Eine Liebesgeschichte zwischen Autobahnen, Rastplätzen und endlosen Fahrten: Mit «Flesh & Fuel» gewinnt ein queeres Drama das Goldene Auge im Spielfilm-Wettbewerb des 22. Zurich Film Festival (ZFF). Die Auszeichnung wurde am Samstagabend, 3. Oktober, im Zürcher Opernhaus verliehen und ist mit 25’000 Franken dotiert. Für den französischen Regisseur Pierre le Gall ist es ein besonderer Erfolg: Der Film ist sein erster Spielfilm und wurde bereits an den Filmfestspielen von Cannes als queere Entdeckung ausgezeichnet.
Im Zentrum stehen Étienne, ein französischer Fernfahrer, und Bartosz, sein lebensfroher polnischer Berufskollege. Während Étienne von langen Strecken und flüchtigen Begegnungen geprägt ist, bringt Bartosz plötzlich etwas Neues in seinen Alltag: echte Nähe. Aus einer zufälligen Begegnung entwickelt sich eine Liebesgeschichte. Doch wie führt man eine Beziehung, wenn die Arbeit einen ständig auf Achse hält und gemeinsame Zeit zum Luxus wird?
Mehr als eine schwule Liebesgeschichte
Le Gall verlegt seine Geschichte bewusst in die Welt der Fernfahrer. Dabei geht es nicht einfach um eine Romanze zwischen zwei Männern, sondern auch um die Frage, wie viel Raum Arbeit und wirtschaftlicher Druck für Liebe und persönliche Freiheit lassen. Der Regisseur will das Trucker-Milieu weder auf Machismo reduzieren noch pauschal als homophob darstellen. Stattdessen zeigt er Menschen, die ihren Beruf ernst nehmen und dennoch nach Verbundenheit suchen. Für Le Gall ist Liebe eine Kraft, die sogar stärker sein kann als Arbeit und Kapitalismus.
Die Jury des ZFF würdigte den Film als eindringliche Auseinandersetzung mit dem menschlichen Bedürfnis nach Nähe. Le Gall konnte den Preis nicht persönlich entgegennehmen und bedankte sich per Videobotschaft. Er widmete die Auszeichnung Menschen, die mit Stolz arbeiten und dabei müde geworden sind.
Auch an den Filmfestspielen von Cannes sorgte «Flesh & Fuel» für Aufmerksamkeit: Dort erhielt das Drama die neu geschaffene Auszeichnung Queer Palm Revelation, die einem queeren Filmdebüt gewidmet ist. Der Erfolg in Zürich unterstreicht, dass queere Geschichten auch jenseits klassischer Liebesfilm-Kulissen ein breites Publikum erreichen können.
Für das Schweizer Kinopublikum gibt es zudem einen Grund zur Vorfreude: Der Kinostart in der Deutschschweiz ist für Mitte Dezember 2026 angekündigt.
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