverwalter des Bezirks Hillsborough, Mitglied im Exekutivrat des Staates und seit 2019 im Repräsentantenhaus. Dort galt er als einer der kompromissbereitesten Demokraten.
Sein Gegner war kein Leichtgewicht. Der Name Sununu ist in New Hampshire eine Marke: Vater John H. und Bruder Chris waren Gouverneure, John E. selbst sass schon einmal im Senat, bis ihn ausgerechnet Shaheen 2008 abwählte. Für die Republikaner war der Sitz eine der wenigen Chancen, einen Sitz zu erobern. Sununu ging deshalb auf Distanz zu Trump. In einem Spot spottete er, so wie Pappas es erzähle, sei er Trumps verlorener Sohn, dabei habe er den Mann nie getroffen. Genützt hat es nichts: Nach ersten Auszählungen lag Pappas mit rund 56 zu 42 Prozent klar vorne.
Trump verliert beide Kammern
Der Sieg in New Hampshire ist Teil einer blauen Welle, mit der kaum jemand gerechnet hatte. Die Demokraten holen das Repräsentantenhaus mit deutlich mehr als den nötigen 218 Sitzen zurück, je nach Hochrechnung mit 245 bis 255. Es dürfte ihre grösste Mehrheit seit fast zwanzig Jahren werden. Hakeem Jeffries wird im Januar der erste Schwarze Speaker der Kammer.
Auch den Senat drehen sie, mit Siegen in Staaten, die als fest republikanisch galten. In Texas schlägt James Talarico den Trump-Getreuen Ken Paxton, in Kansas gewinnt zum ersten Mal seit fast hundert Jahren ein Demokrat. In Maine verliert Susan Collins nach fast drei Jahrzehnten ihren Sitz, und in Ohio holt sich Sherrod Brown sein Mandat gegen Jon Husted zurück, jenen Senator, dessen Hintern Trump kürzlich so ausführlich lobte.
Die Wahl galt als Abstimmung über Trumps zweite Amtszeit: den Krieg im Iran, die harte Linie bei der Einwanderung, Zölle, die Benzin und Lebensmittel verteuert haben. Ab Januar haben die Demokraten Vorladungsrecht und können Untersuchungen gegen die Regierung führen. Trump reagierte, wie man ihn kennt: Erst versprach er Zusammenarbeit, dann postete er eine rote Mütze mit dem Wort «Veto».
Was das für queere Menschen bedeutet
Für die LGBTQ+-Community in den USA ist dieser Machtwechsel mehr als Symbolik. Im Mai hat das republikanische Repräsentantenhaus das «Don't Say Trans»-Gesetz durchgewinkt. Solche Vorlagen haben es mit einer demokratischen Mehrheit in beiden Kammern ab Januar schwer.
Und der Weg nach oben ist offen. Mit Pete Buttigieg, der bereits eine Präsidentschaftskandidatur für 2028 andeutet, und nun einem schwulen Senator aus New Hampshire sitzen zwei offen schwule Männer an den Schalthebeln der Demokraten. Vor nicht allzu langer Zeit wäre das undenkbar gewesen.
