Troye Sivan will nicht nur Party & Sex. Er will für immer.

Musik

Bild: Troye Sivan 'FF' Musik Video via YouTube
★★★★★ Mit «She’s the Best» verbindet Troye Sivan queere Clubnächte, sexuelles Begehren und die verzweifelte Suche nach Liebe zu einem schillernden Popstatement. Ein Album zwischen hypnotischen Beats, verletzlichen Lyrics und kompromisslos queerer Ästhetik.

Sex, Sehnsucht und die Suche nach Mr. Right

Wer nach «Something to Give Each Other» die nächste ununterbrochene Dancefloor-Eskalation erwartet, wird überrascht. Auf «She’s the Best» tauscht Troye Sivan den Dauerrausch gegen einen Sound, der zwischen Trip-Hop, 90er-Jahre-Alt-Dance, verträumten Synths und Shoegaze-Gitarren pendelt. Die Produktion klingt gleichzeitig verwaschen, sinnlich und wunderbar unberechenbar.

Bild: Troye Sivan 'FF' Musik Video via YouTube

«Party» liefert mit seinem Madonna-Sample den euphorischen Clubmoment, während «Canada Dry» sexuelles Begehren mit lässiger Coolness verbindet. «Embarrassingly» zeigt dagegen die verletzliche Seite des Australiers: Hier treffen intime Gedanken auf sanfte Gitarren und die unangenehme Erkenntnis, dass man emotional längst nicht so unbeteiligt ist, wie man gerne wäre.

Denn hinter dem hedonistischen Glanz steckt ein ziemlich romantischer Kern. Sivan hat in Interviews offen darüber gesprochen, dass er aktuell keinen Freund hat, sich aber sehnlichst einen wünscht. Genau diese Spannung zieht sich durch das Album: Er feiert das queere Nachtleben, träumt gleichzeitig von einem Mann, mit dem er mehr teilen kann als ein paar Stunden im Club. Songs wie «Sex Star» und «Cowboy» kreisen um die Vorstellung eines zukünftigen Partners – irgendwo zwischen sexueller Fantasie und kitschiger Hoffnung.

Auch visuell spielt Sivan in seiner eigenen Liga. Ob Nicole Kidman im Video zum Titeltrack oder die glamouröse Inszenierung von «Party»: Die Bilder sind keine blosse Ergänzung zur Musik, sondern ein zentraler Teil seiner künstlerischen Identität. «She’s the Best» ist vielleicht weniger unmittelbar als sein Vorgänger, dafür persönlicher, experimenteller und emotional ehrlicher. Und genau dann, wenn man denkt, Sivan wolle nur verführen, gibt er zu, dass er selbst dringend jemanden zum Verlieben sucht.

«FF»: Troye Sivan und seine «gayest» Ära

Passend zum Albumrelease erscheint heute, am 9. Oktober, das Musikvideo zu «FF» – und Sivan macht von Anfang an klar, wohin die Reise geht. Auf Social Media kündigte er den Clip als möglicherweise

«my gayest music video yet»

an. Als ein Fan genervt kommentierte, «his entire brand being the fact that he’s gay is so exhausting», hatte Sivan eine unmissverständliche Antwort: «I am gay!!!! Gay gay gay gay».

Bild: Troye Sivan 'FF' Musik Video via YouTube

Mehr queeres Selbstbewusstsein geht kaum. Und doch steckt hinter «FF» mehr als eine Provokation. Während die Abkürzung in der schwulen Community üblicherweise für Fisting oder Fist Fucking steht, bedeutet sie für Sivan

«Fucking Forever».

Der Song ist eine Liebeserklärung an einen Mann, den er noch gar nicht kennt – eine Fantasie über ewige Liebe, die ausgerechnet aus einem Kürzel für eine sexuelle Praktik entsteht.

Das Video, inszeniert von Gordon von Steiner, verbindet sinnliche Körperlichkeit mit der Sehnsucht nach emotionaler Nähe. Sivan flirtet, berührt und fantasiert, ohne den Unterschied zwischen Lust und Liebe künstlich zu verwischen. Er will beides. Und er versteckt es nicht.

Gerade darin liegt der Reiz von «FF»: Sivan nimmt seine queere Identität nicht nur als ästhetisches Markenzeichen, sondern als selbstverständlichen Mittelpunkt seiner Kunst. Wer sich daran stört, bekommt von ihm keine Entschuldigung, sondern viermal «gay!». Und während das Internet darüber diskutiert, träumt Troye weiterhin von seinem zukünftigen Freund. Vielleicht ist das die ehrlichste Pointe des ganzen Albums: Der Popstar, der scheinbar alles hat, sucht immer noch jemanden, der bleibt.

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Mehr Informationen

«She’s the Best» ist vielleicht das bisher ehrlichste Album von Troye Sivan: hemmungslos horny, überraschend verletzlich und getragen von einer Produktion, die jede Emotion in schillernden Pop verwandelt. Zwischen Charli XCX, Madonna und den Sounds der 90er beweist Sivan, dass Referenzen erst dann spannend werden, wenn daraus etwas Eigenes entsteht. Das Ergebnis ist Pop in absoluter Bestform – verspielt, sexuell, sehnsüchtig und unverkennbar Troye Sivan. Ein Album, das nicht nur den Wunsch nach der nächsten wilden Nacht feiert, sondern auch die Hoffnung, danach nicht allein nach Hause zu gehen.

Album rating: ★★★★★

Andreas Koch

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Veröffentlicht:

09.10.2026

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