Das hat ZDF das Leben von Olivia Jones verfilmt

Film

Johannes Hegemann in Drag-Kostüm und Maske als Olivia Jones im ZDF-Film «Olivia» 2026.
Olivia Jones (gespielt von Johannes Hegemann) ist Deutschlands bekannteste Dragqueen und ein Medienstar. (Bild: ZDF/Thomas Leidig)

Deutschlands bekannteste Dragqueen bekommt ihr Biopic – zur besten Sendezeit. Ab dem 5. Mai in der Mediathek, am 13. Mai um 20:15 Uhr im ZDF.

«Ich könnte heulen.» So beginnt Olivia Jones diese Woche ihren Instagram-Post. Stolz und Demut, schreibt sie, liegen gerade nah beieinander. Hätte ihr jemand vor vierzig Jahren erzählt, dass das ZDF ihr Leben verfilmt, hätte sie sich verarscht gefühlt. Nun ist es soweit.

Johannes Hegemann spielt Olivia als Erwachsene. (Bild: ZDF und Thomas Leidig/ Florida F)

Der Film heisst «Olivia», basiert auf ihrer Autobiografie «Ungeschminkt» und erzählt, wie aus Oliver Knöbel aus dem niedersächsischen Springe Deutschlands bekannteste Dragqueen wurde. Oliver liebt es, sich als Frau zu kleiden. In der Kleinstadt gibt es dafür vor allem Ablehnung, Spott und Gewalt. Auch die Mutter steht ihm zunächst nicht zur Seite. Nur der Aufbruch nach Hamburg, auf den Kiez von St. Pauli, gibt Oliver die Möglichkeit, sich neu zu erfinden. Wobei auch dort zunächst Armut wartet und nicht das Rampenlicht.

Was den ZDF-Film «Olivia Jones» besonders macht

Johannes Hegemann spielt Olivia als Erwachsene. Die Annäherung an die Figur war ihm wichtig, keine Imitation. «Ich habe mir die Freiheit genommen, selber zu interpretieren und zu kreieren, anstatt nur zu kopieren», sagt er. Was ihm dabei geholfen hat: die Maske. Anderthalb Stunden täglich, Musik dabei, danach war er drin. «Als ich das erste Mal komplett im Drag war, habe ich eine unglaubliche Power und Erhabenheit gespürt. Ich habe mich anders bewegt, ganz anders gefühlt.»

Annette Frier spielt Olivias Mutter Evelin, eine Frau, die zerrissen ist zwischen Angst, Scham und Liebe. Frier und Jones kennen sich schon länger, begegnet sind sie sich auf Partys und roten Teppichen. Beim Dreh sah es dann so aus: Ein fremder Mann stellt sich in der Hotellobby an ihren Tisch, lächelt und sagt: «Hallo Mama.» Es dauert eine kleine Ewigkeit, bis der Groschen fällt. Dann stehen sie auf und umarmen sich.

Nach harten, entbehrungsreichen Jahren auf der Reeperbahn hat Oliver Knöbel als Olivia Jones (Johannes Hegemann) endlich den Durchbruch geschafft. (Bild: ZDF, Bjørn Haneld)

Regie führte Till Endemann, das Drehbuch schrieb David Ungureit nach Olivias Autobiografie. Ungureit beschreibt die Herausforderung so: Eine Biografie in ein Drehbuch fassen bedeutet verdichten, weglassen, kompensieren. Bei Olivias Leben könne man aus dem Vollen schöpfen, «ein schönes Gleichgewicht von Drama, Humor und grossen Emotionen erschaffen».

Ein Film über Mut

Olivia Jones betont in ihrem Post, der Film sei nicht wegen ihr sehenswert. Sondern weil er zeige, wie wichtig es sei, seinem Herzen zu folgen, für Freiheiten zu kämpfen, sich gegen Hass zu behaupten. Sie erinnert daran, dass ihre Mutter jung, alleinerziehend und zerrissen war. Dass der Weg, den sie gewählt hat, Vereinsamung und Verarmung bedeuten konnte. «Man kann sich das heute kaum noch vorstellen. Aber so war es.»

Für ein schwules Publikum ausserhalb Deutschlands ist Olivia Jones vielleicht weniger vertraut als für das Hamburger Stammpublikum ihrer Kiez-Bars. Ihre Geschichte geht aber über den deutschen Kontext hinaus: die Geschichte von jemandem, der sichtbar war, als Sichtbarkeit noch etwas kostete. 

«Olivia» läuft ab dem 5. Mai 2026 in der ZDF Mediathek, am 13. Mai um 20:15 Uhr im ZDF.

Maurice Müller

Online Redakteur
DISPLAY Magazin

Artikel jetzt teilen

Veröffentlicht:

02.05.2026

Weitere Artikel zum Thema

Kultur

Das Schauspielhaus Zürich zeigt mit STÜTZLIWÖSCH SUPERTRANS das berührendste queere Theatererlebnis der Saison. Und mit etwas Glück bist du dabei.

07.03.2026

People

Das Lachen hat sie sich gespart. Die Karriere nicht. Victoria Beckham wird heute 52 – und wer immer noch nur an Posh Spice denkt, hat die letzten zwanzig Jahre irgendwie verpasst.
17.04.2026

Kultur

Ein Gespräch mit dem schwulen Stand-up-Comedian Simon Stäblein über seinen Einsatz gegen Homofeindlichkeit, seine Ehe und sein neues Programm «Ich schmeiss mich weg».

27.06.2025
Mehr gibt es leider gerade nicht. Wir schreiben fleissig weiter.