Pink Cross Umfrage – aktuelle Herausforderungen

Wie leben schwule, bisexuelle und queere Männer ihre Beziehungen? Welche Themen beschäftigen schwule, bisexuelle und queere Männer? Was sind ihre Prioritäten für die Zukunft? Wie sehen schwule, bisexuelle und queere Männer ihre Zukunft in der Schweiz? Die Umfrage von Pink Cross gibt Antworten

BEZIEHUNGEN: (Fast) alle kommen auf ihre Kosten!

Wie leben schwule, bisexuelle und queere Männer ihre Beziehungen? Die Pink-Cross-Umfrage gibt Antworten: Die gelebten Beziehungen und ihre Formen sind vielfältig (exklusive Beziehungen, offene Beziehungen, polyamore Konstellationen, Dating usw.). Es gelingt der Mehrheit, eine für sie passende Form zu finden und eine glückliche Beziehung zu führen. Das Singledasein ist jedoch nach wie vor häufiger als erwünscht – die Mehrheit der Singles möchte ihren Beziehungsstatus ändern.

Fast Dreiviertel der Befragten sind in einer Beziehung – und dabei zu 95% eher oder sehr zufrieden. Aber auch bei den Singles herrscht grosse Zufriedenheit – ein Drittel ist eher bis sehr zufrieden während weitere 20% ihrem Beziehungsstatus neutral gegenüberstehen. Und über 70% der Befragten, die regelmässige Liebhaber oder gelegentliche Treffen haben, sind glücklich damit. Die hohe Zufriedenheit der vielen nicht-monogamen Personen zeigt, dass das Klischee, Glück sei nur in einer festen Paarbeziehung zu finden, nicht den Tatsachen entspricht.

Die Vielfalt der gelebten Beziehungen lässt sich nicht einfach kategorisieren; die Kategorien «exklusive», «offene» oder «feste» Beziehungen scheinen unterschiedlich interpretiert worden zu sein und es gibt viele Kombinationen – die Zahlen sind daher mit Vorsicht zu geniessen: Exklusive Beziehungen (gesamt 23%) kommen etwas häufiger in Land- und Bergregionen (25%) als in Städten (20-22%) vor. Bei den offenen Beziehungen spielt nicht nur der Wohnort, sondern auch die politische Ausrichtung eine Rolle: bei rechten Personen kommen sie signifikant weniger vor. Und bei den polyamoren Beziehungen spielt das Alter eine Rolle – unter 30-Jährige leben doppelt so oft polyamor (13-15%), wie der Durchschnitt (6%). Diese Vielfalt wird gespürt: die grosse Mehrheit stimmt zu, dass Beziehungen unter schwulen/bi/queeren Männern im Vergleich vielfältiger sind!

UND WIE WEITER?
Pink Cross freut sich darüber, dass eine so grosse Zahl an Befragten in ihrer Beziehung zufrieden ist – und dass die Zahlen zeigen, was wir schon längst wissen: auch als Single oder in nicht-monogamen Beziehungen wird man glücklich. Gerade dieser Vielfalt an Beziehungsformen und queeren Lebensentwürfen fehlt es an öffentlicher Sichtbarkeit und rechtlicher Anerkennung. Dafür setzen wir uns als Pink Cross weiterhin ein!


POLITIK und aktuelle Herausforderungen

Welche Themen beschäftigen schwule, bisexuelle und queere Männer? Was sind ihre Prioritäten für die Zukunft? Die Pink Cross-Umfrage gibt einige Antworten: Die höchste Priorität hat die gesellschaftliche Akzeptanz im weitesten Sinne. Auch der Zugang zu medizinischer Versorgung oder spezifische Herausforderungen für Senioren und Jugendliche werden häufig genannt. Zudem werden gleiche Rechte im Bereich der Familie gefordert, insbesondere von den Jüngeren.

Die von Pink Cross durchgeführte Umfrage stellte die Frage nach den zukünftigen politischen Prioritäten für LGBTIQ+-Organisationen. Maximal fünf Antworten konnten aus einer Liste ausgewählt werden, mit der Möglichkeit, weitere Prioritäten zu nennen. Die Ergebnisse zeigen: Die höchste Priorität hat die Bildung und Sensibilisierung der Gesellschaft für LGBTIQ+-Fragen. Fast 70% der Teilnehmenden wählten diese Antwort, und zwar über alle Generationen hinweg.

