Jung, schön und ziemlich müde

Fitness

Junger Mann ohne Oberteil vor einer Efeuwand, seitlich wegschauend.
Der Druck, gut auszusehen, ist laut GDI-Studie so hoch wie nie – besonders bei jungen Menschen. (Bild: Глеб Ефимов auf Unsplash)
84 Prozent nehmen Supplements, Männer greifen öfter zu Botox als Frauen, und viele Junge schlafen genug, fühlen sich aber trotzdem erschöpft. Die neue GDI-Studie «Feelgood Revolution» zeigt, wie anstrengend Wohlbefinden geworden ist.

Protein am Morgen, Vitamin D am Mittag, Collagen am Abend. Dazu vielleicht noch Magnesium, weil TikTok gesagt hat, dass man dann besser schläft. Was früher nach Reformhaus klang, liegt heute neben der Kaffeemaschine.

Die Wellness-Industrie ist längst kein Nischenthema mehr. Laut der neuen Studie «Feelgood Revolution» des Gottlieb Duttweiler Instituts ist sie 2024 weltweit auf 6.8 Billionen US-Dollar gewachsen – grösser als die IT-, Sport- oder Tourismusbranche. Das klingt beeindruckend. Und ein bisschen absurd, wenn man daneben die andere Zahl legt: Mehr als die Hälfte der Befragten fühlt sich oft müde.

Acht Stunden geschlafen und trotzdem müde? So geht es vielen. (Bild: Adi Goldstein auf Unsplash)

Das GDI hat für die Studie untersucht, wie Menschen im DACH-Raum über Ernährung, Gesundheit, Schönheit und Wohlbefinden denken. Herausgekommen ist kein Wellness-Märchen mit Matcha-Schaum, sondern ein sehr vertrautes Durcheinander. Wir tun viel für uns. Manchmal vielleicht zu viel. Und erholt sind wir danach trotzdem nicht unbedingt.

Männer, Botox und der neue Druck

Besonders interessant wird die Studie dort, wo es um Schönheit geht. Männer haben im DACH-Raum bei Botox die Frauen überholt: 8 Prozent der Männer nutzen das Mittel, bei den Frauen sind es 6 Prozent. Die Studie nennt das «Brotox» – ein Kofferwort aus «Bro» und «Botox», das ziemlich gut beschreibt, was gerade passiert.

Der Druck auf Männerkörper ist nicht neu. In der schwulen Community schon gar nicht. Nur wurde er lange anders verpackt: Fitness, Pflege, Disziplin, gutes Altern, «sich nicht gehen lassen». Jetzt hat er ein klareres Gesicht bekommen. Oder eben eines, das sich möglichst wenig bewegt.

30 Prozent der Befragten würden Schönheitsoperationen in Betracht ziehen, wenn sie kostenlos und risikofrei wären. Bei Männern werden vor allem Gesicht, Haare, Nase und Bauch genannt. Das überrascht nicht wirklich. Wer einmal durch Instagram scrollt, weiss: Der Körper ist längst kein Zuhause mehr, sondern ein Projekt mit offenen Tasks.

Wellness macht nicht nur entspannter

Die Studie spricht vom «Wellness-Paradox». Gemeint ist: Was uns entlasten soll, kann neuen Druck erzeugen. Gesünder essen, besser schlafen, genug Schritte machen, Wasser trinken, Bildschirmzeit senken, Haut pflegen, Muskeln halten, mental stabil bleiben. Alles für sich genommen sinnvoll. Zusammen klingt es schnell wie ein Nebenjob.

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Mehr als ein Drittel der Befragten fühlt sich von den Erwartungen an ein gesundes Leben gestresst. Gleichzeitig nutzen 44 Prozent Geräte oder Apps zur Gesundheitsüberwachung. Die Uhr weiss, wie gut wir geschlafen haben. Die App weiss, ob wir genug gelaufen sind. Und irgendwo dazwischen wissen wir selbst nicht mehr genau, ob wir uns besser fühlen oder nur besser dokumentiert sind.

Besonders stark trifft es junge Menschen. Bei den 16- bis 24-Jährigen steht mehr als die Hälfte häufig unter Zeitstress. Nicht einmal die Hälfte der Unter-40-Jährigen ist mit der eigenen mentalen Gesundheit zufrieden. Und fast ein Viertel der Unter-25-Jährigen konsultiert bei Gesundheitsfragen soziale Medien – die selten nur eine Frage beantworten, sondern meistens gleich das nächste Problem mitliefern.

Welcher Feelgood-Typ bist du?

Die Studie teilt die Befragten in vier Feelgood-Typen ein. Da sind die «Strugglers», die ihren Körper eher als Baustelle sehen. Die «Achievers», die Gesundheit wie ein Leistungsziel behandeln. Die «Balancers», die stärker auf Selbstakzeptanz setzen. Und die «Agnostics», die sich mit dem Thema möglichst wenig beschäftigen – bei Letzteren sind Männer übervertreten.

Die meisten von uns dürften sich irgendwo wiederfinden. Vielleicht morgens als Achiever, nachmittags als Struggler und abends als Agnostic mit Chips auf dem Sofa.

Wer es genauer wissen will: Auf gdi.ch/feelgood gibt es ein kurzes Quiz zur Studie. Die Studie selbst ist dort kostenlos abrufbar.

Maurice Müller

Online Redakteur
DISPLAY Magazin

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Veröffentlicht:

27.05.2026

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