Syphiliswelle mit fatalen Folgen

Medizin

Ein Mann lehnt mit dem Rücken an einer Betonsäule und hält einen kleinen gelben Blumenstrauß in der Hand. An der gegenüberliegenden Seite derselben Säule zündet ein älterer Mann einem jüngeren Mann eine Zigarette an. Währenddessen gehen Passanten auf der Straße vorbei.
Alle Bilder: Martin Fröhlich für die HAZ
1960 erschienen in der internationalen Presse Berichte über einen raschen Anstieg der Syphilis bei homosexuellen Männern. Zürich begegnete damals allem Homosexuellen mit Repression, so wurde auch auf die Syphilis reagiert.

Die Polizei führte grosse Razzien durch und die verhafteten Männer wurden zwangsgetestet. Das Vorgehen, das sich vor allem gegen «Stricher», also männliche Sexworker richtete, drängte die ganze Szene in den Untergrund. Die gefährdete Gruppe konnte so nicht mit Präventionsinformationen erreicht werden.

Zwei Männer stehen nebeneinander an einem Urinal.
Bilder einer Fotoaktion aus den 1980ern, die den Strich in Zürich am HB unter den Lauben und im Pissoir in Szene setzt. Damals ging man davon aus, dass den Sexworkern eine besondere Rolle bei der Verbreitung von Syphilis zukam.

Ganz anders reagierte Basel auf die Gefährdung. Zum ersten Mal in der Schweiz arbeiteten öffentliche Stellen Hand in Hand mit Vertretern der schwulen Community. Der Club Isola führte zusammen mit dem Stadtarzt und der dermatologischen Universitätsklinik Basel die «Aktion S» durch. Verbreitet wurde diese Aktion durch ein Info-Blatt, das der Zeitschrift «Der Kreis» beigelegt war. Ziel waren einwandfreie Informationen über die Krankheit.

1967 war die Wirkung der zwei unterschiedlichen Vorgehensweisen greifbar: In Basel gab es praktisch keine Neuansteckungen mehr. In Zürich hingegen war die Rate unverändert geblieben, bei hoher Dunkelziffer.

Das Basler Vorgehen kann auch als Grundlage gesehen werden für die liberale Aids-Politik der Schweiz in den 1980er Jahren.

Porträt von Prof. Dr. med. Rudolf Schuppli
Prof. Dr. med. Rudolf Schuppli war 30 Jahre Leiter der Dermatologischen Universitätsklinik Basel. Er wurde hoch geachtet für seine volksnahen Konzepte für Gesundheit und Prävention.
Die Place Pigalle im Zürcher Niederdorf. In der schmalen Gasse trafen sich häufig Freier und männliche Prostituierte.

Weitere Informationen über den Umgang mit Syphilis in Basel und Zürich gibt es auf schwulengeschichte.ch

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Veröffentlicht:

22.05.2026

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