Auch die Themen Gesundheit und Zugang zu medizinischer Versorgung, Senioren und Engagement für deren besonderen Bedürfnisse und die rechtliche Gleichstellung bezüglich Elternrechte und Familienformen werden oft genannt. Einige Themen haben bei den verschiedenen Generationen unterschiedliche Priorität: Die besonderen Bedürfnisse der Senior sind für ältere Menschen besonders wichtig, nämlich bei über 60% bei den Jahrgängen vor 1980, gegenüber weniger als 40% der jüngeren Menschen. Umgekehrt ist die Frage nach Familienrecht und Elternschaft für 70% der nach 1990 Geborenen eine Priorität, während es bei den Jahrgängen vor 1980 weniger als 50% sind.

WIE WEITER?
Die genannten Themen sind Prioritäten von Pink Cross für die kommenden Jahre: Wir wollen eine Gesellschaft, die uns akzeptiert, egal wie alt wir sind! Wir werden uns weiterhin für einen einfachen Zugang zu qualitativ hochwertiger medizinischer Versorgung zu erschwinglichen Preisen einsetzen, und für eine allgemeine Verbesserung der Gesundheit von LGBTIQ+-Menschen. Familienrechte stehen ebenfalls ganz oben auf unserer Agenda. Wir setzen uns auch in Politik und Parlament für ein Ende der Diskriminierung in diesem Bereich ein.


Zukunft: vorsichtig optimistisch?

Wie sehen schwule, bisexuelle und queere Männer ihre Zukunft in der Schweiz? Welche Sorgen oder Erwartungen haben sie? Die Umfrage von Pink Cross gibt Antworten: Eine grosse Mehrheit der Befragten sieht die Zukunft eher optimistisch (57%) oder sogar sehr optimistisch (12%)! Die offenen Antworten zeigen jedoch, dass es nicht an Sorgen mangelt: Diskriminierung, Gewalt, Hate Crimes und die Gefahr von Rückschritten werden häufig genannt.

Fast zwei Drittel der Befragten sehen die Zukunft von schwulen, bisexuellen beziehungsweise queeren Männern in der Schweiz optimistisch oder sehr optimistisch. Nur ein Zehntel ist eher pessimistisch – mit einem etwas höherer Anteil bei älteren Menschen (bis zu 15 % bei den in den 1950er Jahren Geborenen gegenüber knapp 7% ab Jahrgang 2000) und bei Menschen, die auf dem Land leben (14 %).

Der Optimismus ist jedoch nicht frei von Zukunftssorgen, wie aus den offenen Antworten hervorgeht. Fast 800 Personen haben auf die Frage nach den Prioritäten für LGBTIQ+-Organisationen in der Zukunft geantwortet.

Das am häufigsten genannte Thema ist die Diskriminierung und Gewalt gegen queere Menschen (116 Antworten) und das Gegenstück dazu, also eine breite Akzeptanz in der Gesellschaft und gleiche Rechte (112 Antworten). Viele befürchten Rückschritte wegen der Zunahme von Hate Crimes und Hassrede in der Gesellschaft und in der Politik (100 Antworten), während einige Personen besorgt sind, dass die Gesellschaft durch Forderungen der LGBTIQ+-Community «überfordert» werden könnte (50 Antworten). Schliesslich betonen die Befragten, wie wichtig eine Community ist, die zusammenhält und alle einbezieht (55 Antworten), trotz der Unterschiede und der grossen Vielfalt (57 Antworten).

WIE GEHT ES WEITER?
Pink Cross freut sich, dass die meisten schwulen, bisexuellen und queeren Männer positiv in die Zukunft blicken: Die jahrzehntelange Arbeit trägt Früchte! Die Sorge über die Zunahme von Hassrede und Hate Crimes, die anhaltende Gewalt und die Gefahr von Rückschritten bleiben jedoch zentrale Themen unserer Arbeit. Wir werden weiterhin für eine Gesellschaft kämpfen, in der Homophobie und andere Formen von Gewalt endlich Geschichte werden!