Drei Monate Schnee, ein mysteriöses Verschwinden: Andrew Haighs neuer Film «A Long Winter»

Film

Bild: A Long Winter | MUBI
Ein Schneesturm, eine verschwundene Mutter und eine Familie, die langsam auseinanderbricht: «A Long Winter» verbindet ein rätselhaftes Verschwinden mit einem berührenden Drama über verdrängte Gefühle und queere Selbstfindung.

Wenn der Winter kein Ende nimmt

Was passiert, wenn ein Mensch verschwindet und mit ihm die Gewissheit, dass morgen alles wieder normal sein wird? Genau dieser Frage geht «A Long Winter» nach. Im neuen Film von Andrew Haigh, dem Regisseur des queeren Dramas «All Of Us Strangers», wird die verschneite Weite der Rocky Mountains zur Kulisse einer Familie, deren scheinbare Idylle Risse bekommt.

Die Geschichte spielt in den 1950er-Jahren. Als Tom zum Militär aufbricht, bleibt sein jüngerer Bruder Mikey mit den Eltern auf einem abgelegenen Bauernhof zurück. Doch die familiäre Routine hält nicht lange: Die Mutter Louise, die mit ihren eigenen Problemen kämpft, verschwindet während des ersten grossen Schneesturms spurlos. Kurz darauf sind die Strassen unpassierbar, die Telefonleitungen tot und die Familie von der Aussenwelt abgeschnitten.

Während Mikey und sein Vater Lester nach Louise suchen, vergehen Wochen. Die Hoffnung auf ihre Rückkehr wird zunehmend von der Frage überschattet, ob sie überhaupt noch am Leben ist. Doch der Film interessiert sich nicht nur für das Schicksal der Vermissten. Im Mittelpunkt steht auch, was ihre Abwesenheit mit den Zurückgebliebenen macht – und welche Geheimnisse in der vermeintlich heilen Familienwelt verborgen liegen.

Besonders Mikey wird durch die Ereignisse aus seiner vertrauten Umgebung gerissen. Er klammert sich an das Leben auf dem Hof, während sich gleichzeitig eine Welt ausserhalb seiner bisherigen Grenzen abzeichnet. Seine Unsicherheit, seine Sehnsüchte und sein Ringen um die eigene Identität verleihen dem Film eine queere Coming-of-Age-Ebene. Dabei geht es auch um die Frage, wie viel Mut es braucht, sich von familiären Erwartungen zu lösen und den eigenen Weg einzuschlagen.

Mit Fred Hechinger als Mikey, Kit Connor als Tom sowie Ebon Moss-Bachrach und Caitríona Balfe als Eltern setzt Haigh auf ein vielversprechendes Ensemble. Die eisige Landschaft ist dabei weit mehr als eine eindrucksvolle Kulisse: Sie spiegelt die emotionale Kälte, die Sprachlosigkeit und die Isolation der Figuren wider.

Nach der Vorführung am Zurich Film Festival wurde «A Long Winter» auch am London Film Festival gezeigt. Die dortige Kritik lobte insbesondere die atmosphärischen Bilder und die feinfühlige Art, mit der Haigh das Mystery-Element mit einem universellen Drama über Familie, Verlust und Selbstfindung verbindet.

In Deutschland startet «A Long Winter» am 18. Februar 2027 im Kino. Ein Schweizer Kinostart ist bislang nicht bekannt.

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Andreas Koch

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Veröffentlicht:

19.10.2026

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