Aus für «Emma»: Was bleibt für Lesben und trans Frauen?

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Alice Schwarzer mit grauem Haar lächelt in einem TV-Studio mit blauem Hintergrund
Alice Schwarzer 2022 bei «Maischberger» (Bild: Superbass / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)
Im Dezember erscheint die letzte Ausgabe – am Geld liegt es nicht.

Fast 50 Jahre lang hat die «Emma» gestritten – jetzt hört sie auf. Alice Schwarzer, 83, hat das Ende ihres Magazins angekündigt. Die letzte Nummer am 8. Dezember wird doppelt so dick, mit den 50 wichtigsten Themen aus fünf Jahrzehnten. Die Auflage sinkt, sagt Schwarzer, aber die Einnahmen decken die Ausgaben noch. Ihr Grund: «Wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!» Das Archiv geht ans Deutsche Literaturarchiv Marbach.

Ein Heft, das Türen aufgestossen hat

Schwarz-Weiss-Foto: die junge Alice Schwarzer lächelnd an einem Rednerpult mit Mikrofon
Alice Schwarzer um 1977 (Bild: Heinz Baumann / ETH-Bibliothek Zürich, Com_Ex-BA01-0150-0001, CC BY-SA 4.0)

Die erste «Emma» lag am 26. Januar 1977 am Kiosk. Schwarzer wollte ein Gegengewicht zu den «Männermedien» – und schrieb über Themen, die sonst keiner anfasste: sexuellen Missbrauch von Kindern schon ab 1978, später Genitalverstümmelung und Brustkrebs. Viele Redaktionen zogen erst nach, als die «Emma» vorgelegt hatte.

Und Schwarzer selbst? Dass sie eine Frau liebt, machte sie erst 2018 öffentlich – mit der Hochzeit mit der Fotografin Bettina Flitner, nach über 30 Jahren als Paar.

Und dann kam die «Transideologie»

1984 begrüsste Schwarzer trans Frauen noch als «Schwestern». Davon war zuletzt wenig übrig. 2022 griff die «Emma» die Grünen-Politikerin Tessa Ganserer an, nannte ihren Deadname und schrieb, sie sei «physisch und rechtlich ein Mann». Das Schwule Museum Berlin nannte den Text einen Angriff auf die Würde aller trans Personen – der Deutsche Presserat wies die Beschwerden ab.

Am Tag, als der Bundestag 2024 das Selbstbestimmungsgesetz beschloss, schrieb Schwarzer von «Verstümmelung der Genitalien». Nur: Das Gesetz regelt Geschlechtseintrag und Vornamen – medizinische Eingriffe sind ausdrücklich ausgenommen. 2023 forderten 33 Autor*innen und Künstler*innen, einen Auftritt von ihr abzusagen. Schwarzer bestreitet bis heute, transfeindlich zu sein.

Was das für uns heisst

In der Schweiz gilt, wovor Schwarzer warnte, schon seit 2022. Eine Erklärung beim Zivilstandsamt genügt – ab 16 ohne Zustimmung der Eltern, ohne Operation, ohne Gutachten. Rund 3000 Personen haben ihren Eintrag seither geändert.

Mit der «Emma» verstummt eine der lautesten Stimmen gegen trans Rechte im deutschsprachigen Raum – zumindest am Kiosk. Die Argumente verschwinden damit nicht, sie leben in Talkshows und Kommentarspalten weiter.

Was bleibt, ist eine Lehre: Feminismus und queere Rechte gehören zusammen. 1984 war das für Schwarzer selbstverständlich. Für uns ist es das heute – Lesben, trans Frauen, alle, die mit Rollenbildern brechen, kämpfen für dieselbe Freiheit.

Die «Emma» geht – die Freiheit, für die sie einmal stand, bleibt unsere.

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Veröffentlicht:

21.10.2026

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