Petal Review: Ariana Grande zeigt ihre wildeste Seite

Musik

Bild: Universal Music Press | Ariana Grande Petal Cover | Shooting bei Katia Temkin
★★★★★ Ariana Grandes Petal ist keine Neuerfindung, sondern eine kraftvolle Weiterentwicklung. Mit dunkleren Klangwelten und präziserem Songwriting setzt sie sich mit Ruhm, Liebe und Identität auseinander und zeigt dabei ein neues Mass an Selbstsicherheit.

Ariana Grande veröffentlicht mit Petal ihr achtes Studioalbum, nachdem sie im Juni mit dem Hit «Hate That I Made You Love Me» einen Nummer-eins-Einstieg in der Billboard Hot 100 feiern konnte. Das Album führt die künstlerische Richtung von eternal sunshine weiter und zeigt gleichzeitig eine schärfere, konfrontativere Seite ihres Songwriting. Mit einer düstereren Atmosphäre, ausgefeilter Produktion und einem furchtlosen Blick auf Themen wie Ruhm, Liebe und Identität beweist Petal, dass Arianas Entwicklung nicht in einer kompletten Neuerfindung liegt, sondern darin, innerhalb ihres unverkennbaren Sounds neue emotionale Räume zu erschliessen.

Darum verdient das Album 5 Sterne:

Petal bedeutet für Ariana Grande weniger einen radikalen musikalischen Neuanfang als vielmehr einen Perspektivenwechsel. Gemeinsam mit ihren langjährigen Wegbegleitern Max Martin und Ilya Salmanzadeh baut sie auf dem eleganten Pop- und R&B-Fundament von eternal sunshine auf und ersetzt hellere Melodien durch dunklere elektronische Texturen, zurückhaltende Arrangements und eine melancholischere Grundstimmung. Die Produktion bleibt bewusst reduziert und gibt den Songs Raum, sich langsam zu entfalten, anstatt sofort zu explodieren. Gleichzeitig wird Arianas sanftere, kontrolliertere Gesangsweise zu einem weiteren Element des Gesamtbilds und steht nicht mehr nur im Mittelpunkt. Diese subtile klangliche Weiterentwicklung unterstreicht die schwerere emotionale Atmosphäre des Albums, ohne den Versuch zu unternehmen, eine völlig neue musikalische Identität zu erschaffen.

Seine grösste Stärke zeigt Petal jedoch im Songwriting. Von Ariana selbst als:

«a little feral» (ein wenig wild)

beschrieben, widmet sich das Album Emotionen, die sie zuvor eher auf Distanz gehalten hat. Frustration, Enttäuschung und Verbitterung treffen auf Verletzlichkeit und sexuelles Verlangen. Romantik bleibt zwar ein zentrales Thema, dient jedoch häufig als Metapher für Ruhm, öffentliche Beobachtung und den Druck, ständig von einem Publikum bewertet und konsumiert zu werden. Statt klare Antworten oder einfache Auflösungen zu liefern, bewegt sich Ariana bewusst in Grauzonen und schreibt aus einer Perspektive, die wütender, vorsichtiger und selbstreflektierter wirkt als zuvor.

Gerade diese Spannung macht Petal zu einem echten neuen Kapitel in Arianas Karriere. Nicht, weil sie den Sound hinter sich lässt, den sie über Jahre perfektioniert hat, sondern weil sie eine neue Seite ihres Songwritings zeigt: mutiger, weniger entschuldigend und bereit, die komplexen Facetten von Liebe, Ruhm und persönlicher Identität anzusprechen.

Letztendlich zeigt Petal Arianas Entwicklung als Songwriterin und Künstlerin. Ihr Wachstum entsteht nicht dadurch, dass sie bereits alle Antworten gefunden hat, sondern dadurch, dass sie sich ihren Emotionen stellt und die unterschiedlichen Seiten ihrer Persönlichkeit akzeptiert.

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Andreas Koch

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Veröffentlicht:

31.07.2026

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