Olivia trifft Chappell: Pop-Royals oder doch nur ein cleverer Remix?

Musik

Olivia Rodrigo und Chappell Roan machen aus «Expectations» einen Retro-Pop-Hit voller Humor und Drama. Die Chemie stimmt – doch wer stiehlt hier eigentlich wem die Show?

Wenn Olivia Rodrigo und Chappell Roan gemeinsame Sache machen, sind die Erwartungen hoch. Beide wissen, wie man Pop mit Persönlichkeit füllt. Mit dem Remix von «Expectations» liefern sie einen Track, der eingängiger, verspielter und deutlich unterhaltsamer ist als das Original. Doch bei all der musikalischen Magie stellt sich eine Frage: Ist das Olivias nächster grosser Schritt – oder fühlt sich der Song plötzlich mehr nach Chappell an?

Vintage-Beats und eine Prise freche Ironie

Musikalisch bringt der Remix genau die richtige Dosis Retro-Charme mit. Die treibenden Beats und der nostalgische Sound erinnern an Chappell Roans «Good Luck, Babe!», ohne dass der Track bloss wie eine Kopie wirkt. Dazu kommt eine ordentliche Portion Humor, die dem Song eine neue Leichtigkeit verleiht.

Ein Highlight ist der Schlagabtausch rund ums Küssen: Während Olivia singt «I’m not kissing any boy that’s passive», legt Chappell mit einem entschiedenen «I’m not kissing no boy! NO BOY!» nach. Die übertriebene Reaktion ist herrlich frech und spielt mit der Dramatik des Pop-Moments. Genau solche Details machen den Remix besonders unterhaltsam – und geben ihm eine queere, augenzwinkernde Note, die einfach Spass macht.

Das Musikvideo: Retro-Show statt Standard-Clip

Auch visuell zieht das Duo die Idee konsequent durch. Im Musikvideo «The Big Expectations Show» treten die beiden in einer nostalgischen Gameshow auf, die an klassische Fernsehformate vergangener Jahrzehnte erinnert. Talking-Heads-Frontmann David Byrne übernimmt die Moderation, Produzent Dan Nigro ist ebenfalls mit von der Partie.

In diesem Musikvideo orientiert sich Olivia voll und ganz an der Ästhetik von Chappell Roan. Das Ergebnis passt wunderbar zum Song: bunt, theatralisch und mit einem Sinn für Absurdität. Das Video ergänzt den Humor des Remixes, ohne sich allzu ernst zu nehmen. Die Retro-Ästhetik ist zwar nicht gerade revolutionär, funktioniert aber bestens und verleiht dem Projekt einen klaren visuellen Charakter.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Ein Hit – aber wessen Hit?

Die Zusammenarbeit funktioniert. Der Song hat Energie, Humor und einen Sound, der im Ohr bleibt. Olivia Rodrigo zeigt sich dabei experimentierfreudiger und wagt sich hörbar aus ihrer gewohnten musikalischen Komfortzone. Genau das macht den Remix spannend.

Gleichzeitig sticht Chappell Roan so stark hervor, dass man stellenweise fast vergisst, dass es ursprünglich Olivias Song ist. Ihre charakteristische Ästhetik prägt den Track derart deutlich, dass die Balance zwischen den beiden Künstlerinnen etwas ins Wanken gerät. Das ist weniger ein Problem der Zusammenarbeit als eine Frage der künstlerischen Eigenständigkeit.

Denn es wäre mindestens ebenso spannend, Olivia beim nächsten Mal allein auf musikalische Entdeckungsreise zu schicken – ohne dass sie dafür in die Welt einer anderen Künstlerin eintauchen muss. Sie hat das Talent, eine eigene neue Richtung einzuschlagen. Warum also nicht noch mutiger sein und herausfinden, wie diese klingt, wenn sie ganz ihre eigene ist?

Fazit: «Expectations» ist ein echter Pop-Hit: eingängig, witzig und mit genau der richtigen Portion Vintage-Drama. Olivia Rodrigo und Chappell Roan harmonieren hervorragend, auch wenn Chappells Handschrift etwas zu dominant ausfällt. Die Zusammenarbeit macht Lust auf mehr – aber beim nächsten musikalischen Experiment darf Olivia ruhig allein aus ihrer Komfortzone ausbrechen. Denn Pop-Royalty bedeutet nicht nur, mit anderen Stars zu glänzen, sondern auch, eine eigene Krone zu tragen.

DISPLAY Online

Redaktion
DISPLAY Magazin

Artikel jetzt teilen

Veröffentlicht:

16.10.2026

Weitere Artikel zum Thema

Film

Die dreiteilige ZDF-Dokuserie erzählt die Aids-Krise als deutsch-deutsche Geschichte. Im Zentrum stehen Heiko Zolchow und Dirk Nawrocki, zwei schwule Künstler aus der DDR, deren Leben lange kaum erzählt wurde.
22.06.2026

Film

Vier Jahre lang stand Heartstopper für erste Liebe, Coming-out und queere Sichtbarkeit. Mit Heartstopper Forever verabschiedet sich die Netflix-Erfolgsserie nun von Nick und Charlie – reifer, ehrlicher und mit deutlich mehr Intimität. Doch
17.07.2026
Mehr gibt es leider gerade nicht. Wir schreiben fleissig weiter.