Homophobie statt sachlicher Polizeikritik
Die Ausschreitungen am Zürcher Hardplatz haben eine politische Debatte ausgelöst, die weit über den Polizeieinsatz hinausgeht. Im Zentrum steht SVP-Kantonsrat Christoph Marty, der sich auf Facebook abwertend über Frauen und homosexuelle Angehörige der Stadtpolizei Zürich äusserte. Der Verein PinkCop – Queer Police Switzerland will die Aussagen nun rechtlich überprüfen lassen.
Auslöser war eine unbewilligte Party, die in der Nacht auf den 11. Oktober 2026 eskalierte. Als die Stadtpolizei den Anlass auflösen wollte, wurden Einsatzkräfte mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern angegriffen. Ein Polizist wurde verletzt, mehrere Polizeifahrzeuge beschädigt. Zunächst kam es zu keinen Festnahmen; die Ermittlungen laufen.
Marty machte in seinem Facebook-Beitrag unter anderem den hohen Frauenanteil und die vermeintliche Präsenz homosexueller Mitarbeitender für das Vorgehen der Polizei verantwortlich. Dabei verwendete er eine homophobe Beleidigung und stellte die Einsatzfähigkeit des Korps infrage.
PinkCop will die rechtlichen Grenzen klären
Für PinkCop sind solche Äusserungen nicht hinnehmbar. Der unabhängige Verein vertritt homo-, bi- und transsexuelle sowie intergeschlechtliche Polizist in der Schweiz. Er hat sich an die Geschäftsleitung des Zürcher Kantonsrats gewandt, um eine rechtliche Prüfung anzustossen.
Die Botschaft des Vereins ist klar: Geschlecht und sexuelle Orientierung sagen nichts über die berufliche Kompetenz oder Einsatzbereitschaft eines Menschen aus. Diskriminierende Äusserungen dürften deshalb nicht einfach unwidersprochen bleiben.
Auch die Zürcher Polizeiführung reagierte deutlich. Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart und Polizeikommandant Beat Oppliger forderten Marty auf, seinen Beitrag zu löschen und sich zu entschuldigen. Der SVP-Kantonsrat lehnte dies ab und hielt an seinen Aussagen fest.
Distanzierung – aber ist das genug?
Die SVP-Gemeinderatsfraktion der Stadt Zürich distanzierte sich öffentlich von Martys Äusserungen. Sie betonte, dass sie hinter der Polizei stehe – unabhängig vom Geschlecht oder der sexuellen Orientierung ihrer Mitarbeitenden. Aus anderen politischen Reihen kam ebenfalls Kritik; zudem wurde die Forderung nach einem möglichen Strafverfahren laut.
Ob Martys Aussagen strafrechtlich relevant sind, ist damit noch nicht entschieden. Die von PinkCop angestossene Prüfung ist nicht mit einer Anklage oder einer Verurteilung gleichzusetzen.
Der Fall wirft dennoch eine grundsätzliche Frage auf: Wo endet zugespitzte politische Kritik, und wo beginnt die Diskriminierung? Gerade wenn gewählte Volksvertreter abwertend über Minderheiten sprechen, geht es nicht nur um persönliche Wortwahl. Es geht auch darum, welche Haltung gegenüber queeren Menschen im öffentlichen Leben toleriert wird.
Für PinkCop steht fest: Respekt und Gleichstellung dürfen nicht davon abhängen, wer gerade im politischen Rampenlicht steht.
