Eine Million Menschen, Love Mobiles bis zum Horizont und ein Motto, das dieses Jahr «Together We Move!» lautet: Am Samstag verwandelt sich das Zürcher Seebecken zum 33. Mal in die grösste Tanzfläche der Schweiz. Der Startschuss fällt um 13 Uhr beim Utoquai, von dort führt die Route über das Bellevue und die Quaibrücke zum Bürkliplatz und weiter zum Hafendamm Enge.
Die Parade selbst findest du überall. Was du nicht überall findest: wo die Community vorher, nachher und bis in den Sonntagmorgen tatsächlich hingeht. Hier sind sieben Stationen – chronologisch, von Freitagabend bis Sonntag früh.
1. ZURICH MUSIC WEEK Conference – aufwärmen mit Haltung
Freitag, 18.30–20 Uhr · Kweer Café Bar, Spitalgasse 14 · kostenlos
Bevor das Wochenende die Kontrolle übernimmt, läuft in der Kweer Bar ein Panel der Zurich Music Week: Mitglieder von female:pressure Portugal und Helvetiarockt diskutieren, warum die elektronische Musikszene für alle, die nicht cis-männlich sind, bis heute eine andere ist – und was Netzwerke und Kollektive dort ausrichten, wo Institutionen versagen. Auf Englisch, zwei Stunden, Eintritt frei.
Zwei Stunden, die erklären, warum der Rest des Wochenendes so aussieht, wie er aussieht. Und du bist ohnehin schon in der Spitalgasse – die nächste Station liegt neun Hausnummern weiter.
2. Sissy That Street Parade – das Warm-up im Heaven
Freitag, ab 22.30 Uhr · Heaven Club, Spitalgasse 5 · CHF 15
Vorabend der grössten Technoparty der Welt, und das Heaven testet schon mal, ob die Dance-Moves noch sitzen. An den Decks steht Djane TiTi aus dem Thurgau, seit diesem Jahr in der Zürcher Clubszene unterwegs, mit Latin House, Afro House und Global Sounds.
Also: kein Techno. Genau das ist der Punkt – davon kriegst du am Samstag noch reichlich. Fünfzehn Franken, offen bis fünf Uhr morgens. Wer da rausgeht, braucht einen Plan für den Samstagvormittag. Der Plan lautet: schlafen.
3. Street Parade – eine Million Menschen, und du mittendrin
Samstag, ab 13 Uhr · Start Utoquai · kostenlos
Love Mobiles, grosse Bühnen, internationale DJs und rund eine Million Menschen entlang des Seebeckens. Der Startschuss fällt um 13 Uhr – die ehrliche Antwort lautet aber: Vor 15 Uhr passiert nichts, was du nicht auch um 16 Uhr noch erleben könntest. Dafür ist das Seebecken um 18 Uhr eine völlig andere Stadt als um 14 Uhr.
Die Route über Bellevue, Quaibrücke und Bürkliplatz ist am Nachmittag streckenweise dicht. Wer sich bewegen will, tut das über die Ränder – oder gar nicht.
4. PEACE RAVE – wenn dir eine Million zu viel sind
Samstag, 14–23 Uhr · Café Europa, Lagerstrasse 22 (Europaallee) · CHF 49
Wem eine Million Menschen zu viele sind: Im Innenhof des Café Europa entsteht am Samstag ein zweiter Dancefloor. PEACE RAVE ist neu und wird getragen von Roland, Studio Club, Stereo Bar, RESONICA, CLT und dem Café Europa. Im Line-up: Jimi Jules, Gina Jeanz, Alex Dallas, 2M und mehr.
Hof statt Strasse, neun Stunden, überschaubare Menge. Die vernünftige Variante – was am Street-Parade-Samstag ein sehr relativer Begriff ist.
5. Frühstück im Auer & Co – zehn Stunden bis acht Uhr morgens
Samstag, ab 22 Uhr bis Sonntag 8 Uhr · Auer & Co, Sihlquai 131
Wenn draussen die Trucks verstummen, fängt es hier erst an: zehn Stunden nonstop House und Tech House, DJs, die den Vibe direkt von der Strasse auf den Dancefloor bringen. Letztes Jahr war der Event innerhalb weniger Wochen ausverkauft – wer mitwill, wartet besser nicht bis Samstagabend.
