Der Schwugo kommt

Kultur

Jetzt ist Milan Milanski mit seinem ersten Programm «Schwugo» wieder on Tour. Nicht verpassen!

Interview Christian Gersbacher

Stand Up-Comedian MILAN MILANSKI: Selbstironie, Balkan-Klischees, Queerness und Oliver Kahn. 

Milan Milanski hat sich in den letzten Jahren einen festen Platz in der Schweizer Comedy-Szene erobert. Sei es als Moderator des erfolgreichsten Open Mics der Schweiz oder als Aussenreporter bei Stefan Büssers «Late Nite Switzerland». 

Vom Coming-out bis zum Erwachsenwerden, von Arbeiterhochhäusern bis zu Balkan-Klischees: Milans Comedy ist nicht nur unglaublich unterhaltsam, sondern vor allem radikal ehrlich. Er scheut sich nicht, die ungewöhnlichsten und vielleicht auch peinlichsten Erlebnisse aus seinem Leben preiszugeben. 

DISPLAY hat mit ihm über seinen Weg zur Comedy, sein Coming-out und sein neues Soloprogramm «Schwugo» gesprochen. 

Milan Milanski: Ich habe als Kind Theater gespielt und im Jugendchor gesungen. Beides habe ich geliebt. Ich bin quasi als «Rampensau» auf die Welt gekommen. In der Pubertät habe ich dann, wie leider auch viele andere queere Menschen, mit mir selbst und mit der Wahrnehmung anderer zu kämpfen gehabt. Ich wollte nicht mehr als der «Gay-Theater-Boy» gesehen werden. Ich fing mich an zu verbiegen, gab mich als cooler, straighter Typ aus und habe deshalb leider meine Bühnenaktivitäten über Bord geworfen. Erst mit 26 Jahren habe ich gemerkt, wie schade das ist und wie sehr ich die Bühne vermisste. Ich wollte singen, schauspielern, aber der Bezug dazu war nach all den Jahren verloren gegangen. Ein Freund meinte dann, dass mein Beruf sowieso nicht zu mir passe und ich es doch mal mit Stand Up probieren sollte. An meinem ersten  Comedy Open Mic-Auftritt habe ich Blut geleckt und liebe es bis heute. Meine Geschichte vom queeren Balkaner schien mir fürs Publikum interessant und in der Schweizer Comedyszene noch unerzählt.

Queere Themen und Balkan waren also dein Einstieg?

Genau. Der Begriff «Schwugo» ist auch damals entstanden. 

Was bedeutet «Schwugo»?

Schwuler Jugo. Es ist mein ältester und liebster Wortwitz, weshalb ich auch mein erstes Soloprogramm so getauft habe. 

Du bist also erst mit Ende zwanzig auf die Bühnen zurückgekehrt? 

Ja, kurz vor Covid habe ich wirklich angefangen. Davor habe ich als Lehrer gearbeitet und ein bisschen als Journalist und Texter. Aber Stand Up hat sich langsam vom Hobby zur Berufung entwickelt, vor allem nach Covid.

Am 11. Oktober ist jeweils der Coming-out-Tag. Du hast gesagt, dein Coming-out habe eine wichtige Rolle in deinem Leben gespielt. Kannst du uns mehr darüber erzählen?

Ich glaube, das Coming-out ist für jede queere Person ein wichtiger Meilenstein, so war es auch für mich. Ich war um die 20 Jahre alt. Meine Eltern waren überrumpelt, konnten zu Beginn nicht wirklich damit umgehen, da es für sie komplettes Neuland war. Alles Weitere wird in meiner Show genauer erzählt  

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Wie hast du es geschafft, so viel Persönliches in dein Bühnenprogramm zu integrieren?

Ich sehe mich gerne als Storyteller. Ich erzähle Geschichten, die mich faszinieren und die authentisch sind. «If it’s tragic, make it fun» war vor allem zu Beginn meines Komikerdaseins mein Motto. Meine Comedy hat für mich etwas Therapeutisches. Wenn ich es damit schaffe, Leute zum Lachen zu bringen, umso besser. Ich möchte unterhalten, nicht predigen. 

Gab es Reaktionen aus dem Publikum, die dich bewegt haben?

Grundsätzlich freue ich mich über jeden einzelnen Lacher und Applaus, die ich für Jokes bekomme. Einmal schrieb mir ein junger Mann mit balkanischen Wurzeln, dass es ihm Mut gemacht habe, einen schwulen Serben auf der Bühne zu sehen. Das hat mich berührt und hat mir gezeigt, dass ich hin und wieder Menschen auf einer anderen Ebene erreiche, als «nur» auf der humoristischen. 

Und negative Reaktionen?

Die gab es nie direkt, aber online gab es hie und da teilweise homofeindliche Hasskommentare. Mein Tipp: Kommentare gar nicht mehr lesen.

Kommen wir zu deinem neuen Programm. Was können wir erwarten?

Viel Selbstironie, Balkan-Klischees, Queerness und persönliche Geschichten. Es ist ein humorvolles Intermezzo von balkanischer Kultur und queeren Themen.    


4 SCHNELLE FRAGEN AN MILAN: 

1 Welchen Song würdest du auf einer Karaoke-Party singen? 

Faith von George Michael. 

 2 Wer war dein erster Celebrity Crush?

Deutschlands Fussball-Goalie Oliver Kahn. Warum weiss ich auch nicht. 

3 Was ist der verrückteste Spitzname, den du jemals hattest?

Milanese, wie das italienische Gericht. 

 4 Was ist der grösste Unterschied zwischen der serbischen und der Schweizer Kultur?

Es gibt viele Unterschiede, aber was sofort auffällt, ist die Mentalität, vor allem die Lautstärke.

Beat A. Stephan

Redaktion
DISPLAY Magazin

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Veröffentlicht:

27.09.2025

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