Zehn Jahre nach seinem Tod erscheint neue Musik von Prince

Musik

Prince 1984. (Bild: Wikimedia)

Zum zehnten Todestag von Prince erscheint erstmals seine eigene Version von «With This Tear» – eine Aufnahme aus 1991, die er einst Céline Dion schenkte. Anlass genug, neu über ihn nachzudenken.

Er starb am 21. April 2016 im Aufzug seines Studios. 57 Jahre alt, allein, in Paisley Park. Zehn Jahre später gibt es nun etwas, das es vorher nicht gab: Prince singt «With This Tear». Seine Version, nicht die von Céline Dion, für die er den Song ursprünglich schrieb. Die Aufnahme entstand im November 1991 in Paisley Park – Prince an Klavier und Mikrofon, alle Instrumente selbst eingespielt, wie er es immer tat. Er komponierte, produzierte, arrangierte. Dann liess er den Song liegen und gab ihn weg. Dion veröffentlichte ihre Version 1992 auf ihrem englischsprachigen Debütalbum, als vorletzten Track. Prince behielt seine Aufnahme im Tresor.

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Jetzt, zum Jahrestag seines Todes, erscheint sie über NPG Records und Legacy Recordings, neu abgemischt vom Grammy-nominierten Produzenten Chris James, der bereits an «Art Official Age» und «HITnRUN Phase Two» gearbeitet hatte. Es ist laut Princes Estate die erste Veröffentlichung aus einer ganzen Reihe unveröffentlichter Aufnahmen, die auf ein neues Vault-Album hinführen soll.

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Was der Vault bedeutet

Der Tresor war immer Teil der Legende. Prince soll Tausende von Aufnahmen hinterlassen haben – Songs, Alben, Experimente, Improvisationen, Dinge, die er für niemanden bestimmt hatte oder für alle. Das Besondere an «With This Tear» ist nicht, dass der Song unbekannt wäre; Dions Version kennen viele. Das Besondere ist, was man nun hört: wie Prince die Stille um eine Stimme baut. Die Ballade ist kahl, fast fragil. Ein Klavier, eine Stimme, die sich im Falsett nach oben tastet. Man erkennt sofort, warum Dion den Song aufnehmen wollte. Und man versteht, warum Prince ihn behielt.

Er machte das öfter: Songs schreiben für andere, die er selbst genauso hätte singen können. Für Sinead O’Connor schrieb er «Nothing Compares 2 U». Für Bangles «Manic Monday». Wer weiss, welche Versionen im Vault lagen, die nie ans Licht kamen. «With This Tear» ist nun eine der wenigen, die raus dürfen.

Warum Prince für queere Menschen etwas anderes bedeutete

Er hat sich nie in eine Kategorie pressen lassen – nicht musikalisch, nicht visuell, nicht sexuell. Das war kein Statement, das er verkündete. Es war einfach, wer er war. Prince trug hohe Absätze und Football-Trikots, Spitze und Leder, Kajal und Dreitagebart. Er sang über Verlangen mit einer Präzision, die keine Rücksicht auf gesellschaftliche Erwartungen nahm. Wer er begehrte, blieb seine Sache. Was er damit ausdrückte, gehörte allen.

Prince am Coachella. (Bild: Scott Penner)

Für queere Männer, die in den Achtzigern oder Neunzigern aufwuchsen, war das etwas Seltenes: ein männlicher Popstar, der Zartheit und Härte nicht als Gegensätze behandelte, der seinen Körper als Instrument benutzte, ohne sich dafür zu entschuldigen oder zu erklären. Er tanzte so, dass man zusehen musste. Er spielte Gitarre so, dass Eddie Vedder ihn «probably the greatest guitar player we’ve ever seen» nannte. Und er sang in einem Falsett, das keine Schwäche anzeigte, sondern Präzision.

Ein globales Phänomen

Prince Rogers Nelson wurde 1958 in Minneapolis geboren, Sohn eines Jazz-Musikers und einer Tänzerin. Mit sieben Jahren brachte er sich selbst Klavier bei. Mit 19 unterschrieb er bei Warner Bros. einen Vertrag, der ihm vollständige kreative Kontrolle zusicherte – damals fast unerhört. Auf «For You», seinem Debütalbum von 1978, spielte er alle 27 Instrumente selbst. Das war nicht Gimmick, das war Methode.

«Purple Rain» machte ihn 1984 zum globalen Phänomen. Der Kampf mit Warner Bros. in den Neunzigern – das Wort «SLAVE» im Gesicht, der unaussprechliche Name als Künstleridentität – war kein PR-Stunt, sondern ein ernsthafter Versuch, die eigene Musik zu besitzen. Er gründete NPG Records, vertrieb Alben als Zeitungsbeilage, streamte vor dem Streaming. Taylor Swift, Radiohead, Chance the Rapper: alle folgten einem Weg, den er früher als alle anderen kannte.

Am 21. April 2016 starb er an einer Überdosis Fentanyl. Er hatte seit Jahren chronische Schmerzen.

«With This Tear» ist eine Piano-Ballade von 1991. Er war damals 35 Jahre alt.  Dass man das Stück jetzt hört, in seiner Version, ist kein Trost. Aber es ist mehr als Nostalgie.

Maurice Müller

Online Redakteur
DISPLAY Magazin

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Veröffentlicht:

21.04.2026

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