HIV-Schutz darf keine Frage des Geldes sein
Seit Juli 2024 übernehmen die Schweizer Krankenkassen unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für PrEP. Die vorbeugende Medikamenteneinnahme schützt HIV-negative Menschen sehr wirksam vor einer HIV-Infektion und ist insbesondere für viele schwule und bisexuelle Männer ein wichtiger Bestandteil der sexuellen Gesundheit. Doch der bisherige Fortschritt könnte schon bald ins Wanken geraten.
Die Kostenübernahme ist vorerst bis Ende 2026 befristet. Ob PrEP auch ab Januar 2027 über die Grundversicherung finanziert wird und unter welchen Bedingungen, ist noch unklar. Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) muss über die Zukunft der Regelung entscheiden. Eine Fachkommission prüft derzeit die bisherigen Erfahrungen mit dem Programm SwissPrEPared, das von der Universität Zürich geleitet wird.
Mehr Zugang, weniger Hürden
Wie wichtig die Finanzierung ist, zeigt die Entwicklung seit ihrer Einführung: Innerhalb der ersten sechs Monate stieg die Zahl der PrEP-Nutzenden um mehr als 50 Prozent. Die Kostenübernahme hat damit den Zugang zu einer wirksamen Präventionsmethode erleichtert. Ohne Unterstützung können die Medikamente mit rund 50 bis 80 Franken pro Monat gerade für junge Menschen und Personen mit knappem Budget eine Hürde darstellen.
Die Aids-Hilfe Schweiz und Pink Cross setzen sich deshalb dafür ein, dass die Krankenkassen PrEP auch künftig bezahlen. Für sie geht es nicht nur um individuelle Gesundheit, sondern auch um eine wirksame Strategie gegen HIV. Besonders wichtig sei zudem, dass die Kosten nicht an der Franchise hängen bleiben. Sonst könnten ausgerechnet Menschen mit wenig Geld von der Prävention abgeschreckt werden.
Prävention statt Rückschritt
Die Debatte kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt: Die Schweiz will bis 2030 neue HIV-Infektionen verhindern. Aktuell werden pro Jahr weiterhin rund 300 bis 400 Neuinfektionen registriert. Ein verlässlicher und bezahlbarer Zugang zu PrEP bleibt deshalb ein wichtiger Baustein, um dieses Ziel zu erreichen.
Ob die Kostenübernahme verlängert wird, ist noch offen. Klar ist aber: Wer HIV-Infektionen verhindern will, muss wirksame Schutzmöglichkeiten zugänglich machen. Für die queere Community geht es damit um mehr als eine Versicherungsfrage – es geht um sexuelle Selbstbestimmung, Chancengleichheit und die Frage, ob Prävention für alle erreichbar sein soll.
