Seit September 2025 ist Michael von der Heide mit «von der Heide singt Knef» auf Tournee – rund um den 100. Geburtstag von Hildegard Knef, die am 28. Dezember 2025 hundert Jahre alt geworden wäre. Am 2. Oktober ist dazu die Live-EP «Michael von der Heide singt Knef» erschienen.
Bei einem Cüpli hat Beat A. Stephan mit dem Chansonnier über das Konzert von ESC-Sieger JJ, einen Friedrich-Hollaender-Chanson, Marillenknödel und filmende Fans gesprochen – und über zwei Weihnachtsabende mit Gästen.
Santé Michael, du warst unlängst am Konzert des österreichischen ESC-Gewinners JJ. Wie war’s?
Cheers! Es war ein wunderbares Konzert. JJ beeindruckt durch seine fantastische Stimme und seine grossartigen Songs, aber auch durch seine herzliche Art. Seine Fans waren überglücklich. Es waren viele junge Leute im Publikum, dadurch entstand eine super Stimmung. JJ hatte auch grossartige Musiker*innen dabei. Es war eine Freude, ihn live zu erleben.
Auf dem gemeinsamen Foto mit JJ trägst du ultrakurze Shorts. Darf man dir ein Kompliment machen wegen deiner schlanken Schienen oder ist das zu sexistisch und übergriffig?
Ich beantworte diese Frage gerne mit dem Friedrich-Hollaender-Chanson:
Ich mache alles mit den Beinen
Alles mit den Beinen
Lachen oder weinen
Alles mit den Beinen
Selbst die heilige Liebe
Will mir so nur halb so heilig scheinen
Ich kann ihre Peinlichkeit
Mit meiner Beinlichkeit vereinen.

Und was hat es mit dem freizügigen Badebild «Bye Bye schöner Sommer» auf deinen Accounts auf sich? Ist das in deinem geliebten Südfrankreich entstanden?
Genau, dieses Bild entstand in Le Grand Travers bei Montpellier. Und ja, der Sommer ist halt leider vorbei. Aber das Schöne ist:
«Irgendwo ist immer Sommer.»
Und hier bei uns kommt er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch nächstes Jahr wieder.
Apropos Österreich: Lieber Wiener Schnitzel oder Zürigschnätzlets?
Weder noch. Aber tatsächlich liebe ich die österreichische Küche – vor allem ihre Mehlspeisen. Kaiserschmarrn, Salzburger Nockerln oder Marillenknödel. Das sind für mich einfach Träumchen.

Du hast eine EP mit fünf Songs deiner laufenden Hildegard-Knef-Tournee veröffentlicht. Ist das eine Entschädigung für Fans, die dem Konzert nicht richtig folgen konnten, weil sie vor sich nur Mobiltelefon-Bildschirme sehen, die das Konzert aufzeichnen?
Bei meinen Konzerten ist es zum Glück nicht so, dass die Leute die ganze Zeit filmen. Das finde ich schön. Wenn jemand zwischendurch kurz filmt oder ein Foto macht, habe ich überhaupt nichts dagegen. Es ist grossartig, wenn sie das danach auf ihren Social-Media-Kanälen posten. Aber du hast recht: Wenn man an ein Konzert geht und die ganze Zeit nur noch auf den Bildschirm starrt, finde ich das befremdlich. Ich frage mich dann: Wer schaut sich all diese Aufnahmen später überhaupt noch an? Und vor allem kann man den Moment selbst gar nicht mehr richtig geniessen.
Aber es ist schon bedenklich, dass manche Zuschauer das Konzert nicht wirklich mitbekommen, weil sie die ganze Zeit filmen. Ich finde das traurig. Boy George soll bei einem Konzert in Köln das Publikum aufgefordert haben, die Handys sofort wegzulegen, und damit gedroht haben, sonst nicht weiterzusingen.
Das kann Boy George sich natürlich leisten. Ich selbst sehe es nicht so streng. Ich glaube, es braucht einfach ein gesundes Mass.
Ein Konzert lebt davon, dass die Menschen wirklich da sind und den Moment erleben. Aber wenn man alles komplett verbietet, macht man manche vielleicht auch unglücklich. Und deshalb passt für mich am Ende doch ganz gut:
«Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.»

Und worauf können wir uns freuen aus der Küche von MvdH? Ich hörte da was läuten in Sachen Weihnachts-Specials?
Da hast du richtig gehört. Am 20. Dezember spiele ich im Casinotheater Winterthur und am 21. Dezember im Bernhard Theater in Zürich meine Weihnachtsshow «Noël Noël – Michael von der Heide und Gäste».
Ganz besonders freue ich mich auf Betty Legler, Schweizer Singer-Songwriter-Pionierin, die sich an diesen Abenden wieder einmal öffentlich an den Flügel setzen wird. Auch freue ich mich auf Heidi Happy, die mir mein schönes Weihnachtslied «Mini Wiehnacht» geschrieben hat, und auf den grossartigen Trompeter Lukas Thoeni.
Es wird ein schöner weihnächtlicher Abend. Ich werde selbstverständlich ein paar Knef-Chansons bringen, aber auch einige Songs aus meinem Top-10-Weihnachtsalbum «Noël Noël».
Natürlich werden meine Gäste auch ihre eigenen Songs spielen. Gleichzeitig wird es aber gemeinsame Momente geben: Duette, Lieder zu dritt und ganz unterschiedliche musikalische Begegnungen. Mit diesen wunderbaren Gästen wird es also sehr abwechslungsreich – festlich, persönlich und hoffentlich auch ein bisschen überraschend. Das werden zwei fantastische Abende, und ich freue mich sehr darauf.

Live-EP «Michael von der Heide singt Knef»
Fünf Songs aus der ersten Tranche der Tournee dokumentieren die Energie und Atmosphäre dieser Konzerte – darunter bekannte Knef-Klassiker ebenso wie zwei Titel, die Michael für dieses Projekt erstmals aufgenommen hat.
Die EP beginnt mit «Ich zieh mich an und langsam aus» und führt über «Illusionen» und «Die Herren dieser Welt» bis zu «Die Welt ging unter am Zürichsee» und «Für mich soll’s rote Rosen regnen».

Mehr über ihn: Ist Michael von der Heide schwul? Ja – das sagt er selbst
Tourneeplan: michaelvonderheide.com
Interview: Beat A. Stephan | Fotos: Steve Wenger, zVg
