Zwischen Fachwerk und Fabulous – queer unterwegs in Franken

Reisen

Menschen auf der Straße mit Regenbogen-Regenschirmen und einer Regenbogenfahne mit der Aufschrift „Franken - Tourismus & Friends“
Regenbogenbunt: FrankenTourismus & Friends beim Nürnberger CSD. (Bild: FrankenTourismus | Florian Dawel)
Franken – die Urlaubsregion im Norden Bayerns – kann Fachwerk, Bratwurst und Bierkeller: klar! Aber eben auch Travestie im Winzerdorf, queere Stadtführungen, Prideweeks, Community-Spaces und entspannte Hideaways auf dem Land.

Gestartet wird klassisch – mit einer Stadtführung! «Queer durch Bamberg» zum Beispiel erzählt von queeren Lebensrealitäten in der UNESCO-Welterbe-Stadt vom Mittelalter bis heute. Die Nürnberger Variante blickt unter dem Motto «150 Jahre Emanzipation und Vielfalt» auf die Geschichte homo- und transsexueller Menschen zwischen Freiheit und Verfolgung.

Danach lohnt sich ein Abstecher ins «Rosegardens» mitten in Nürnbergs Fussgängerzone. Seit fast 30 Jahren führen Michael Heidrich und Oliver Spiller ihren aussergewöhnlichen Concept Store im britischen Landhausstil mit Düften, Schokolade, Rosen-Spezialitäten und vielem mehr. Gleichzeitig engagiert sich das Ehepaar auch beim CSD Nürnberg und bei Aktionen zugunsten der Aidshilfe.

Die Fassade eines Gebäudes, von dessen zweitem Stock Regenbogenfahnen herabhängen. Im ersten Stock befindet sich der Laden Rosegarden.
Der Concept Store Rosegardens in Nürnberg ist einen Besuch wert. (Bild: Rosegarden)

Nürnbergs Goldkehlchen

Überhaupt zeigt sich queere Kultur in Nürnberg besonders kreativ. Der schwule Chor «Die Trällerpfeifen» sorgt seit Jahrzehnten für musikalische Sichtbarkeit, ebenso wie ihre lesbischen Sangeskolleginnen von den «Tinnitussis». 2027, wenn «Die Trällerpfeifen» ihr 30-jähriges Bestehen feiern, richten sie gemeinsam das süddeutsche queere Chorfestival «Sirena» aus. 

Fünfzehn in Orange gekleidete Personen, die Gefangene darstellen, sitzen/stehen auf einer Bühne, neben ihnen drei Polizisten, einer links und zwei rechts. Sie posieren alle für ein Foto.
Sie trällern seit fast 30 Jahren: Nürnbergs schwuler Chor «Die Trällerpfeifen». (Bild: Tina Fuchs)

Ebenfalls Kultstatus geniessen die «Schlampenlichter» mit ihren amüsanten Theaterproduktionen im fränkischen Dialekt. Noch schillernder wird es im Nürnberger «Paradies Revue Theater», Deutschlands zweitältester Travestie-Bühne.

Spot auf Glamour und Glitzer

Travestie lebt in Franken nicht nur in der Grossstadt. Im Weinort Handthal im Steigerwald verwandeln mehrmals im Jahr Travestie-Dinner den traditionellen «Brunnenhof» in eine kleine Welt voller Glitzer und Humor. Regelmässig zu Gast im «Brunnenhof»: die Hamburger Travestie-Ikone Elke Winter. Auch das renommierte Klassikfestival «Kissinger Sommer» zeigt 2026 bei einer Varieté-Burlesque-Revue seine glamouröse Seite: Am 21. Juni begrüsst Hostess Sheila Wolf die Crème de la Crème der Varieté- und Travestieszene.

Neben Bühne und Nachtleben spielen auch Film und Kunst eine Rolle. Das Bamberger «Odeon» beteiligt sich regelmässig an der bundesweiten «Queerfilmnacht», während das Historische Museum Bamberg Werke aus 500 Jahren Kunstgeschichte bei einer Spezialführung neu aus der LGBTQIA+-Perspektive betrachtet.

Landleben unter dem Regenbogen

Wer zwischendurch durchatmen möchte, findet in Franken inzwischen auch zahlreiche queerfreundliche Rückzugsorte. In Schwabach entwickelte sich der Burgersgarten zum Treffpunkt für Community-Abende, Konzerte und Dragshows. Im Fränkischen Seenland zeigt das Seecamping Langlau, wie selbstverständlich vielfältige Campingferien heute sein können. Veranstaltungen wie das «Queer Summercamp» gehören dort fest zum Programm.

Tiefenentspannt wird es in den Hassbergen: Der «Amber Ferienhain» in Sulzbach verbindet stilvolle Unterkünfte mit entspannter Landatmosphäre. Neu eröffnet 2026 ausserdem «Das Ziegelanger» in Zeil am Main – ein liebevoll renovierter historischer Hof mit individuell gestalteten Suiten, Patio und Lounge. Die Betreiberpaare dieser stilvollen Unterkünfte haben einen Ort geschaffen, an dem sich queere Gäste nicht erklären müssen.

Die Gastgeber Markus und Pascal mit Hund Miyu bieten im «Das Ziegelanger» in den Hassbergen stylische Suiten an.
Markus und Pascal sitzen lächelnd auf der Fensterbank, ihr Hund Miyu an ihrer Seite.
Bilder: Das Ziegelanger

Partystimmung mit Haltung

Natürlich zelebriert Franken auch Pride. Immer mehr Städte veranstalten CSDs – darunter Coburg, Erlangen, Würzburg, Bayreuth oder Bamberg. Zu den grössten Events zählen die Nürnberger Prideweeks vom 22. Juli bis zum 9. August 2026 unter dem Motto «Nürnberg liebt». Gefeiert wird sowieso das ganze Jahr: in Nürnberg bei den Partys «Rosa Hirsch» und «Pink Gate» oder beim «Rosa Montag» auf dem Volksfest, in Hof bei der «Queerbeat»-Party oder in der Würzburger Moritz Bar.

Zum Schluss noch ein Abstecher ins Fränkische Weinland: Dort verbindet das Rödelseer Weingut Melber Weinbau mit klarer Haltung. Mit der «Rainbow Collection» und limitierten Pride-Seccos unterstützt der Familienbetrieb den Hamburg Pride e.V. sowie den CSD Berlin e.V. – und liefert gleichzeitig gute Gründe, auf das queere Franken anzustossen.

Michael und Marie-Sophie lächeln auf ein Foto, auf dem sie Roséweinflaschen halten.
Michael und Marie-Sophie Melber vom gleichnamigen Weingut präsentieren stolz ihren Charity-Secco zugunsten von Pride Events. (Bild: Weingut Melber)
Sonnenuntergang über den Rebbergen in Handthal im Steigerwald. (Bild: FrankenTourismus / Thomas Glomm.)
Zwei Männer im Wald, einer trägt ein blaues, der andere ein rotes Hemd. Sie stehen neben einem Baum mit einem Schild „Frankenweg“.
Entspannt unterwegs auf dem Frankenweg durchs schöne Nürnberger Land. (Bild: Nürnberger Land Tourismus | Frank Boxler.)
Ein Garten mit einem Ziegelweg, der die beiden Häuser links und rechts verbindet. Im Hintergrund sind verschiedene Bäume und Sträucher zu sehen.
Idyllische Ruhe im Innenhof des Amber Ferienhains in den Hassbergen. (© Amber Ferienhain)

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Veröffentlicht:

14.06.2026

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