Der Designer, Künstler und Performer Hans-Joachim «Jochen» Kronier, bekannt unter seinem Künstlernamen Joey Love, ist am 1. Juli nach kurzer, schwerer Krankheit im Kreis seiner Freundinnen und Freunde friedlich zu Hause verstorben.
Kronier gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten der queeren Club-, Kunst- und Performanceszene. Seit den frühen 1990er-Jahren entwarf er Kostüme, Schuhe und Perücken und entwickelte Performances, die zahlreiche Künstlerinnen und Künstler inspirierten. Sein Weg führte ihn von Zürich über Amsterdam nach Berlin.
Bekannt wurde Kronier zunächst in Zürich als Teil der legendären Fright Night und des Varietés Polygon. Mit seinen futuristischen Kostümen, skulpturalen Schuhen und extravaganten Auftritten wurde er rasch zu einer festen Grösse der queeren Clubszene. Für grosse Aufmerksamkeit sorgte er 1994 an der Street Parade Zürich, als seine Arbeiten auf den Titelseiten der Schweizer Presse erschienen.
Nach Stationen in Amsterdam lebte und arbeitete Kronier viele Jahre in Berlin. Von dort aus entstanden Entwürfe für Theater-, Performance-, Drag- und internationale Popproduktionen. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen die ikonischen absatzlosen Schuhe für Lady Gaga sowie Kostüme für deren Tour «artRAVE: The ARTPOP Ball». Darüber hinaus entwarf er Kostüme für Tokio Hotel, sogenannte Foam-Wigs für Alyssa Edwards, einen Schuh für eine Produktion am Friedrichstadt-Palast Berlin unter der künstlerischen Leitung von Manfred Thierry Mugler sowie einen Schuh für eine Produktion der Bayreuther Festspiele. Weitere Arbeiten entstanden für No Angels, Monrose und Nina Hagen für den Film 7 Zwerge.
2013 war eines seiner Schuhwerke Teil der Ausstellung «Schuhtick – Von kalten Füssen und heissen Sohlen» im Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig. Nach Angaben seines Managements beschäftigte sich Kronier bis zuletzt intensiv mit seinem künstlerischen Nachlass. Sein ausdrücklicher Wunsch sei gewesen, sein umfangreiches Archiv zu bewahren, wissenschaftlich zu erschliessen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Eine öffentliche Würdigung mit Freundinnen, Wegbegleiterinnen sowie der Berliner Tanz- und Queer-Community findet am 12. September 2026 im LILIUM Berlin statt.
Derzeit ist in Zürich eine Ausstellung geplant, die sein Lebenswerk präsentieren soll.
«Die Idee, die Ausstellung in der Schweiz und in Zürich zu machen lag nahe, war doch die Schweiz der Inspirationsort seiner Zwanziger. Seine brillianten Designs bis in die Zweitausender in einer Ausstellung als Würdigung seines Lebenswerks zu verewigen, waren für mich und Jochen wichtig. So hatten wir noch zu seinen Lebzeiten besprochen, diese Ausstellung zu planen. Jetzt werde ich dieses Kunstprojekt ohne Jochen zu Ende führen, um das queere Archiv rund um seine Kunstfigur «Joey Love» und des Kostüm -und Schuhateliers Kronier zugänglich zu machen.»
Das Online-Gedenkbuch ist unter joey-love-memorial.com erreichbar. Dort können Erinnerungen, Fotos und persönliche Worte geteilt werden.
Zur Unterstützung der Bestattung sowie der Sicherung des künstlerischen Nachlasses wurde ausserdem ein Crowdfunding eingerichtet: Gofundme
