Schwule Männer werden weltweit über Dating-Apps in Hinterhalte gelockt

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In Sovizzo wurde ein Mann nach einem über Grindr vereinbarten Treffen zusammengeschlagen. (Bild: Alfred Kenneally/Unsplash)

In Italien wurde ein Mann nach einem über Grindr vereinbarten Treffen brutal zusammengeschlagen. Der Fall ist erschreckend, aber nicht neu. Rund um den Globus greifen Täter auf dieselbe Masche zurück. Auch in der Schweiz.

Der Angriff in Sovizzo bei Vicenza folgte einem Muster, das Ermittler in mehreren Ländern längst kennen. Ein gefälschtes oder echtes Profil, eine Verabredung, ein Hinterhalt. Mal geht es ums Geld, mal um Gewalt als Selbstzweck. Dem 42-jährigen Opfer in Italien wurde nichts gestohlen. Die Carabinieri gehen von einem gezielten homofeindlichen Angriff aus. Mehrere andere Nutzer meldeten sich danach: Sie hätten fast denselben Fehler gemacht.

In Wien überfiel eine Jugendgruppe einen 49-Jährigen. (Bild: krakenimages.com / Freepik)

Was auffällt: Die Täter werden jünger. In Hessen lockte eine Gruppe Jugendlicher schwule Männer monatelang über Grindr und Romeo in Hinterhalte, verprügelte und beraubte sie. Mindestens acht Fälle sind der Polizei bekannt. Einen der Überfälle filmten die Täter und zeigten das Video stolz in ihrer Schule herum. In Wien überfiel eine Jugendgruppe einen 49-Jährigen nach einem arrangierten Date vor einer Kirche. In London wurde ein Netzwerk verurteilt, das über Grindr in 22 Fällen gezielt schwule Männer ausgeraubt hatte – teils in deren eigenen Wohnungen.

Radikalisierung online, Gewalt offline

Australien zeigt, wohin das führen kann. Dort ist das Problem inzwischen so gross, dass das Parlament des Bundesstaats Victoria eine Untersuchung eingeleitet hat. Hunderte Männer sollen in den letzten zwei Jahren Opfer dieser Masche geworden sein. Ein verurteilter Täter sagte vor Gericht, er sei durch vigilante-artige Videos auf TikTok auf die Idee gebracht worden. Das ist eine Dimension, die über den klassischen Kriminalfall hinausgeht: Angriffe auf schwule Männer werden online inszeniert, geteilt und nachgeahmt. Die Täter bekommen Applaus. Und das Nächste lernt davon.

Dass auch in Spanien ähnliche Fälle bekannt wurden – gefälschte Profile, öffentliche Treffpunkte, dann die Eskalation – zeigt: Das ist kein australisches oder deutsches Problem. Es ist ein weltweites.

Die Schweiz ist da keine Ausnahme

Im Herbst 2023 lockten zwei Männer ihre Opfer über Grindr in Waldgebiete im Zürcher Unterland. Maskiert und mit einer Softair-Pistole bewaffnet schlugen sie die Opfer nieder und raubten sie aus. Das Bezirksgericht Bülach verurteilte das Duo zu unbedingten Freiheitsstrafen von 6 und 6,5 Jahren.

Das war nicht der einzige Fall. Wie SRF im Dezember 2023 berichtete, warnten mehrere Kantonspolizeien gleichzeitig vor einer anderen Variante: Täter vereinbarten über Dating-Plattformen ein Treffen, kamen in die Wohnung des Opfers und mischten ihm eine betäubende Substanz ins Getränk. Wachte das Opfer Stunden später auf, waren Bargeld und Schmuck weg. Die Kantonspolizei Zug sprach explizit von «einem neuen Phänomen, das insbesondere auf Männer abzielt, die intime Beziehungen mit Männern haben». Betroffen waren die Kantone Waadt, Basel-Landschaft, Genf, Zug, Zürich und Bern.

Viele schweigen

Was das Ganze so schwierig macht: Viele Betroffene erstatten keine Anzeige. Aus Angst vor dem Outing, aus Scham, weil man sich nicht erklären will. Das Dunkelfeld ist gross. Die gesellschaftliche Debatte darüber kaum vorhanden.

Wer Dating-Apps nutzt, sollte wissen: Vor einem ersten Treffen lohnt sich ein kurzer Videocall. Erste Dates gehören an belebte öffentliche Orte. Eine Vertrauensperson sollte wissen, wo man ist. Und ein Profil, das zu perfekt wirkt, ist manchmal keins. Realistische Tipps für spezifische Dating-Situationen findest du auch bei Pink Cross.

Wer Opfer eines Übergriffs wird: Anzeige erstatten und den Fall direkt über die App melden. Damit andere gewarnt werden können.

Maurice Müller

Online Redakteur
DISPLAY Magazin

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Veröffentlicht:

14.04.2026

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