Es gab eine Zeit, da war das Puls 5 die elegante Antwort auf eine unelegante Frage – wohin zum Trainieren, wenn man sich das Holmes Place nicht leisten will? Oder kann. Diesen Sommer wurde 3½ Monate lang umgebaut. Das Ergebnis lässt sich mit einem schönen deutschen Wort zusammenfassen – verschlimmbessert.
Im Fitnessbereich hat sich nichts getan, und das sieht man. Die Geräte sind dieselben wie vor dem Umbau, und sie tragen ihr Alter mit bemerkenswerter Offenheit. Überraschend ist das nicht. «Training & Group Fitness sind nicht betroffen», hatte der Fitnesspark vorher geschrieben. Ich las das als Trost für alle, die während der Bauzeit weiter trainieren wollten. Gemeint war offenbar auch – hier fasst niemand etwas an. Immerhin ist für 2027 ein grösserer Trainingsbereich mit Freihantelzone angekündigt. Man soll die Hoffnung nicht aufgeben.
Die Aufmerksamkeit ging ins Wellness. Versprochen war ein «modernisiertes Bad & mehr Platz für Aqua Fitness», und das Versprechen wurde gehalten, gründlich. Der Pool ist grösser, und wo früher junge Paare nach der Arbeit ihren Feierabend genossen, machen heute 70-jährige Frauen Zumba im Wasser. Das sei ihnen gegönnt, wirklich. Gleichzeitig sind die Cocons verschwunden, diese bunten Liege-Nischen in der Holzwand, die das Puls 5 einmal unverwechselbar gemacht haben. Jetzt gibt es Liegen, über die man nichts weiter sagen muss, weil sie selbst nichts sagen. Online leben die Cocons übrigens weiter – auf der Website des Fitnessparks erinnert der Wellnessbereich noch immer «mit seinen bunten Liege-Cocons an die hippen Seventies». Vor Ort sorgt inzwischen das Publikum für das Seventies-Gefühl.
Und du?
Anonym – nach dem Abstimmen siehst du gleich, wie die anderen geantwortet haben.
Alle Angaben in Prozent
Auch die verwinkelte 60-Grad-Sauna gibt es nicht mehr – die für Sauna-Anfänger und alle, die es einfach nur ein bisschen warm haben wollten. Sie war, sagen wir, ein Ort mit Geschichte – hier haben sich Gays in die Augen geschaut, die sich bis dahin nur von Grindr kannten. Ganz reibungslos lief das nie. 2013 flog ein schwules Paar aus dem Ruheraum des Puls 5, weil es sich mehr als nur geküsst haben soll; ein Augenzeuge sagte, die beiden hätten sich bloss geküsst. Das Publikum sei zu 90 Prozent gay, stand damals im «Tages-Anzeiger». Heute gibt es stattdessen 2 grosse Saunen mit viel Glas und Platz für alle. Hell, offen, demokratisch. Wer mit dem Saunieren anfängt, tut das jetzt gleich vor Publikum. Fürs Flirten bleibt da wenig, fürs Hinschauen umso mehr – die Anatomie der Gäste ist jetzt Teil der Innenarchitektur. Ob man will oder nicht.
Und dann ist da dieses Blau. Die Hälfte der Wände wurde blau gestrichen, und die Botschaft ist unmissverständlich – Blau, das ist Wellness, du musst dich jetzt entspannen. In den Seventies hat das vielleicht funktioniert. Heute? Man fragt sich, wer diese Farbwahl wohl vorgeschlagen hat – und wer sie abgenickt hat. Einfallslos wie eine Rose an einem Valentinstag. Spätestens im Gang ist die Entspannung dann wieder weg. Er ist lang, karg und kalt, vermutlich der längste Wellnessgang der Welt, und auf halber Strecke fragt man sich, ob man noch im Wellness ist oder schon im Kühlraum.
Das Puls 5 ist älter geworden, und seine Kundschaft auch. Vielleicht ist genau das die Idee hinter dem Umbau – wer 2004 zur Eröffnung 25 war, ist heute 47, und aus einer Liege kommt man mit 70 nun mal eleganter wieder hoch als aus einem Cocon. Das ist vernünftig, es ist hell, und es ist blau. Nur war das Puls 5 einmal das Fitness, in das man ging, weil man urban und cool war. Das war einmal. Aber gut – das Puls 5 ist erwachsen geworden. Wir anderen arbeiten noch daran.
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