Karlheinz Weinberger: Der Aussenseiter mit der Kamera

Kultur

Bild Karlheinz Weinberger
Zwischen Arbeiteralltag und schwuler Subkultur schuf Karlheinz Weinberger ein einzigartiges fotografisches Werk. Seine Bilder erzählen von Erotik, Identität und Rebellion – und geben bis heute Rätsel auf.

Karlheinz Weinberger (1921 – 2006) fotografierte zeit seines Lebens. Er blieb aber bis zu seiner Pensionierung Arbeiter: Teppich- und Möbelverkäufer, später Leiter eines Beleuchtungslagers. Darüber sagte er: «Was ich arbeitete, machte ich richtig, aber es interessierte mich nie. Ich habe nur für die Fotografie gelebt. Für mich war der Feierabend massgebend, die Wochenenden und die Ferien. Wenn um 17 Uhr der Rollladen runterging, begann meine Zeit.»

Karlheinz Weinberger, Arbeiter und Fotograf. (Bild: Karlheinzweinberger.ch)

Karlheinz stiess in den 1950er-Jahren zur Schwulenorganisation KREIS. Hier nannte er sich Jim. Seinen richtigen Namen kannte niemand. Im KREIS blieb er immer mehr oder weniger ein Fremder, denn seine Interessen lagen ausserhalb des Schwulenghettos. Doch ohne die finanzielle Unterstützung durch Eugen Laubacher/Charles Welti, Redaktor der Zeitschrift «Kreis», wäre er kaum bekannt geworden.

Bild: Karlheinz Weinberger
Mitte: Halbstarke Elvis-Fans. Unten: Szene im Stück «Der Elefant im Porzellanladen» mit Karlheinz Weinberger alias Jim (Mitte), 1957.

Jim zog Arbeitertypen vor, «Intellektuelle» mochte er nicht. Seine Bilder lassen die Geschichte des Menschen sichtbar werden. Und immer ist er ein Meister der Erotik.

Mit der Ausstellung «Die Halbstarken» im Zürcher Museum für Gestaltung trat Weinberger im Jahr 2000 erstmals vor ein breites Publikum. Die Bilder stammten aus allen Jahrzehnten ab 1958. Später hatte Weinberger auch in New York, Los Angeles und Toronto Erfolg.

Karlheinz Weinberger verstarb 2006. Der Nachlass umfasst eine noch unbekannte Anzahl Bilder. Sie sind kaum beschriftet. Weinberger selbst soll alles immer rasch gefunden haben, berichten Zeitzeugen, aber das Prinzip der Aufbewahrung blieb sein Geheimnis. 10’359 Prints wurden bislang nummeriert. Es sind noch viele Überraschungen zu erwarten.

 

Fotos aus den Büchern Swiss Rebels und Halbstarke Untitled, ca. 1960

Bilder: Karlheinz Weinberger

DISPLAY Online

Redaktion
DISPLAY Magazin

Artikel jetzt teilen

Veröffentlicht:

10.10.2026

Weitere Artikel zum Thema

KulturPeople

René Hubert gestaltete 1960 für die Swissair Innenräume von Flugzeugen sowie Uniformen. Pink Apple bringt queeren Glamour nach Frauenfeld und Zürich. Das geht auch umgekehrt: In der ersten Hälfte des […]

02.05.2026

Film

Vom 28. April an verwandelt sich Zürich für zehn Tage in ein Schaufenster des queeren Weltkinos. Das Pink Apple zeigt in seiner 29. Ausgabe 90 Filme aus 25 Ländern. Tickets gibt es ab
15.04.2026
Søren Torpegaard Lund, dänischer Vertreter beim Eurovision Song Contest 2026 in Wien, Porträtfoto.

Musik

Zwei Wochen vor dem Finale kennen die Wettbüros bereits ihre Favoriten. Hier sind die fünf Länder, auf die Europa gerade schaut.
04.05.2026
Mehr gibt es leider gerade nicht. Wir schreiben fleissig weiter.