Veronica Fusaro hat im zweiten Halbfinale am Donnerstag alles gegeben, und es hat trotzdem nicht gereicht. Zuletzt passierte der Schweiz das 2018, damals mit Zibbz und «Stones». Man hatte sich an sieben Finaleinzüge in Folge gewöhnt. So gross die Enttäuschung auch ist – wir schauen trotzdem nach Wien heute Abend.
Drei Kandidaten haben es uns dabei besonders angetan.
Dänemark: Neonlichter und Netzshirt
Søren wurde mit zehn Jahren vom Musiktheater entdeckt und ist mit siebzehn als jüngste Person überhaupt an der Dänischen Nationalen Hochschule für Darstellende Kunst aufgenommen worden. Er hat Tony in «West Side Story» gespielt, Angel in «Kinky Boots». Auf der ESC-Bühne tritt er jetzt aus der Box hinaus – buchstäblich: In der Inszenierung befindet sich Søren zunächst in einer Box mit Tänzerinnen und Tänzern, Neonlichter heizen die Stimmung auf, dann brechen alle gemeinsam aus. In Sachen Outfit definitiv ein Hingucker.
Und ja: Der Song ist auf Dänisch. Das ist selten und macht das ganze noch etwas mutiger.
Norwegen: Zu sexy für die EBU
Jonas Lovv erhielt nach den Proben eine offizielle Rüge: Seine Choreografie zu «Ya Ya Ya» sei schlichtweg zu provokant für eine familienfreundliche Sendung. Er selbst kommentierte das auf dem türkisfarbenen Teppich unverblümt: «Um es deutlich zu sagen: Es war einfach zu sexy.» Delegationsleiter Mads Tørklep bestätigte, man habe die Wirkung von Jonas‘ Tanzmoves unterschätzt.
Wir finden: Das ist das grösste Kompliment, das man beim ESC bekommen kann. Outfittechnisch erinnert er an Harry Styles in seiner glitzernden Phase oder auch an Måneskin, die mit „Zitti e buoni“ den Eurovision Song Contest 2021 in Rotterdam gewonnen haben – ein bisschen Lederweste, ein bisschen Rockstar, viel Selbstbewusstsein. Musikalisch? Ein Ohrwurm, der sich in den Schläfen festsetzt und nicht loslässt. Die Performance endet in einer triumphierenden Pose, durch die Jonas im Zusammenspiel mit dem Licht wie ein «verehrter Rockgott» wirkt. Ja, ja, ja.
Tschechien: Zerbrechlich und dramatisch
Daniel Žižka ist 23 Jahre alt. «Crossroads» ist ein ruhiger, dunkler Indie-Popsong, den er mit zerbrechlicher, bisweilen auch kraftvoller Stimme vorträgt. Kein lauter Auftritt, keine grosse Maschine. Nur ein junger Mann, der etwas zu sagen hat, mit Back-up-Boys in Schwarz und einer Requisite aus dem Musikvideo. Das Magazin Headliner würdigte ihn als aufstrebendes Talent der tschechischen Musikszene.
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Mehr InformationenWir drücken dem Musicaldarsteller aus Gudme, dem zu sexy getanzten Norweger und dem 23-jährigen Tschechen mit dem dunklen Indie-Song die Daumen. Das ESC-Finale beginnt heute Samstag um 21 Uhr – ohne uns, aber nicht ohne unsere Aufmerksamkeit.
