Ein Sommer, ein Fluss, ein unbekannter Junge: „Strange River“ macht Lust aufs Begehren

Film

(Bild: Salzgeber | Strange River)
Was passiert, wenn eine unerwiderte Liebe auf einen geheimnisvollen Fremden trifft? Jaume Claret Muxarts queeres Spielfilmdebüt „Strange River“ erzählt von Verlangen, Erwachsenwerden und dem Mut, sich auf etwas Unbekanntes einzulassen – poetisch, sinnlich und ganz ohne klassisches Coming-out-Drama.

Ein Fluss, ein Fahrrad, endlose Sommertage – und plötzlich dieser Junge. In „Strange River“ begleitet der katalanische Regisseur Jaume Claret Muxart eine Familie auf einer Radtour entlang der Donau. Im Mittelpunkt steht der 16-jährige Dídac, der eigentlich noch mit einer unerwiderten Liebe beschäftigt ist. Dann taucht immer wieder ein rätselhafter Junge auf. Was zunächst wie eine zufällige Begegnung wirkt, entwickelt eine Sogwirkung, der sich Dídac kaum entziehen kann.

(Bild: Salzgeber | Strange River)

Claret Muxart macht daraus keinen klassischen Coming-out-Film. Genau das macht „Strange River“ interessant. Dídac muss sich nicht erst gegenüber seinen Eltern erklären oder seine Sexualität verteidigen. Seine Familie reagiert aufmerksam und selbstverständlich. Im Zentrum steht stattdessen etwas viel Universelleres: die Aufregung des ersten Begehrens – und die Frage, ob man den Mut findet, diesem Gefühl zu folgen.

Die Idee für den Film entstand beim Regisseur schon als Teenager. Claret Muxart war selbst jahrelang mit seiner Familie auf Fahrradtouren entlang europäischer Flüsse unterwegs. Aus diesen Erinnerungen entwickelte sich über Jahre ein Film, in dem Wasser, Bewegung und Landschaft mehr sind als Kulisse: Die Donau wird zum Spiegel einer Jugend, in der sich alles ständig verändert.

Gedreht auf 16-mm-Film, setzt „Strange River“ auf Atmosphäre statt auf große Erklärungen. Hitze, Wasser, Wind und lange Blicke schaffen eine fast traumartige Stimmung. Gleichzeitig lebt der Film von der Zurückhaltung seiner beiden jungen Hauptdarsteller Jan Monter Palau und Francesco Wenz.

Bild: Salzgeber | Strange River (Bild: Salzgeber | Strange River)

Dass diese Mischung funktioniert, zeigte sich bereits auf internationalen Festivals. „Strange River“ feierte 2025 in Venedig Premiere, wurde für acht spanische Gaudí-Filmpreise nominiert und gewann beim Filmfest München den CineCoPro Award. Nun kommt das Debüt auch regulär ins Kino.

Vielleicht ist „Strange River“ deshalb mehr als nur ein weiterer queerer Coming-of-Age-Film. Er erzählt von einer Generation, für die Kategorien und das klassische Coming-out nicht mehr zwangsläufig im Mittelpunkt stehen. Und von einem Gefühl, das älter ist als jede Schublade: dem aufregenden Moment, in dem ein fremder Mensch plötzlich die ganze Welt verändert.

„Strange River“ startet am 27. August 2026 in den deutschen Kinos.

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Veröffentlicht:

26.08.2026

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