Vom 24. September bis 4. Oktober wird Zürich wieder zum Treffpunkt für Filmfans aus aller Welt. Auch die queere Auswahl des Zurich Film Festivals kann sich dieses Jahr sehen lassen: Sie reicht vom emotionalen Familiendrama über düstere Mystery bis zur grossen spanischen Liebes- und Emanzipationsgeschichte.
A Long Winter
Ein Schneesturm, eine verschwundene Mutter und ein Vater, der seine Gefühle lieber für sich behält: In A Long Winter gerät das Leben einer Familie in den Rocky Mountains aus den Fugen. Während die Suche nach der Mutter immer aussichtsloser wird, kämpft der junge Mike mit seiner eigenen Identität und unausgesprochenen Gefühlen.
Regie führt Andrew Haigh, der bereits mit queeren Filmen wie All of Us Strangers für Aufsehen sorgte. Dazu kommt ein hochkarätiger Cast mit Fred Hechinger, Ebon Moss-Bachrach, Caitríona Balfe und Heartstopper-Star Kit Connor. Wer ruhiges, atmosphärisches Queer-Kino mit viel Emotion mag, sollte diesen Film nicht verpassen.
Black Church Bay
Ein schwuler Schüler verschwindet spurlos – und plötzlich gerät eine kleine Küstenstadt in Wales aus dem Gleichgewicht. Black Church Bay verbindet Mystery und Drama und dürfte vor allem Fans von düsteren Geschichten mit queerer Perspektive ansprechen.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt der Cast: Neben Tom Cullen ist auch Joe Locke aus Heartstopper dabei. Der Film ist das Langfilmdebüt von Regisseur und Drehbuchautor Rhys Marc Jones und feiert am ZFF seine Weltpremiere. Ein Film für alle, die es gerne geheimnisvoll, unheimlich und etwas düsterer mögen.
Club Kid
Was passiert, wenn das wilde Nachtleben plötzlich auf Familienalltag trifft? Genau darum geht es in Club Kid. Party-Promoter und Underground-Nightlife-Kid Pater erfährt, dass er einen zehnjährigen Sohn hat. Die unerwartete Vaterschaft stellt nicht nur sein Leben, sondern auch seine queere Community auf die Probe.
Jordan Firstman schrieb das Drehbuch, führte Regie und spielt selbst die Hauptrolle. Mit dabei sind unter anderem Cara Delevingne und Diego Calva. In Cannes sorgte das Debüt für eine siebenminütige Standing Ovation. Chaotisch, queer, witzig und garantiert Gesprächsstoff: Dieser Film dürfte zu den Publikumsfavoriten gehören.
Die Blutgräfin
Lust auf etwas komplett anderes? Die Blutgräfin schickt Isabelle Huppert als wiederauferstandene Vampirin auf eine barocke Reise durch Wien. Gemeinsam mit ihrer Zofe macht sie sich auf die Suche nach einem roten Lebenselixier – verfolgt von einer höchst skurrilen Gruppe aus Neffe, Psychotherapeut, Vampirologen und Kommissar.
Horror, Komödie und Kostümfilm treffen hier aufeinander – mit Birgit Minichmayr und Lars Eidinger an Hupperts Seite. Wer queeres Kino nicht immer bierernst braucht und Lust auf campige Absurdität hat, dürfte hier voll auf seine Kosten kommen.
Die Zukunft ist Vergangenheit
Für Zürcher Queers ist dieser Film fast schon ein Stück Stadtgeschichte. Die Zukunft ist Vergangenheit blickt auf den legendären Club Zukunft an der Langstrasse zurück, der im März 2025 nach rund zwei Jahrzehnten seine Türen schliessen musste.
Stephan Schulz und Julian Kirchner haben die letzten Tage der «Zuki» dokumentiert und lassen Beteiligte und bekannte DJs zu Wort kommen. Dabei geht es um weit mehr als einen geschlossenen Club: Der Film fragt auch, was eine Stadt verliert, wenn gewachsene Freiräume der Gentrifizierung weichen. Für alle, die das Zürcher Nachtleben kennen, lieben oder vermissen, ist dieser Film ein Muss.
Flesh & Fuel
Zwei Lastwagenfahrer, zwei Länder, eine unerwartete Begegnung: Étienne ist ständig auf Europas Strassen unterwegs, als er den polnischen Fahrer Bartosz kennenlernt. Aus einem kurzen Moment wird eine Liebesgeschichte – doch zwischen Raststätten, Fernweh und endlosen Kilometern stellt sich bald die Frage, ob daraus überhaupt ein gemeinsames Leben entstehen kann.
Flesh & Fuel erzählt von Nähe und Einsamkeit und davon, wie schwierig Liebe sein kann, wenn das eigene Leben ständig in Bewegung bleibt. Ein Roadmovie für Romantiker – mit ordentlich Asphalt unter den Rädern.
La Bola Negra
Dieser Film hat bereits einen grossen Preis im Gepäck: Bei den Filmfestspielen von Cannes wurden Javier Ambrossi und Javier Calvo, bekannt als «Los Javis», für La Bola Negra mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet.
Der Film erzählt über mehrere Jahrzehnte hinweg von Männern, deren Leben von Liebe, Begehren, Geheimnissen und dem Kampf um queere Freiheit geprägt sind. Mit dabei sind unter anderem Penélope Cruz, Glenn Close und Lorenzo Zurzolo. Die drei miteinander verbundenen Geschichten führen ins Spanien der 1930er-Jahre und bis in die Gegenwart. Wer grosses, emotionales und politisches Queer-Kino sucht, kommt an diesem Cannes-Gewinner kaum vorbei.
La Face Cachée De La Terre
Dimitri liebt die Fotografie. Doch er weiss, dass er eines Tages sein Augenlicht verlieren wird. Statt sich zurückzuziehen, fotografiert er weiter – Menschen, Begegnungen und intime Momente in Paris, New York und anderswo.
Regisseur Arnaud Alain begleitet ihn dabei und macht daraus ein berührendes Porträt über Kunst, Identität und die Frage, was wir eigentlich sehen – und was wir übersehen. Ein leiser Film, der wahrscheinlich noch lange nach dem Abspann nachwirkt.
Lieblingsmenschen
Eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft, aus der eine aussergewöhnliche Freundschaft entsteht: Der 31-jährige schwule Geflüchtete Amir aus dem Iran zieht bei der 101-jährigen Agnes ein. Was zunächst nach einer pragmatischen Lösung aussieht, entwickelt sich zu einer Freundschaft voller Humor, gegenseitiger Hilfe und überraschender Nähe.
Lieblingsmenschen basiert auf einer tatsächlich in Deutschland geschehenen Geschichte und setzt auf eine lebensbejahende Mischung aus Komödie und Herz. Der ideale Film für alle, die das ZFF mit einem Lächeln verlassen möchten.
Queer, vielfältig und ziemlich sehenswert
Von Cannes-prämiertem Autorenkino bis zur Zürcher Clubgeschichte, von Vampir-Camp bis zur grossen Liebesgeschichte: Die queeren ZFF-Highlights 2026 zeigen einmal mehr, wie unterschiedlich queeres Kino sein kann. Und genau das macht die Auswahl so spannend.
Tickets: Der Vorverkauf für das Zurich Film Festival 2026 startet am 14. September 2026 – also Datum vormerken und schnell zugreifen, wenn du dir einen Platz bei den queeren Highlights sichern möchtest.
