Der erste offen schwule Profifussballer Argentiniens

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Ignacio «Nacho» Lago, Stürmer von Colón de Santa Fe (Bild: Instagram/@colonoficial)

Ein neun Monate altes Interview geht viral, und plötzlich hat Argentinien seinen ersten schwulen Profifussballer. Nacho Lago hat Geschichte geschrieben, ohne es darauf angelegt zu haben.

Im Mai 2025 sass der 23-jährige Ignacio «Nacho» Lago, Stürmer von Colón de Santa Fe in der lokalen Sendung «Sangre y Luto». Er war verletzt, sprach über seine Genesung, als die Moderatorinnen ihn mit Videobotschaften überraschten. Zuerst seine Grosseltern, dann sein Freund Gonzalo. Der bedankte sich auf dem Bildschirm bei Lago für alles, was er als Mensch und Sportler ist. Lago konnte seine Rührung kaum verbergen. «Das ist eine irrationale Liebe», sagte er. «Wir leben sie so, genau wie den Fussball. Wir versuchen auszudrücken, was wir fühlen.»

Das Interview lag acht Monate lang unbeachtet auf dem YouTube-Kanal des Vereins. Dann schoss Lago am vergangenen Sonntag das dritte Tor beim 3:0 gegen San Miguel, jemand teilte das alte Video, und innerhalb von Stunden war es überall. Nacho Lago ist damit der erste aktive Profifussballer Argentiniens, der sich öffentlich als schwul zu erkennen gegeben hat.

Nacho Lago (links) schaut sich eine Videobotschaft seines Freundes Gonzalo (rechts) an, während der Sendung «Sangre y Luto». (Bild: Club Atlético Colón / YouTube)

Eine Reaktion, die überrascht

Was folgte, war kein Shitstorm. Im Gegenteil. Fans, Medien und Politiker überschlugen sich mit Unterstützung. Der offen schwule Kongressabgeordnete Esteban Paulón schrieb auf X: «Das ist wunderschön. Gut für beide, gut für Colón und gut für die argentinische Gesellschaft, die wieder Geschichte schreibt.»

Argentinien hat die gleichgeschlechtliche Ehe seit 2010 legalisiert, sieben Jahre vor Deutschland, und gilt rechtlich als eines der fortschrittlichsten Länder Lateinamerikas. Im Männerfussball aber herrschte bislang Schweigen. Machismo und Homophobie gehören zum Alltag der Kabinen. Dass Lago dieses Schweigen gebrochen hat, ohne Pressekonferenz, ohne Statement, einfach durch einen ehrlichen Moment in einer Lokalsendung, macht es umso bemerkenswerter. Weder er noch der Verein haben sich seither offiziell geäussert.

Einer, der einfach er selbst ist

Lago hatte seinen Freund Gonzalo übrigens schon früher auf Instagram gezeigt. Auch das hatte kaum jemand bemerkt. Vielleicht ist das die schönste Pointe der Geschichte: dass ein Coming-out in Argentinien acht Monate lang niemanden interessiert hat, bis die Tore kamen.

Maurice Müller

Online Redakteur
DISPLAY Magazin

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Veröffentlicht:

08.04.2026

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