Von der bitterarmen Kindheit in den Smoky Mountains von Tennessee zur globalen Ikone: Dolly Partons Leben liest sich wie ein amerikanisches Märchen. Schon als Kind schrieb sie Songs, mit 21 veröffentlichte sie ihr Debütalbum Hello, I’m Dolly. Danach folgte eine beispiellose Karriere zwischen Country, Pop, Film und Fernsehen. «Jolene», «9 to 5» und «I Will Always Love You» wurden zu Klassikern – letzterer später in der Version von Whitney Houston zu einem weltweiten Mega-Hit.
Parton war weit mehr als Sängerin und Songwriterin. Sie spielte in Filmen wie 9 to 5 und Steel Magnolias, gründete 1986 den Freizeitpark Dollywood und setzte mit ihrer Imagination Library ein Zeichen für Bildung: Das Programm hat weltweit Hunderte Millionen kostenlose Bücher an Kinder verteilt. Elf Grammys, die Aufnahme in die Country Music Hall of Fame und später in die Rock & Roll Hall of Fame gehören zu den zahlreichen Auszeichnungen ihrer Karriere. 2025 erhielt sie zudem den Jean Hersholt Humanitarian Award.
Eine Dolly für die queere Community
Für viele LGBTQ+-Menschen war Parton aber auch deshalb eine Ikone, weil sie Akzeptanz nicht als politische Theorie verstand, sondern als menschliche Selbstverständlichkeit. Bereits 2009 sprach sie sich öffentlich für die Ehe für alle aus. 2016 sagte sie gegenüber Larry King: «We are all God’s children» – wir sind alle Kinder Gottes.
Auch gegenüber trans Menschen blieb sie klar. 2023 sagte sie angesichts der diskriminierenden Gesetzgebung in Tennessee, sie wolle vor allem, dass alle Menschen gut behandelt würden. In ihrer Familie und ihrem Umfeld gebe es trans Menschen, Schwule und Lesben, sagte sie – und sie liebe sie alle, ohne zu urteilen.
Ihre vielleicht prägnanteste Botschaft lautet:
«If you are the fine Christian, that you think you are, why are you judging people? That’s God’s job. We’re supposed to love one another.»
«Wenn du wirklich so ein guter Christ bist, wie du glaubst, warum verurteilst du dann andere? Das ist Gottes Aufgabe. Wir sollen einander lieben.»
Eine Haltung, die gerade in einem politisch zunehmend aufgeheizten Amerika vielen queeren Menschen Trost und Sichtbarkeit gab.
Dolly Parton hinterlässt deshalb mehr als Musik. Sie hinterlässt eine Vorstellung davon, was eine Ikone sein kann: glamourös und bodenständig, gläubig und offen, erfolgreich und grosszügig – und bereit, Menschen zu verteidigen, die andere lieber verurteilen. Für die LGBTQ+-Community bleibt sie damit eine Verbündete, deren wichtigste Botschaft denkbar einfach war: Wir sind, wer wir sind. Und wir verdienen Liebe.
