DISPLAY: Tim, du organisierst die BernPride mit. Wie kam’s dazu?
Tim: Meine Pride-Story begann im OK der EuroGames, kurz nachdem ich nach Bern gezogen bin. Als Jugendlicher aus der Zentralschweiz suchte ich damals den Anschluss an die queere Community in der Bundesstadt. Nachdem wir die BernPride 2023 als Rahmenprogramm mitorganisiert haben, habe ich im Anschluss den Verein BernPride mitgegründet, um den Fortbestand der Pride zu gewährleisten.
Was wünschst du der BernPride 2026?
Gutes Wetter! Unser Team ist wahnsinnig toll, und ich bin immer wieder erstaunt, was wir in so kurzer Zeit ehrenamtlich auf die Beine stellen. Eines der wenigen Dinge, die wir aber nicht beeinflussen können, ist das Wetter. Und mal ganz ehrlich: eine Pride während Regen und Wind durchzuführen ist schon nicht so mega cool.
Welchen Moment an einer Pride wirst du nie vergessen?
Ich erinnere mich gerne an den Abend der BernPride 2023. Ich war mit anderen OK-Mitgliedern hinter der Festivalbühne, und unsere Headlinerin Naomi Lareine sang für 10’000 Menschen auf dem Bundesplatz. In diesem Moment wurde uns klar, wofür wir gerade monatelang gearbeitet hatten. Wir haben im Kreis geweint – Freudentränen natürlich!
Stell dir vor, du dürftest für einen Abend die Altstadt umgestalten: Wie sähe dein Pride-Bern aus?
Für die BernPride hängt die Stadtverwaltung jeweils grosse Pride-Fahnen in der Altstadt auf, und das ist wunderschön. Was uns hier in Bern noch etwas fehlt, sind stationäre Freizeitangebote für die Community.
Du hast drei Songs, um eine Tanzfläche voll zu kriegen. Welche?
Crazy in Love von Beyoncé, Maneater von Nelly Furtado und Don’t Cha von den Pussycat Dolls.
Gibt es einen Satz, den du als queerer junger Mensch in der Schweiz nie mehr hören möchtest?
Richtig wütend werde ich, wenn ich höre, wir sollten aufhören, Pride-Events zu organisieren, weil wir die Gleichberechtigung schon erreicht hätten. Und leider höre ich diesen Satz oft – deshalb hier als Reminder: NEIN!
Welche Medien konsumierst du und bezahlst du dafür?
Apple Music für die Ohren, Netflix für die Augen, die Hauptstadt und das Republik Magazin fürs Gehirn.
Kuschel-Typ oder Draufgänger?
Mein Freund würde jetzt wohl antworten, dass ich beides bin. Ich finde, der Mix macht’s aus – manchmal mag man es gemütlicher, manchmal ausgefallener.
Welche Eigenschaft an dir würdest du gerne ausschalten können?
Ich hätte gerne mehr Kontrolle über meine Mimik. Menschen können recht schnell an meinem Gesicht ablesen, welche Meinung ich zu einem Thema habe – und das ist fürs Gespräch nicht so förderlich.
Welche App auf deinem Handy solltest du löschen?
Instagram. Ich habe seit Anfang des Jahres sogar eine App, die sich öffnet, wenn ich versuche, auf Instagram zu gehen. Anscheinend habe ich dadurch schon 158 Stunden meines Lebens zurückgewonnen.
Wenn KI dir eine unangenehme Aufgabe abnehmen dürfte – welche wäre es?
Meine Gedanken zu sortieren – nicht weil es eine unangenehme Aufgabe ist, sondern weil es mir unzählige Stunden Arbeit ersparen würde. Aktuell arbeite ich mit To-do-Listen, Post-its und Notizbüchern. Da wäre eine KI schon praktisch, die meine Überlegungen automatisch notiert, sortiert und einplant.
Du darfst ein Gesetz für die Schweiz erlassen. Was steht drin?
Bei den letzten Wahlen im Kanton Bern lag die Wahlbeteiligung bei knapp 35 Prozent. Deshalb wäre mein Gesetz eines, das die politische Partizipation fördert: etwa durch politische Bildung in Schulen, die Möglichkeit, digital abzustimmen, oder sogar durch eine Wahl- und Abstimmungspflicht.
Welcher Ort fühlt sich für dich nach «Zuhause» an, obwohl er es nicht ist?
San Francisco ist für mich ein «home away from home». Ich habe dort Familie im Silicon Valley und fühle mich sehr wohl. Ich vergleiche die Unterschiede zwischen San Francisco und Los Angeles gerne mit Bern und Zürich (sorry Züri, ich bin kein Fan).
Und zum Schluss: Worauf freust du dich nach der Pride am meisten?
Auf eine Woche Ferien mit meinen besten Freunden in einem abgelegenen Haus in der Nähe von Florenz. Einfach mal nichts machen – das werde ich nach der Pride bitter nötig haben.
Steckbrief
Name: Tim Binda
Pronomen: er/ihm
Wohnort: Stadt Bern
Instagram Account: @tmlcbnd
Geburtsort: Neuchâtel
Ausbildung: KV, Bachelor of Science Betriebsökonomie i.A
Beruf: Engagements in den Bereichen Marketing, Bau, Gesundheit und Bildung
Lieblingsserie: House of Cards
Lieblingssong: Eigentlich alles aus dem Hause RAYE, Beyoncé, Dua Lipa oder Adele
