Regisseur und Wegbereiter der Schwulenbewegung stirbt kurz nach seiner Hochzeit im Alter von 83 Jahren.
Der Regisseur, Autor und eine der prägendsten Stimmen der queeren Bewegung, Rosa von Praunheim, ist tot. Wie übereinstimmende Medienberichte melden, ist der Filmemacher im Alter von 83 Jahren in Berlin gestorben. Nur wenige Tage, nachdem er seinen langjährigen Lebensgefährten Oliver Sechting geheiratet hatte.
Von Praunheim, geboren als Holger Radtke, war weit mehr als ein Filmemacher: Er war eine Schlüsselfigur der deutschen Schwulenbewegung und machte das Leben und die Rechte homosexueller Menschen über Jahrzehnte hinweg sichtbar. Seine Arbeit trug massgeblich dazu bei, Homosexualität aus dem stigmatisierten Rand heraus und in die gesellschaftliche Mitte zu bringen.
Der Durchbruch gelang ihm bereits 1971 mit seiner kontroversen Dokumentation «Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt». Der Film zeigte offen und selbstbewusst schwule Lebenswelten. Zu einer Zeit, als Homosexualität in der Gesellschaft noch tabuisiert war und oftmals mit Vorurteilen und Diskriminierung konfrontiert wurde. Dieses Werk gilt als Meilenstein in der Geschichte des queeren Films und als kultureller Frühwarnschuss im Kampf gegen gesellschaftliche Ausgrenzung.
Über mehr als fünf Jahrzehnte hinweg produzierte von Praunheim mehr als 150 Filme, in denen er immer wieder mit gesellschaftlichen Normen brach und politische Debatten anstiess. Seine Arbeiten reichten von experimentellen Spielfilmen bis zu kompromisslosen Dokumentationen. Dabei verband er künstlerische Provokation mit gesellschaftspolitischem Engagement, was ihm nicht nur Anerkennung, sondern auch Kontroversen einbrachte.
Als Aktivist setzte er sich unermüdlich für die Rechte und Sichtbarkeit von Schwulen und queeren Menschen ein. Sein Einfluss war nicht nur filmisch, sondern auch politisch spürbar: Er gab einer Bewegung ein Gesicht, ermutigte Menschen zur Selbstbehauptung und trug zur kulturellen Veränderung in Deutschland und darüber hinaus bei, eine Leistung, die weit über das Kino hinausreicht.
Seine Hochzeit mit Oliver Sechting am 12. Dezember 2025, eine private Zeremonie im Berliner Rathaus, markierte einen persönlichen Höhepunkt, der nun von seinem Tod überlagert wird.
Mit dem Tod Rosa von Praunheims verliert nicht nur das Kino einen grossen Provokateur – es verliert eine Persönlichkeit, die mit unermüdlichem Einsatz und kompromisslosem Stil die Diskussion um Schwulsein und gesellschaftliche Akzeptanz massgeblich mitgeprägt hat.

