Wenn zwei Männer sich in einer Bar verlieben
Wer Paul Mescal und Josh O’Connor in einem Film zusammenbringt und sie sich ineinander verlieben lässt, muss sich um das Publikum keine Sorgen machen. «The History of Sound» läuft ab heute in der Schweiz.
Wir scheinen fixiert auf Paul Mescal. Zuerst war da «Normal People», dann «Aftersun», dann hat er als muskelbepackter Held den Koloss von Rom niedergerungen. Und jetzt das: Mescal spielt Lionel, einen Bauernjungen aus Kentucky mit einem Stipendium für das New England Conservatory in Boston, der eines Abends in einer Bar eine Melodie aus seiner Kindheit hört, gespielt auf dem Klavier von einem Fremden. Der Fremde heisst David, gespielt von Josh O’Connor. Was folgt, ist eine Liebesgeschichte, die beide Männer ihr Leben lang nicht loslässt.
O’Connor kennt das schwule Publikum spätestens seit «God’s Own Country» von 2017, jenem rauen britischen Film über zwei Männer und ihre Liebe auf dem Land. Mescal hat 2023 in «All of Us Strangers» an der Seite von Andrew Scott eine queere Liebesgeschichte gespielt. Die Vertrautheit mit dem Material sieht man beiden an. Ihre Chemie auf der Leinwand ist keine gespielte.
Eine Liebesgeschichte, die wehtut
Regie führt der südafrikanische Filmmaker Oliver Hermanus, der 2011 in Cannes die Queer Palm gewann. «The History of Sound» feierte seine Premiere im Mai 2025 ebenfalls in Cannes, wo er für die Goldene Palme nominiert war und sechs Minuten Standing Ovations erhielt. Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte von Ben Shattuck und folgt den beiden über Jahre: die gemeinsame Reise durch Neuengland, auf der sie Volkslieder auf Wachszylindern aufnehmen, die Unterbrechung durch den Krieg, die Rückkehr, und was davon bleibt.
Mescal hat gesagt, was ihn am Stoff berührt: «Was mich so bewegt, ist dass der Film nicht sagt: Ich hätte das anders machen sollen. Sondern: Was wäre, wenn ich ihn nie getroffen hätte? Aber ich habe ihn getroffen. Es ist eine Traurigkeit, aber auch eine Akzeptanz.»
«The History of Sound» läuft ab heute im Zürcher Kino Riffraff.

Maurice Müller
Online Redakteur
DISPLAY Magazin
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