Tom Ford und Sex gehören seit jeher zusammen. Unter Creative Director Haider Ackermann bekommt diese Verbindung für Frühling/Sommer 2027 nun ein neues, ausgesprochen freizügiges Kapitel.
Bei der Präsentation in Paris war wenig dem Zufall überlassen: Spiegel säumten den Laufsteg, Models bewegten sich selbstbewusst durch den Raum, während sich ihre Silhouetten vervielfachten. Die Inszenierung spielte mit Blicken, Begehren und der Frage, wie viel man zeigen muss, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Antwort von Ackermann: erstaunlich wenig.
Besonders auffällig war der Tanga – und zwar nicht versteckt unter der Kleidung. Bei den Männer-Looks blitzte er selbstbewusst unter feinen Strickpullovern hervor und wurde damit vom unsichtbaren Darunter zum zentralen Teil des Outfits. Dazu kamen transparente Stoffe, sehr kurze Shorts, tiefe Ausschnitte und körpernahe Silhouetten.
Doch die Kollektion ist keineswegs nur auf nackte Haut reduziert. Ackermann kombiniert die provokanten Elemente mit dem, was man von Tom Ford erwartet: präzise geschnittene Blazer, luxuriöse Seide, Leder, Cashmere und elegante Abendmode. Schwarz, Weiss und Rot dominieren, ergänzt durch kräftige Blau- und Grüntöne.
Gerade diese Mischung macht die Kollektion interessant. Der Sexappeal wirkt nicht wie ein billiger Schockeffekt, sondern wie eine bewusste Neuinterpretation der Tom-Ford-DNA. Ackermann erinnert an die provokative Ästhetik der späten Neunziger- und frühen Nullerjahre – inklusive jener ikonischen Gucci-Momente, mit denen Ford einst die Grenzen zwischen Mode, Erotik und Popkultur verschob.
Und natürlich steckt darin auch eine gehörige Portion queerer Modegeschichte. Männerkörper werden nicht versteckt, sondern inszeniert: sinnlich, selbstbewusst und mit einem Augenzwinkern. Der Tanga wird dabei fast zum Symbol für Ackermanns Ansatz – frech, körperlich und trotzdem luxuriös.
Tom Ford war immer eine Marke, die mit Verführung gearbeitet hat. Ackermann scheint diese Sprache nicht neu erfinden zu wollen. Er spricht sie einfach etwas lauter – und lässt dabei deutlich mehr Haut sehen.
Ob der Männer-Tanga im Sommer 2027 tatsächlich zum Alltag gehört? Vielleicht nicht. Aber als Fashion-Statement funktioniert er schon jetzt ziemlich gut.
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