Am Mittwoch hat das Zürcher Stadtparlament den ersten Tag seiner neuen Legislatur mit einer klaren Ansage eröffnet: Ivo Bieri, 41, SP, aus Witikon, ist mit 104 von 115 Stimmen zum neuen Gemeinderatspräsidenten gewählt worden. Er übernimmt das Amt von Christian Huser (FDP) und ist damit für die Amtszeit 2026/2027 der formell höchste Stadtzürcher.
Bieri ist offen schwul. In seiner Antrittsrede erwähnte er das selbst – und gab dem Ganzen gleich den richtigen Ton: Ein schwuler Ratspräsident sei «nichts Aussergewöhnliches, sondern selbstverständlich». Vielfalt gehöre ins Parlament. Zum Schluss zitierte er Klaus Wowereit, den schwulen ehemaligen Berliner Bürgermeister: «Und das ist auch gut so.» Das letzte Mal sass 2013 ein offen schwuler Mann im Ratspräsidium, damals der Grüne Martin Abele.
Star Trek und ein Bier mit der SVP
Bieri sitzt seit Juli 2021 im Gemeinderat und ist Mitinhaber einer Kommunikationsagentur. Politisch aktiv wurde er durch die Debatte um das Partnerschaftsgesetz Ende der Neunzigerjahre, wie er gegenüber Tsüri erklärt hatte. Gespräche auf der Strasse hätten ihm gezeigt, wie wichtig es sei, mit Menschen in den Dialog zu treten.
In seiner Antrittsrede outete er sich zudem als «Trekkie» – als überzeugter Fan von Star Trek. Die Vereinte Föderation der Planeten, in der unterschiedlichste Wesen zusammenarbeiten, sei für ihn ein Vorbild für den 125-köpfigen Gemeinderat. Der funktioniere nicht, weil alle gleicher Meinung seien, sondern weil man sich zusammenraufe, verhandle und zuhöre.
Seinen ersten konkreten Auftrag an die Ratsmitglieder formulierte er entsprechend: Alle sollen mit drei Personen aus anderen Fraktionen ein Bier trinken gehen. Starre Blockmeinungen führten selten zum Erfolg.
Als Vizepräsidenten wählte das Parlament Christian Traber von Die Mitte (106 Stimmen) und Sebastian Zopfi von der SVP (78 Stimmen).