Und ja: bis acht Uhr morgens heisst wirklich bis acht Uhr morgens.
Vorverkauf ausverkauft – alle vier Ticketkategorien sind weg. An der Abendkasse könnte noch etwas gehen, garantiert ist es nicht.
6. Heaven Parade – Pop statt Bassdrum
Samstag, ab 22.30 Uhr · Heaven Club, Spitalgasse 5 · CHF 23
Kein eigenes Love Mobile, dafür der Anspruch, es mindestens genauso verrückt zu treiben. Wenn sich bei den meisten nach dem Umzug erst so richtig Partystimmung breitmacht, öffnet das Heaven seine Türen. Nach einem Tag Techno legt NOX nachts seinen besten Pop auf – und das ist nach zehn Stunden Bassdrum weniger ein Stilbruch als eine Wohltat. Bis fünf Uhr.
7. Explicit – Safer Space bis vier Uhr
Samstag, ab 23 Uhr bis Sonntag 7 Uhr · Kauz Club, Ausstellungsstrasse 21 · CHF 39
Die sinnlich-positive queere Danceparty – und gleichzeitig ein Zeichen gegen Zensur und Ausgrenzung. Drei Werte stehen über allem: Respekt · Toleranz · Consent. Safer Space für Erwachsene aller Altersgruppen, Geschlechter, Orientierungen und Fetische; Berührungen finden nur mit Zustimmung statt, Rassismus, Bodyshaming, Transfeindlichkeit und Sexismus haben keinen Platz. Fotografiert wird nicht – die Veranstalter machen stattdessen selbst Shootings.
Auf dem Deepfloor legen Scheppert und Liad Krispin auf, auf dem Fast Floor HAUSVRAU und ONX. Wegen der Street Parade beginnt die Party eine Stunde später als sonst – und läuft dafür bis sieben Uhr morgens.
Vorverkauf ausverkauft – Early Bird und reguläre Tickets sind weg. An der Abendkasse könnte noch etwas gehen, garantiert ist es nicht.
Noch nicht genug? Alle Termine des Wochenendes – und alles, was danach kommt – findest du laufend aktualisiert in unserem Event-Kalender. Am 12. August steigt der Grillabend von Hab Queer Bern, am 13. Kweeraoke, am 14. SlayGround und am 15. die Night Pride.
Bevor du losziehst
Wasser, nicht Bier. Die Brunnen entlang des Seebeckens sind gratis, und wer den Samstag überstehen will, trinkt zwischen jedem Getränk eins davon.
Schuhe, die du danach wegwerfen könntest. Neun Stunden Stehen auf Asphalt, der seit dem Morgen in der Sonne liegt – das ist kein Wochenende für die guten Sneaker.
Sonnencreme, und zwar zweimal. Die Quaibrücke hat keinen Schatten. Niemand sieht am Sonntag gut aus mit einem Sonnenbrand in Form eines Harness.
Powerbank und ein echter Treffpunkt. Vereinbart vorher einen Ort und eine Uhrzeit. «Ich schreib dir dann» funktioniert bei einer Million Menschen nicht, und das Netz am Bellevue ist am Nachmittag ungefähr so belastbar wie deine Entscheidungsfähigkeit um zwei Uhr nachts.
Und der Rest. Wer etwas nimmt, sollte wissen, was: Das Drogeninformationszentrum Zürich testet kostenlos und anonym, alle Infos auf saferparty.ch. Hitze plus Substanzen plus zu wenig Wasser ist die Kombination, wegen der jedes Jahr Leute im Sanitätszelt landen.
Consent gilt auch, wenn alle glitzern. Das Explicit schreibt es sich explizit auf die Fahne, aber es gilt überall – auf der Quaibrücke genauso wie auf dem Dancefloor.
Wir sehen uns am Seebecken. 🏳️🌈
