Johannes Hegemann hat beim Festival de Télévision de Monte-Carlo die Goldene Nymphe als bester Schauspieler gewonnen. Ausgezeichnet wurde er für seine Hauptrolle in «Olivia», dem ZDF-Film über Oliver Knöbel und die Entstehung der Kunstfigur Olivia Jones. D
er Preis gehört zu den wichtigen Auszeichnungen der europäischen Fernsehbranche. Für Deutschland ist es zudem ein seltener Erfolg: Zuletzt hatte 2016 Jonas Nay die Goldene Nymphe als bester Schauspieler gewonnen, damals für «Deutschland 83».
Die Jahre vor der Ikone
«Olivia» erzählt nicht einfach die Erfolgsgeschichte einer Drag-Figur, die irgendwann zum festen Inventar der deutschen Fernsehlandschaft wurde. Der Film beginnt früher: bei Oliver Knöbel, der in der niedersächsischen Provinz aufwächst, gemobbt wird und mit Ablehnung in der eigenen Familie umgehen muss.
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Mehr InformationenSpäter geht er nach Hamburg. Auf St. Pauli entsteht nach und nach Olivia Jones: gross, laut, schlagfertig, aber nicht aus dem Nichts. Der Film interessiert sich vor allem für das, was vor der fertigen Kunstfigur liegt. Für Unsicherheit, Scham, Wut und den Moment, in dem aus Verletzlichkeit eine Bühnenfigur wird.
Hegemann spielt diese Entwicklung ohne reine Imitation. Er muss nicht nur Perücke, Make-up und Auftritt tragen, sondern auch den Menschen zeigen, der hinter dieser Figur steht. Genau dafür wurde er nun in Monte Carlo ausgezeichnet.
Ein Schauspieler mit Zürcher Biografie
Für Schweizer Leser hat die Geschichte noch eine schöne Nebenlinie. Johannes Hegemann ist in Jena geboren, wuchs aber in Zürich auf. Er studierte an der Zürcher Hochschule der Künste und spielte bereits während des Studiums am Schauspielhaus Zürich.
Später arbeitete er am Volkstheater Rostock, heute gehört er zum Ensemble des Hamburger Thalia Theaters.
Auch beim Publikum erfolgreich
«Olivia» lief im Mai im ZDF und war dort nicht nur ein Kritiker. Bei der linearen Ausstrahlung sahen 3,59 Millionen Menschen zu. Nach drei Tagen zeitversetzter Nutzung stieg die Reichweite auf 3,99 Millionen Zuschauer, bei einem Marktanteil von 18,5 Prozent.
Für einen Film über Drag, Homophobie, Familie und Selbstbehauptung ist das ein starkes Zeichen. Nicht, weil queere Geschichten sich über Quoten rechtfertigen müssten. Sondern weil «Olivia» gezeigt hat, dass solche Stoffe auch in der Primetime ein grosses Publikum finden können.
Weiterhin in der Mediathek
Wer den Film verpasst hat, kann «Olivia» weiterhin in der ZDF-Mediathek sehen. Nach dem Publikumserfolg im Mai kommt nun also auch die Auszeichnung aus Monte Carlo dazu. Für Hegemann ist es ein internationaler Preis. Für den Film ist es ein zweiter Auftritt, diesmal nicht auf St. Pauli, sondern auf der europäischen Fernsehbühne.
